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Peter Lemken (22.04.2018, 09:32)
So lautet wohl die Spezialbezeichnung für folgenden Arbeitsweg, den ich
gerne in Software hätte:

* Audiodatei in Schnittprogramm laden
* Grafische Anzeige als Hüllkurve (Stereo)
* Zoomen bis ins kleinste Detail
* Markieren einer Region
* Abspielen, aber diese Region nahtlos überspringen
* Anpassen der Region rechts/links, um den richtigen Schnittpunkt zu finden
* Erst wenn das Abspielen richtig klingt, tatsächlich die Region löschen

Ich kenne das von TripleDAT (Wah, Technik aus den 90ern, hat trotzdem genial
funktioniert) und damit konnte man blitzschnell haargenau Scnnittpunkte
setzen und dann ein zusammenängendes File abspeichern.

Nein, Audacity kann das nicht:



Vielleicht bin ich zu sehr auf den Arbeitsweg fixiert und jemand anders hat
eine brilliante Idee, wie man das besser lösen kann. Idealerweise unter
Linux, noch besser Open Source.

Hintergrund: ich habe mir jetzt gescheites Aufnahme-Equipment zugelegt
(Tascam DR 44 WL und Tascam DR-05, sowie Røde NT-5 mit zusätzlichen
Omni-Kapseln und das originale Soundman OKM für das kleine Tascam.

Damit nehme ich entweder Konzerte (z.B. Klavierabende) auf (Das ist dann mit
dem DR05 und den OKMs), oder mein eigenes Klavierspiel mit dem DR44 und den
Kondensatormikrofonen.

Bei meinem eigenen Spiel schleichen sich dann einfach mal Fehler ein, die
ich aber auch mal zu Vorführzwecken in einer Aufnahme ausbügelnmöchte.
Sollte sich einfach machen lassen, wenn ich die entsprecende Passage ein
paar Mal spiele.

Also, mit welcher Software macht man sowas am einfachsten?

Peter Lemken
+43-1
Holger Marzen (22.04.2018, 09:45)
* On 22 Apr 2018 07:32:39 GMT, Peter Lemken wrote:

> So lautet wohl die Spezialbezeichnung für folgenden Arbeitsweg, den ich
> gerne in Software hätte:
> * Audiodatei in Schnittprogramm laden
> * Grafische Anzeige als Hüllkurve (Stereo)
> * Zoomen bis ins kleinste Detail
> * Markieren einer Region
> * Abspielen, aber diese Region nahtlos überspringen
> * Anpassen der Region rechts/links, um den richtigen Schnittpunkt zu finden
> * Erst wenn das Abspielen richtig klingt, tatsächlich die Region löschen


Ich würde es auf eine Art machen, die auf den ersten Blick nach Overkill
riecht. Aber da ich ?meine? DAW (Qtractor) ständig nutze, wäre das meine
erste Wahl. Es sollte auch mit vielen anderen DAWs funktionieren, die
rudimentäre Audiofunktionen bieten.

- Importieren der Audiodatei in die DAW auf eine Stereospur
- Kopieren dieser Spur mit der Audiodatei
- Nichtdestruktiv die erste Spur hinten abschneiden/ausblenden
- Nichtdestruktiv die zweite Spur vorne abschneiden/ausblenden
- So lange schieben und nachbessern, bis es gefällt
- Gesamtwerk ?bouncen? oder mit Audacity in Echtzeit aufnehmen

Obere beiden Spuren von

Alternativ
- Beide beschnittenen Audioclips auf *eine* Spur kopieren und crossfaden
- So lange schieben und nachbessern, bis es gefällt
- Gesamtwerk ?bouncen? oder mit Audacity in Echtzeit aufnehmen

Untere Spur von

Es fehlt
> * Zoomen bis ins kleinste Detail


Der Zoom in Qtractor geht nicht auf Sampleebene runter, in anderen DAWs
vielleicht.
Holger Marzen (22.04.2018, 09:55)
* On 22 Apr 2018 07:32:39 GMT, Peter Lemken wrote:

> Also, mit welcher Software macht man sowas am einfachsten?


Es geht noch einfacher:

- Audiospur in DAW erstellen
- Audiodatei reinziehen
- Störende Teile nondestruktiv rausschneiden
- Bearbeitete Clipteile passend schieben und crossfaden

Die Schritte hab ich in den Spuren 1-4 aufgezeigt, die erfolgen
natürlich nacheinander in der selben Spur.

Holger Marzen (22.04.2018, 09:57)
* On 22 Apr 2018 07:32:39 GMT, Peter Lemken wrote:

> Also, mit welcher Software macht man sowas am einfachsten?


Es geht noch einfacher:

- Audiospur in DAW erstellen
- Audiodatei reinziehen
- Störende Teile nondestruktiv rausschneiden
- Bearbeitete Clipteile passend schieben und crossfaden

Nondestruktiv beschnittene Clips können vorne und hinten auch wieder
verlängert werden, einfach per Click&Drag.

Die Schritte hab ich in den Spuren 1-4 aufgezeigt, die erfolgen
natürlich nacheinander in der selben Spur.

Marcel Mueller (22.04.2018, 10:55)
On 22.04.18 09.32, Peter Lemken wrote:
[..]
> Ich kenne das von TripleDAT (Wah, Technik aus den 90ern, hat trotzdem genial
> funktioniert) und damit konnte man blitzschnell haargenau Scnnittpunkte
> setzen und dann ein zusammenängendes File abspeichern.


VDR kann es auch (Schnittmarken für Werbung), aber das bringt dir wenig.

> Nein, Audacity kann das nicht:


Wieso. Bereich löschen, war nix, Ctrl-Z (Undo), nächster Versuch.
Audacity arbeitet nichtdestruktiv.

> Vielleicht bin ich zu sehr auf den Arbeitsweg fixiert und jemand anders hat
> eine brilliante Idee, wie man das besser lösen kann. Idealerweise unter
> Linux, noch besser Open Source.


Ich kann nur sagen wie ich das Problem früher gelöst habe:
- Ich habe mir meinen Audioplayer geschnappt.
- Dann habe ich die Audio-Datei zweimal in eine Playlist gepackt.
- Dann habe ich bei der ersten Referenz die Bis-Zeit auf vor den ersten
Schnittpunkt gesetzt.
- Anschließend dasselbe mit der Anfangspoistion in der zweiten Datei für
den zweiten Schnittpunkt.
- Dann halt an den Schnittmarken drehen, bis es sich beim Übergang
"glatt" anhört.
- Anschließend die zwei Zeitpunkte in ein Batch-fähiges Schnittprogramm
reinkopiert und die finale Datei erstellt.
- Sicherheitshalber nochmal Qualitätskontrolle, falls man sich doch
irgendwie verhaspelt hatte.

Warum habe ich keinen Editor genommen?
Ganz einfach. Meine Dateien hatten xx Stunden Länge. Bis die alleine
geladen waren, war ich auf die andere Tour schon fertig.
Nur ganz zum Schluss musste das Batch-Programm genau einmal über die
Datei drüber.
Hätte ich es noch öfter gebraucht, hätte ich mir vermutlich ein kleines
Skript geschrieben, was aus der dann gespeicherten Playlistdatei das
Schnittprogramm automatisch mit Schnittmarkenpositionen versorgt.

Allerdings ist die Zahl der Audioplayer, die Slices in Playlisten
können, vermutlich begrenzt. Gapless Playback ist natürlich auch
Pflicht, aber das gibt es häufiger.
Die Funktion war eigentlich für FLAC mit zusätzlichem TOC gedacht. Aber
man könnte in der Playlist-Ansicht eben auch einfach die Zeiten editieren.

> Bei meinem eigenen Spiel schleichen sich dann einfach mal Fehler ein, die
> ich aber auch mal zu Vorführzwecken in einer Aufnahme ausbügeln möchte.
> Sollte sich einfach machen lassen, wenn ich die entsprecende Passage ein
> paar Mal spiele.


Da musst Du die Ohren aber schon gehörig anlegen. Manuelles Spiel hat
selten die Präzision, dass man Schnittpunkte nicht merken würde.
Minimale Änderungen im Anschlag oder auch nur dem Nachhall der letzten
Töne fallen schnell mal auf. Elektronischer Retortensound (aus dem
Sequenzer) ist da deutlich gutmütiger. ;-)

Marcel
Wilhelm C. Schütze (22.04.2018, 17:04)
Am 22.04.2018 um 09:32 schrieb Peter Lemken:

> Also, mit welcher Software macht man sowas am einfachsten?

Audacity war schon richtig. Auch wenn man jede Änderung nicht "bitweise"
aufweiten kann, sondern den ganzen Take neu eingrenzen muss.

Ardour wurde noch nicht genannt. Das ist sicher mindestens eine
Größenordnung professioneller. Vielleicht bist du soweit Musiker, dass
du es tatsächlich ausschöpfen kannst. Aber bis du dein Problem damit
gelöst hast, ... Viel Erfolg

Grüße - Wilhelm
Holger Marzen (22.04.2018, 20:04)
* On Sun, 22 Apr 2018 17:04:13 +0200, Wilhelm C Schütze wrote:

> Am 22.04.2018 um 09:32 schrieb Peter Lemken:
> Audacity war schon richtig. Auch wenn man jede Änderung nicht "bitweise"
> aufweiten kann, sondern den ganzen Take neu eingrenzen muss.
> Ardour wurde noch nicht genannt. Das ist sicher mindestens eine
> Größenordnung professioneller. Vielleicht bist du soweit Musiker, dass
> du es tatsächlich ausschöpfen kannst. Aber bis du dein Problem damit
> gelöst hast, ... Viel Erfolg


Ardour läuft dann unter dem Thema DAW, wie ich es für Qtractor
beschrieben habe.
Reinhard Zwirner (23.04.2018, 15:39)
Peter Lemken schrieb:
> So lautet wohl die Spezialbezeichnung für folgenden Arbeitsweg, den ich
> gerne in Software hätte:


So geht's mit Adobe Audition (Nachfolger von Cool Edit):

> * Audiodatei in Schnittprogramm laden
> * Grafische Anzeige als Hüllkurve (Stereo)
> * Zoomen bis ins kleinste Detail
> * Markieren einer Region


Löschen dieser Region

> * Abspielen ...


Wenn es nicht passt: Undo

In diesem Fall halt

> * Anpassen der Region rechts/links, um den richtigen Schnittpunkt zu finden


> * Erst wenn das Abspielen richtig klingt, tatsächlich die Region löschen


Nö, dann kein "Undo", sondern speichern.

HTH

Reinhard
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