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Ralf Weber (29.12.2003, 14:01)
Hallo zusammen,

falls das überhaupt noch einer liest.

Also folgender Fall:

gebrauchter Monitor privat gekauft (Ebay). Vor Ort ausprobiert und alles
funktioniert.
Zu Hause zeigt er nach 1 Tag keine Rote Farbe mehr. Gewährleistung war nicht
ausgeschlossen.
Nach Erkundigungen bei verschiedenen Leuten deutet einiges auf eine kalte
Lötstelle an der Röhre hin, die einfach im Laufe der Zeit
entsteht durch Erwärmung und Abkühlung im Betrieb und dann halt irgendwann
bricht. Eventuell auch durch den Transport.
Nun möchte ich da innerhalb der Frist von einem Jahr entweder den Monitor
reapiert oder zurücknimmt.
Beides lehnt der Verkäufer ab, da der Monitor ja bei ihm funktioniert hat
(siehe oben) und damit keinen Sachmangel auswies.
Nun bin ich aber der Meinung, dass der Monitor 1 Jahr lang funktionieren
muß, bevor ein
Sachmangel ausgeschlossen werden kann.

Ist das nun so oder reicht es wenn er einmal kurz funktioniert?
Ich werde aus den Texten im Gesetz nicht so recht schlau.

Viele Grüße

Ralf Weber
Hergen Lehmann (29.12.2003, 14:27)
"Ralf Weber" <rwe-medienservice> wrote:

>gebrauchter Monitor privat gekauft (Ebay). Vor Ort ausprobiert und alles
>funktioniert.
>Zu Hause zeigt er nach 1 Tag keine Rote Farbe mehr. Gewährleistung war nicht
>ausgeschlossen.


Das ist schlecht (für den Verkäufer).

>Nun bin ich aber der Meinung, dass der Monitor 1 Jahr lang funktionieren
>muß, bevor ein Sachmangel ausgeschlossen werden kann.


Der Gesetzgeber sieht vor, daß innerhalb der ersten 6 Monate
grundsätzlich angenommen wird, daß ein Sachmangel bereits bei Übergabe
vorhanden war, sofern dies nicht aufgrund der Art des Mangels
(gebrauchsbedingter Verschleiß) ausgeschlossen werden kann.

Die restlichen 6 (bei Gebrauchtware) bzw. 18 (bei Neuware) Monate muß
der Käufer BEWEISEN, daß der Mangel bereits bei Übergabe vorhanden
war. Nur dann besteht ein Gewährleistungsanspruch.

Eine Reduzierung der Fristen ist nur bei Privatverkauf, und nur dann
zulässig, wenn dies VORHER zwischen Verkäufer und Käufer so
abgesprochen wurde.

Hergen
Wolfgang Gerber (29.12.2003, 14:38)
Ralf Weber schrieb:

>gebrauchter Monitor privat gekauft (Ebay). Vor Ort ausprobiert und alles
>funktioniert.


ok

>Zu Hause zeigt er nach 1 Tag keine Rote Farbe mehr.


schlecht

>Gewährleistung war nicht
>ausgeschlossen.


gut

>Nach Erkundigungen bei verschiedenen Leuten deutet einiges auf eine kalte
>Lötstelle an der Röhre hin, die einfach im Laufe der Zeit
>entsteht durch Erwärmung und Abkühlung im Betrieb und dann halt irgendwann
>bricht. Eventuell auch durch den Transport.


solche Schäden sind häufig bei Monitoren

>Nun möchte ich da innerhalb der Frist von einem Jahr


von welchem Jahr? Ich denke du hast den erst einen Tag?

>entweder den Monitor
>reapiert oder zurücknimmt.
>Beides lehnt der Verkäufer ab, da der Monitor ja bei ihm funktioniert hat
>(siehe oben) und damit keinen Sachmangel auswies.


Bei Übergabe hatte er wohl keinen Mangel. Sonst hätte er ja nicht
funktioniert.

>Nun bin ich aber der Meinung, dass der Monitor 1 Jahr lang funktionieren
>muß, bevor ein
>Sachmangel ausgeschlossen werden kann.


Da irrst du. Schau dir mal dazu das BGB an!

>Ist das nun so oder reicht es wenn er einmal kurz funktioniert?
>Ich werde aus den Texten im Gesetz nicht so recht schlau.


Lies noch einmal genau was Gewährleistung bedeutet. Es geht um Mängel,
die bei "Übergabe" vorhanden waren.

Wenn das Teil später, z.B. auf dem Transport kaputt geht oder einfach
alterstypischer Verschleiss ist, dann ist das kein Mangel gemäß dem
Gewährleistungsrecht.

Streitpunkt also: War der Mangel bei Übergabe? Kannst du das beweisen?
Wird nur ein Gutachter können. Und der kostet mehr als der Monitor.

Nachdem aber keine Gewährleistung ausgeschlossen war muss hier der VK
beweisen daß kein Mangel vorlag. (AFAIK - IANAL) Er wird sich also
darauf berufen, daß das Teil von ihm und dir geprüft wurde und
funktioniert hat.

Solange nicht mal fest steht, was überhaupt der Fehler ist, muss dass
zunächst durch einen Fachmann/Gutachter geklärt werden.

Gruss Wolfgang
Dominik Schneider (29.12.2003, 15:23)
"Hergen Lehmann" <hlehmann.expires.301203> schrieb im Newsbeitrag
news:7ln1

> Der Gesetzgeber sieht vor, daß innerhalb der ersten 6 Monate
> grundsätzlich angenommen wird, daß ein Sachmangel bereits bei Übergabe
> vorhanden war, sofern dies nicht aufgrund der Art des Mangels
> (gebrauchsbedingter Verschleiß) ausgeschlossen werden kann.


Ich denke da liegt das Problem: woher will er oder der Verkäufer wissen, ob
es gebrauchsbedingter Verschleiß war? Dazu müsste man das Dingens ja
ziemlich durchtesten.

Gruß

Dominik
Hergen Lehmann (29.12.2003, 15:53)
"Dominik Schneider" <schnakls> wrote:

>Ich denke da liegt das Problem: woher will er oder der Verkäufer wissen, ob
>es gebrauchsbedingter Verschleiß war? Dazu müsste man das Dingens ja
>ziemlich durchtesten.


Gebrauchsbedingter Verschleiß nach nur einem Tag??

Was mit dem Ding VOR dem Kauf passiert ist, kann dem Käufer IMO egal
sein. Er hat ein vorgeblich mängelfreies Gerät erworben, und dafür hat
der Verkäufer mindestens 6 Monate geradezustehen, wenn keine kürzere
Gewährleistungsfrist vereinbart war.
Siehe entsprechende Urteile im Bereich Gebrauchtwagenkauf, wo eine
ähnliche Situation herrscht (Verkauf eines komplexen technischen
Geräts im gebrauchten Zustand).

Hergen
Ralf Weber (29.12.2003, 15:55)
Danke, ich kann also im Prinzip mein Geld abschreiben.
OK, wieder was gelernt.
Danke auf jeden Fall für die Meinung.

Viele Grüße

Ralf
Heiko Nock (29.12.2003, 16:34)
Hergen Lehmann wrote:

> Der Gesetzgeber sieht vor, daß innerhalb der ersten 6 Monate
> grundsätzlich angenommen wird, daß ein Sachmangel bereits bei Übergabe
> vorhanden war, sofern dies nicht aufgrund der Art des Mangels
> (gebrauchsbedingter Verschleiß) ausgeschlossen werden kann.


Bei einem Verbrauchsgüterkauf, der hier angesichts eines Privatverkaufs aber
nicht vorliegt.
Wolfgang Gerber (29.12.2003, 16:47)
Ralf Weber schrieb:

>Danke, ich kann also im Prinzip mein Geld abschreiben.
>OK, wieder was gelernt.
>Danke auf jeden Fall für die Meinung.


Dazu musst du aber nicht drei identische "Dankespostings" hinter jedem
Antworter absetzen.

BTW: so schnell würde ich trotzdem nicht aufgeben. Manchmal hilft ja
etwas gezielter Druck mit den passenden Argumenten.

Gruss Wolfgang
Michael 'Mithi' Cordes (29.12.2003, 17:02)
Hergen Lehmann füllte insgesamt 17 Zeilen u.a. mit:

>Gebrauchsbedingter Verschleiß nach nur einem Tag??


Unsachgemäßer Transport?

cya
Mithi
Michael 'Mithi' Cordes (29.12.2003, 17:10)
Wolfgang Gerber füllte insgesamt 67 Zeilen u.a. mit:

>Bei Übergabe hatte er wohl keinen Mangel. Sonst hätte er ja nicht
>funktioniert.


Exakt

>Nachdem aber keine Gewährleistung ausgeschlossen war muss hier der VK
>beweisen daß kein Mangel vorlag.


Die Beweislastumkehr in den ersten 6 Monaten gilt AFAIK nur für
gewerbliche Händler.
Und ob sie bei Gebrauchtwaren überhaupt greift wäre die nächste Frage.

cya
Mithi
Steffen Sandig (29.12.2003, 17:23)
Hergen Lehmann <hlehmann.expires.301203> wrote in
news:h3o5c1-i38.ln1:

> Gebrauchsbedingter Verschleiß nach nur einem Tag??
> Was mit dem Ding VOR dem Kauf passiert ist, kann dem Käufer IMO egal
> sein. Er hat ein vorgeblich mängelfreies Gerät erworben


Diese Aussage ist falsch. Mangelfreiheit liegt hier dann vor, wenn das Gerät
die in seinem Alter üblichen Verschleißerscheinungen hat. Es wurde
schließlich der Verkauf eines GEBRAUCHTEN Gerätes vereinbart.

Gruß Steffen
Uli Fehr (29.12.2003, 18:33)
"Ralf Weber" <rwe-medienservice> schrieb im Newsbeitrag
news:cmf1

> Danke, ich kann also im Prinzip mein Geld abschreiben.


Wenn der Vk zu blöd war die Gewährleistung auszuschließen
gelten doch die vollen 2 Jahre mit Beweislastumkehr in den
ersten 6 Monaten. D.h. der Vk muss beweisen, dass der 1 Tag
nach Verkauf aufgetretene Fehler nicht schon beim Verkauf
vorgelegen hat. Das kann er - wenn er denn möchte - gerne
durch ein Gutachten beweisen lassen.
Bleibt die Frahe ob das grundsätzlich so auch bei Privat-
verkäufen von Gebrauchtware gilt ...

Grüße - Uli -
Harald Hengel (29.12.2003, 22:20)
Ralf Weber schrieb:

> Nun möchte ich da innerhalb der Frist von einem Jahr entweder den
> Monitor reapiert oder zurücknimmt.


Du hast keine Garantie!
Gewährleistung ist etwas anderes.

> Beides lehnt der Verkäufer ab, da der Monitor ja bei ihm funktioniert
> hat (siehe oben) und damit keinen Sachmangel auswies.


Nach deiner Beschreibung liegt ein Wärmefehler vor, der vermutlich bereits
vor Kauf angelegt war.
Es kann aber ebenso erst beim Transport zu dem Fehler gekommen sein.
Bei Privatverkäufen ist der Käufer nachweispflichtig, was in diesem Fall
sicher schwer ist.

> Nun bin ich aber der Meinung, dass der Monitor 1 Jahr lang
> funktionieren muß, bevor ein
> Sachmangel ausgeschlossen werden kann.


Das ist falsch, du hast keine Garantie.
Die Gewährleistung bezieht sich auf Mängelfreiheit bei Übergabe, aber nur
soweit es sich nicht um normalen Verschleiss handelt.
Die Rechtsprechung sagt, du hast Anspruch auf durchschnittliche Qualität und
Güte.
Jetzt muss man sich die Frage stellen, was zum Beispiel bei einem 7 Jahre
altem Gerät, welches vom Hersteller für 7 Jahre Lebensdauer konzzipiert ist,
aber noch läuft, durchschnittlich ist.
In meinen Augen kaufst du Bastelschrott mit Chance noch ein wenig davon zu
haben, mit dem Risiko des täglichen Ausfalls.

> Ist das nun so oder reicht es wenn er einmal kurz funktioniert?
> Ich werde aus den Texten im Gesetz nicht so recht schlau.


Ich würde zwar sagen, dass der Fehler bei Übergabe angelegt war, aber
beweise es.

Harald
Harald Hengel (29.12.2003, 22:21)
Hergen Lehmann schrieb:

> Gebrauchsbedingter Verschleiß nach nur einem Tag??


Und? Das Gerät war nicht neu.

Harald
Harald Hengel (29.12.2003, 22:23)
Uli Fehr schrieb:

> Wenn der Vk zu blöd war die Gewährleistung auszuschließen
> gelten doch die vollen 2 Jahre mit Beweislastumkehr in den
> ersten 6 Monaten. D.h. der Vk muss beweisen, dass der 1 Tag
> nach Verkauf aufgetretene Fehler nicht schon beim Verkauf
> vorgelegen hat.


Beweislastumkehr?
Gilt die nicht nur bei Händlern?

Harald

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