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Jürgen Jänicke (26.03.2020, 10:12)
Hallo, es wird ja immer wieder gesagt das SSD nicht ewig ohne Strom
liegen sollten und daher nicht als Langzeitspeicher für den Schrank
geeignet sind. Ist das bei den SD-Karten selbiges Problem? Da liest man
immer wieder von z.B. sicherer Foto-Aufbewahrung von 10-20 Jahren. Ist
das tatsächlich so? Wo liegt der Unterschied bzw. eine üblicherweise
'sichere' Grenze bei abgelegten SD-Karten?

Danke für etwas 'Wissen' dazu.

MfG J.J.
Hergen Lehmann (26.03.2020, 10:52)
Am 26.03.20 um 09:12 schrieb Jürgen Jänicke:

> Hallo, es wird ja immer wieder gesagt das SSD nicht ewig ohne Strom
> liegen sollten und daher nicht als Langzeitspeicher für den Schrank
> geeignet sind. Ist das bei den SD-Karten selbiges Problem?


Zumindest ist langes Herumliegen ohne Strom bei SD-Karten ein sehr
typisches Einsatzszenario, und man könnte hoffen, das die Hersteller
einen Gedanken daran verschwendet haben. Mehr als eine vage Hoffnung ist
das aber nicht.

> Da liest man
> immer wieder von z.B. sicherer Foto-Aufbewahrung von 10-20 Jahren. Ist
> das tatsächlich so? Wo liegt der Unterschied bzw. eine üblicherweise
> 'sichere' Grenze bei abgelegten SD-Karten?


10 Jahre für Multilevel-Flash erscheinen mir als überaus optimistische
Hypothese, zumal selbst hochpreisige Markenhersteller zu diesem Thema
vornehm schweigen.

=> Sicher ist nur ein (mehrfaches) Backup, das regelmäßig überprüft und
auf frische Datenträger umkopiert wird. Alles andere kannst du derzeit
in die Tonne treten.
Marcel Mueller (26.03.2020, 14:21)
Am 26.03.20 um 09:12 schrieb Jürgen Jänicke:
> Hallo, es wird ja immer wieder gesagt das SSD nicht ewig ohne Strom
> liegen sollten und daher nicht als Langzeitspeicher für den Schrank
> geeignet sind. Ist das bei den SD-Karten selbiges Problem?


Nein, die verlieren die Daten auch, wenn sie Strom bekommen.
Scrubbing (automatische Datenprüfung) gibt es da nicht.

> Da liest man
> immer wieder von z.B. sicherer Foto-Aufbewahrung von 10-20 Jahren. Ist
> das tatsächlich so?


Ich kenne kein Medium, was öfter Defekte bzw. Datenverluste aufweist als
SD-Karten. Die kommen noch lange vor den Festplatten. Und die wiederum
kommen (bisher noch) vor den SSDs. Letzteres dürfte sich aber bald ändern.

> Wo liegt der Unterschied bzw. eine üblicherweise
> 'sichere' Grenze bei abgelegten SD-Karten?


Eine solche Grenze existiert nicht.

Backups machen, viele!
Und alle paar Jahre den Kram umkopieren auf neue Medien. Wenn es dabei
Probleme gibt, aus den Kopien wiederherstellen.
Für längerfristige Archivierung empfehle ich noch Prüfsummen für jede
Datei zu verwenden. Diese werden dann immer beim Umkopieren kontrolliert.

Marcel
Thorsten Albrecht (26.03.2020, 16:05)
On Thu, 26 Mar 2020 13:21:04 +0100, Marcel Mueller wrote:

>Ich kenne kein Medium, was öfter Defekte bzw. Datenverluste aufweist als
>SD-Karten.


Meine letzte SD-Karte von Kingston hatte ca. 2 Monate gehalten. Dann
plötzlich: tot.
Erklärung von Kingston: Da ist wohl der Controller kaputt gegangen.

Das war allerdings die erste SD-Karte, die bei mir die Grätsche
gemacht hat. Quasi DoA.

Thorsten
Manuel Reimer (26.03.2020, 16:42)
On 26.03.20 13:21, Marcel Mueller wrote:
> Nein, die verlieren die Daten auch, wenn sie Strom bekommen.
> Scrubbing (automatische Datenprüfung) gibt es da nicht.


Das Problem ist: So 100%ig weiß das keiner.

Es gab auch schon Gerüchte das einige SD-Karten tatsächlich
Wear-Leveling betreiben würden.

Was der Controller macht ist erstmal nicht offensichtlich.

Ich hab eine SD-Karte im 24/7-Betrieb in einem Raspberry. Und das seit
ca. 5 Jahren. Da ist allerdings auch ständig Strom dran und was der
Linux-Kernel da im Hintergrund treibt weiß ich auch nicht im Detail. Die
komplette SD-Karte ist Read-Only gemountet. Das System kann nur im RAM
Daten ablegen.

Bei einem Bekannten haben wir eine Baugruppe die die Firmware auf einer
SD-Karte hält. Hat 7 Jahre rumgelegen ohne Strom. Vor ca. einem Jahr
haben wir das wieder in Betrieb genommen mit einem neuen Netzteil und
die Firmware ist direkt vom Start weg sauber geladen worden.

Soviel zu meinen Erfahrungen mit SD-Karten. In der Theorie verlieren die
definitiv irgendwann die Daten. So sehr schnell scheint es aber nicht zu
gehen.

Gruß

Manuel
Marcel Mueller (26.03.2020, 20:18)
Am 26.03.20 um 15:42 schrieb Manuel Reimer:
> On 26.03.20 13:21, Marcel Mueller wrote:
>> Nein, die verlieren die Daten auch, wenn sie Strom bekommen.
>> Scrubbing (automatische Datenprüfung) gibt es da nicht.

> Das Problem ist: So 100%ig weiß das keiner.
> Es gab auch schon Gerüchte das einige SD-Karten tatsächlich
> Wear-Leveling betreiben würden.


Wear-Leveling hat mit der Endurance so gut wie nichts zu tun.

> Ich hab eine SD-Karte im 24/7-Betrieb in einem Raspberry. Und das seit
> ca. 5 Jahren. Da ist allerdings auch ständig Strom dran und was der
> Linux-Kernel da im Hintergrund treibt weiß ich auch nicht im Detail. Die
> komplette SD-Karte ist Read-Only gemountet. Das System kann nur im RAM
> Daten ablegen.


Mir sind schon 2 verreckt (im Pi 1).

> Soviel zu meinen Erfahrungen mit SD-Karten. In der Theorie verlieren die
> definitiv irgendwann die Daten. So sehr schnell scheint es aber nicht zu
> gehen.


Es schwankt halt sehr stark von Fall zu Fall.

Marcel
Manuel Reimer (27.03.2020, 20:24)
On 26.03.20 19:18, Marcel Mueller wrote:
>> Ich hab eine SD-Karte im 24/7-Betrieb in einem Raspberry. Und das seit
>> ca. 5 Jahren. Da ist allerdings auch ständig Strom dran und was der
>> Linux-Kernel da im Hintergrund treibt weiß ich auch nicht im Detail.
>> Die komplette SD-Karte ist Read-Only gemountet. Das System kann nur im
>> RAM Daten ablegen.

> Mir sind schon 2 verreckt (im Pi 1).


Ein zweiter Pi 1 läuft jetzt ca. 1,5 Jahre 24/7 im gleichen Setup.

Das entscheidende scheint zu sein die Schreibvorgänge extrem zu
reduzieren. Bei mir halt auf Null. Natürlich erfasst das Ding auch
Daten. Aber eben nur im RAM und einmal pro Stunde erfolgt ein Upload auf
meinen Server.

Sind in beiden Raspis Samsung SD-Karten.

Gruß

Manuel
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