expertenaustausch > alt.* > alt.talk.unmut

Oliver Sprenger (12.04.2019, 06:16)
Mir scheint es, als ob diese Gruppe immer mehr zu einem Stelldichein
vom Leben gelangweilter Senioren verkommt, die es für eloquent halten,
sich gegenseitig vom Suhlen in ihrer Weltfremdheit zu berichten.

Man kokettiert gern mit der Abstinenz von "modernen"
Kommunikationsmitteln und -medien, nieeeemals nie gar nicht würde man
ein gemäß Jargon sog. "Schlaufon" benutzen. Lächelnd-distanziert
rapportiert man über den digitalen Alltag Anderer, die noch nicht mit
60 Jahren seit 30 Jahren 50 sind und spielt recht überzeugend den
halbsenilen Opi, der zwar vom Enkelkind rein gar nichts mehr kapiert,
aber dafür noch alle SS- und Wehrmachtsdienstgrade und Frontverläufe
bis 45 im Schlaf runterbeten kann.

Dabei war man anno dunnemals doch selbst mal ganz vorn mit dabei, als
so neumodische Sachen wie CB-Funk, Anrufbeantworter, Faxgeräte, E-Mail
und Usenet aufkamen. Klar nahm man die damaligen Grantelopas, die am
liebsten bei Telegraf und Pferdekutsche verweilt wären, als
selbsternannte digitale Bohéme weder ernst noch wahr.

Naja, heute nutzen sie immer noch CB-Funk, E-Mail und (die kläglichen
Reste des) Usenet, haben brav Java (was ohnehin seit 10 Jahren nirgends
mehr zum Einsatz kommt) und JavaScript in ihren Browsern deaktiviert
und echauffieren sich dann, daß keine Website mehr richtig
funktioniert, neumodisches Glump, das. Merken gar nicht, wie die Welt
links und rechts, ach was sage ich, auch noch oben und unten an ihnen
vorbeirauscht. Was passiert wohl, wenn mal irgendwann die letzten
Newsserver abrauchen, die die letzten 15 Jahre völlig vergessen in
staubigen Uni-RZ-Kellern vor sich hinschrabbelten ...

Das ist hier mittlerweile sowas wie der digitale Balkon der Muppetshow
mit den zwei Opas Waldorf und Statler.

HTH,
Nico Hoffmann (12.04.2019, 07:13)
Oliver Sprenger schreibt:

> Das ist hier mittlerweile sowas wie der digitale Balkon der Muppetshow
> mit den zwei Opas Waldorf und Statler.


Du sagst das, als ob es etwas Schlechtes wäre.

N. - die Muppetshow wurde inzwischen durch Facebook & Twitter ersetzt.
Muss ja immer alles modern sein, irgendwie.
Veith (12.04.2019, 11:34)
Am Freitag, 12. April 2019 06:16:37 UTC+2 formulierte Oliver Sprenger:

> Man kokettiert gern mit der Abstinenz von "modernen"
> Kommunikationsmitteln und -medien, nieeeemals nie gar nicht würde man
> ein gemäß Jargon sog. "Schlaufon" benutzen. Lächelnd-distanziert
> rapportiert man über den digitalen Alltag Anderer, ...


Schon immer gestalteten intellektuell Höherstehende, Leistungsträger, die
soziale und künstlerische Avangarde ihr Leben und insbesondere ihre
selbstbestimmte Freizeit anders als Gewöhnliche.

In meiner Kinderzeit war es in den genannten Kreisen bereits durchaus üblich,
moderne Zeittotschlaggeräte, wie Fernseher, bewußt zu meiden.

Statt dessen wurde die schönen Abende traditionell mit hochgeistiger Literatur,
Diskussionen beim Rotwein und am Kamin sowie Gesellschaftspielen und nicht
zuletzt Hausmusik verbracht. Selbst das damals bereits in die Jahre gekommende
Medium "Radio" wurde nur für den Empfang von klassischen Konzerten (und bei
einigen für den Gottesdienst) verwendet.

Vor allem der kommunikative Aspekt wurde durch die Gruppenmitgleider in den
Vordergrund gestellt.

Es ist zuzugeben, dass diese Abstinenz von "modernen" Medien öfters mit der
Akzeptanz durch den Lebenspartner stieg oder fiel. Nicht wenige dieser Vertreter
der intellektuell Höherstehenden, Leistungsträgern bzw. der sozialen und
künstlerischen Avangarde mußten diese anspruchsvolle Lebensweise aufgeben, als
sie zwangsweise den Partner wechselten. Plötzlich hatte sie die größten
TV-Geräte und mächtigsten Antennen auf dem Dach.

Will sagen:
Dieser Wechsel von "alt" auf "modern" ist vergleichsweise einfach. Aber so ein
Vertreter des Gewöhnlichen, kann umgekehrt nicht auf "moderne"
Kommunikationsmittel und -medien, nieeeemals nie gar nicht auf ein "Schlaufon"
verzichten.

Du siehts den Unterschied?

Peter
Torsten Mueller (12.04.2019, 12:08)
Veith <veith> schrieb:

> Dieser Wechsel von "alt" auf "modern" ist vergleichsweise einfach.


Du hast noch nie einen Opa, der nun den allerneusten und allerbestesten
Schlaufernsprecher hat, dabei beobachtet, wie er nun auf den Empfang
einer email reagiert, d.h. auf ein Geräusch, das bisher in seiner Welt
nicht vorkam, das er auch wahrscheinlich gar nicht hört.

"Du hast eine Nachricht."
"Ach?"
...
"Woher weißt Du das?"
"Es hat gepiept."
"Echt?"
...
"Und nu?"

Am besten ist immer die Frage (die kommt immer) "Was, wenn's piept und
ich bin nicht im Raum? Dann hör ich das ja nicht."

T.M.
Frank Hucklenbroich (12.04.2019, 14:02)
Am Fri, 12 Apr 2019 12:08:37 +0200 schrieb Torsten Mueller:

[..]
> "Und nu?"
> Am besten ist immer die Frage (die kommt immer) "Was, wenn's piept und
> ich bin nicht im Raum? Dann hör ich das ja nicht."


Schlaufonregel Nr.1: Das Schlaufon immer am Mann haben! Immer!

Daraus folgt dann das beliebte "Mir ist das Händi ins Klo gefallen".
Deshalb haben die Schlaufon-Hersteller ja alle irgendeinen versteckten
Wasser-Sensor verbaut, so ein Teil, das sich verfärbt, wenn das Händi
abgesoffen ist. Das fällt dann nämlich nicht mehr unter die Garantie.

Wobei moderne Geräte das ja angeblich abkönnen.

Grüße,

Frank
Oliver Sprenger (12.04.2019, 14:19)
On 2019-04-12 09:34:49 +0000, Veith said:

> Am Freitag, 12. April 2019 06:16:37 UTC+2 formulierte Oliver Sprenger:
> Schon immer gestalteten intellektuell Höherstehende, Leistungsträger,
> diesoziale und künstlerische Avangarde ihr Leben und insbesondere
> ihreselbstbestimmte Freizeit anders als Gewöhnliche.


Wenn so ein Vertreter dieser selbsternannten Avantgarde dann nicht mal
richtig schreiben kann, wird's vollends peinlich.

> Du siehts den Unterschied?


Ja. Überdeutlich. Einige schlagen ihre Zeit halt im Usenet tot, weil
alles andere neumodisches Teufelszeug ist. Da degeneriert dann nicht
nur die Rechtschreibung ...

LG,
Veith (12.04.2019, 14:38)
Am Freitag, 12. April 2019 12:08:37 UTC+2 schrieb Torsten Mueller:

> Veith schrieb:
> > Dieser Wechsel von "alt" auf "modern" ist vergleichsweise einfach.

> Du hast noch nie einen Opa, der nun den allerneusten und allerbestesten
> Schlaufernsprecher hat, ...


Doch und viele Stunden ergebnislos mit ihm zuum Thema verbacht. Aber es gibt
anschließend immer einen guten Schluck, somit ist der Streß gleich wieder
vergessen. Du scheinst da was falsch zu machen.

Und sorry, ich hatte den anschließenden Halbsatz vergessen bzw. stillschweigend
vorausgesetzt: »Dieser Wechsel von "alt" auf "modern" ist vergleichsweise
einfach, sofern noch geistig dazu in der Lage.«

Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß man nur jede Mode mitmachen muß, um mit
80 Lebensjahren noch das allerneuste Modell von Schlaufon oder Schlaufernseher
bedienen zu können. Opa hat die letzten 20 Jahre EDV gelehrt und stetsdas
Allerneuste und Beste vom PC-Markt gehabt ... hat nicht wirklich was genutzt.

Daher vergebe ich mir nichts, bspw. statt auf LTE-Bändern weiterhin auf 70cm,
2m und natürlich 11m mein Unwesen zu treiben.

Peter
Veith (12.04.2019, 14:47)
Am Freitag, 12. April 2019 14:19:36 UTC+2 schrieb Oliver Sprenger:

> Einige schlagen ihre Zeit halt im Usenet tot, weil


Nun, bitte nicht von Dir auf andere schließen.

Ich habe Anfang 1992 mit Z-Netz & Co,. angefangen und eher widerwillig aufs
neumodsche usenet umgestiegen.

Die Zeit habe ich damit allerdings nie totgeschlagen, sondern mich stets
inhaltlich mit den Themen auseinandergesetzt resp. meine Auffassungen
"den Wölfen zum Fraß" vorgeworfen und mich nebenbei rethorisch geschult.

> Da degeneriert dann nicht nur die Rechtschreibung ...


Aus dieser langen Erfahrung weiß ich, daß der Verweis auf die Rechtschreibung
ein "Ritterschlag" ist, da der Diskutant keine (inhaltlichen) Argumente mehr
hat und sich auf Äußerlichkeiten zurückzieht. Weiterführende Details finden
sich u.a. im "Peterprinzip".

Was anderes wäre es, wenn Fehler (oder fehlende Groß- und Kleinschreibnung
zur Unleserlichkeit führen würde. Sofern dies bereits der Fall ist, bitte ich
um Rückmeldung ... allerdings in leichter Sprache.

Peter
veith (12.04.2019, 14:50)
Am Freitag, 12. April 2019 14:38:58 UTC+2 schrieb Ingrid:

> Opa hat die letzten 20 Jahre EDV gelehrt ...


Gemeint waren _Arbeits_jahre.

Peter
Torsten Mueller (12.04.2019, 14:50)
Oliver Sprenger <o_sprenger> schrieb:

> Wenn so ein Vertreter dieser selbsternannten Avantgarde dann nicht mal
> richtig schreiben kann, wird's vollends peinlich.
> Ja. Überdeutlich.


Hey, anders als Gewöhnliche sein hat viele Gesichter.


T.M.
Hartmut Ott (12.04.2019, 15:18)
Hej,

Am 12.04.2019 um 12:08 schrieb Torsten Mueller:
> Veith <veith> schrieb:
>> Dieser Wechsel von "alt" auf "modern" ist vergleichsweise einfach.

> Du hast noch nie einen Opa, der nun den allerneusten und allerbestesten
> Schlaufernsprecher hat, dabei beobachtet, wie er nun auf den Empfang
> einer email reagiert, d.h. auf ein Geräusch, das bisher in seiner Welt
> nicht vorkam, das er auch wahrscheinlich gar nicht hört.


Doch, doch - und der hört es sogar. Nur, ich frage mich da dann immer,
wieso er das nicht wegkonfiguriert, denn eine Unterhaltung zu
unterbrechen weil eine eMail kommt, finde ich unhöflich.

Aber ich bin ja auch ein alter Knacker, der es schon seltsam findet,
wenn seine fast genauso alte Schwester mitten in einer Unterhaltung auf
jedes piepen reagiert und dann Sprachnachrichten schickt. Da wäre, so
finde ich, ein kurzer Anruf von Seiten des Nachrichtenversenders sinnvoller.

mfg
Hartmut Ott
*Wir alle tragen den Heiligenschein des gewöhnlichen Wahnsinns*
Klaus Dahlwitz (12.04.2019, 16:49)
Am 12.04.2019 um 06:16 schrieb Oliver Sprenger:
> Das ist hier mittlerweile sowas wie der digitale Balkon der Muppetshow
> mit den zwei Opas Waldorf und Statler.


Geh' doch'rübe^Wzu Facebook oder sonstwas, wenns Dir hier nicht passt!

Klaus
Martin Ebert (12.04.2019, 17:23)
Am 12.04.19 um 06:16 schrieb Oliver Sprenger:

> Mir scheint es, als ob diese Gruppe immer mehr zu einem Stelldichein
> vom Leben gelangweilter Senioren verkommt, die es für eloquent
> halten, sich gegenseitig vom Suhlen in ihrer Weltfremdheit zu
> berichten.


Opa Hoppenstedt - der meint Dich!

> Man kokettiert gern mit der Abstinenz von


Gruppen mit ähnlichen Interessen und Anschauungen grenzen
sich bewusst (oder unbewusst) von anderen Gruppen ab. Das
war immer so, hat neuerdings aber einen Namen.

> haben brav Java (was ohnehin seit 10 Jahren nirgends mehr zum
> Einsatz kommt)


Wenn es denn wenigstens so wäre. Ich höre da ganz anderes.

> und JavaScript in ihren Browsern deaktiviert und


Mich deucht, dass Du wenig Vorstellung vom Arbeits- bzw.
Verantwortungsgebiet nicht weniger hier anwesender Herren
hast.

Mt
Oliver Sprenger (12.04.2019, 18:45)
On 2019-04-12 12:47:55 +0000, Veith said:

> Aus dieser langen Erfahrung weiß ich, daß der Verweis auf die Rechtschreibung
> ein "Ritterschlag" ist, da der Diskutant keine (inhaltlichen) Argumente mehr
> hat und sich auf Äußerlichkeiten zurückzieht. Weiterführende Details finden
> sich u.a. im "Peterprinzip".


Das heißt für Dich im Umkehrschluß also, wer viel Inhalt zu bieten hat,
darf einfach schreiben, wie ihm der Griffel gewachsen ist? Nee, Du. Da
halte ich es lieber mit dem klassischen Konzepts des Respekts vor dem
Leser, von dem ich ja etwas will: nämlich, daß er kostbare Lebenszeit
aufwendet, meine Beiträge zu lesen. Es wäre arrogant, zu erwarten, daß
er sich dafür dann auch noch freiwillig mit der Interpretation der
Ergebnisse des "Schreibens nach Gehör" auseinanderzusetzen hat.

Das schließlich noch als "Ritterschlag" in bezug auf den eigenen
Content zu interpretieren, hat schon was für sich. Ist eine logisch
vergleichbare Pervertierung der Sprache wie neuerdings Schwerbehinderte
als "besonders begabt" zu titulieren.

HTH,
Oliver Sprenger (12.04.2019, 18:47)
On 2019-04-12 14:49:52 +0000, Klaus Dahlwitz said:

> Geh' doch'rübe^Wzu Facebook oder sonstwas, wenns Dir hier nicht passt!


Ach was. Dazu sind einige Reaktionen hier noch viel zu stark mit
unfreiwilliger Komik angereichert. Wenn's final langweilig wird, dann
vielleicht.

LG,