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Markus Franzke (15.05.2020, 12:28)


Ein Monat Fahrverbot bei einer Überschreitung der Höchstgewindigkeit
innerorts um 21 km/h.

Also, 71 km/h in der Stadt sind nicht okay und sollten Konsequenzen haben.

Einen 30 km/h Abschnitt übersieht man schon möglicherweise. In diesem
Fall scheint mir das Fahrverbot ein wenig heftig.

Ich finde, man sollte innerorts nicht pauschal mit diesen 21 km/h
arbeiten, sondern die zugrundeliegende Situation mitberücksichtigen.

M.
Bastian Blank (15.05.2020, 13:29)
arkus Franzke wrote:
> Ein Monat Fahrverbot bei einer Überschreitung der Höchstgewindigkeit
> innerorts um 21 km/h.
> Also, 71 km/h in der Stadt sind nicht okay und sollten Konsequenzen haben.
> Einen 30 km/h Abschnitt übersieht man schon möglicherweise. In diesem
> Fall scheint mir das Fahrverbot ein wenig heftig.


Wenn du statt 30 annimmst du darfst 50 fahren bist du immer noch unter
21 drüber, außer du fährst auch für 50 zu schnell.

Bastian
Frank Hucklenbroich (15.05.2020, 13:36)
Am Fri, 15 May 2020 11:29:07 -0000 (UTC) schrieb Bastian Blank:

> arkus Franzke wrote:
> Wenn du statt 30 annimmst du darfst 50 fahren bist du immer noch unter
> 21 drüber, außer du fährst auch für 50 zu schnell.


51 statt 50 zu fahren ist aber normalerweise im Bereich der zulässigen
Toleranz. Wer also galubt, es gelte 50 und wird mit 51 in einer 30er Zone
erwischt, wäre den Führerschein los.

Bei mir um die Ecke gibt es eine gut ausgebaute Allee (schnugeradeaus), da
war die letzten 40 Jahre durchgehend Tempo 50, jetzt ist auf einem Teil
Tempo 30 eingerichtet worden. Wenn man da täglich durchfährt, weiß man das
irgendwann, wer da aber nur alle paar Monate mal entlangfährt, der kann das
erste "30er" Schild leicht übersehen, denn baulich wurde dort nichts
verändert. Da stehen dann auch oft mobile Blitzer.

Übrigens rudert der Verkehrsminister schon zurück und will diese Regelung
kassieren:



Grüße,

Frank
Reinhard Zwirner (15.05.2020, 13:51)
Frank Hucklenbroich schrieb:
> Am Fri, 15 May 2020 11:29:07 -0000 (UTC) schrieb Bastian Blank:


[...]
>> Wenn du statt 30 annimmst du darfst 50 fahren bist du immer noch unter
>> 21 drüber, außer du fährst auch für 50 zu schnell.


> 51 statt 50 zu fahren ist aber normalerweise im Bereich der zulässigen
> Toleranz. Wer also galubt, es gelte 50 und wird mit 51 in einer 30er Zone
> erwischt, wäre den Führerschein los.


Falsch!

Denn die Meßtoleranz wird schon eingepreist: der Aufschlag beträgt
IIRC 3 km/h (ich bitte ggf. um Korrektur), also muß der Fahrer mind.
54 km/h gefahren sein - und damit zu schnell, wie Bastian richtig
bemerkte.

[...]
> Übrigens rudert der Verkehrsminister schon zurück und will diese Regelung
> kassieren:


Nachdem die Verschärfung vom Bundesrat eingefügt wurde, wird dieser
hoffentlich "Arsch genug in der Hose" haben und bei seiner Haltung
bleiben.

Ciao

Reinhard (auch Autofahrer)
Markus Franzke (15.05.2020, 14:34)
Am 15.05.20 um 13:51 schrieb Reinhard Zwirner:
[..]
> bleiben.
> Ciao
> Reinhard (auch Autofahrer)


Ich bin wahrlich kein Schnellfahrer, aber gerade vor Schulen und
Kindergärten wurden hier in Fulda in der letzten Zeit etliche 30 km/h
Abschnitte hinzugefügt, und die Schilder springen nicht immer ins Auge.

M.
HC Ahlmann (15.05.2020, 15:18)
Markus Franzke <opa-krempel> wrote:

> Ich finde, man sollte innerorts nicht pauschal mit diesen 21 km/h
> arbeiten, sondern die zugrundeliegende Situation mitberücksichtigen.


Das tut man.
Wo auf 30 begrenzt ist, sind mehr Fußgänger unterwegs, als in Bereichen
mit 50 nach §3 oder erhöhten Limits von 70 (mehr geht innerorts nur auf
Kraftfahrstraßen und Autobahnen).
Wer nicht in der Lage ist, situationsangemessen seine Geschwindigkeit zu
wählen, sollte Zeit bekommen, darüber nachdenken ? manche brauchen
Minuten, andere einen Monat.
Diedrich Ehlerding (15.05.2020, 15:33)
Markus Franzke meinte:

> Ich bin wahrlich kein Schnellfahrer, aber gerade vor Schulen und
> Kindergärten wurden hier in Fulda in der letzten Zeit etliche 30 km/h
> Abschnitte hinzugefügt, und die Schilder springen nicht immer ins Auge.


Vielleicht solltest du in Erwägung ziehen, in geschlossenen Ortschaften
die dort allgemein geltende Beschrängung auf 50 km/h einzuhalten - dann
bist du jedenfalls auch dann vor einem Fahrverbot sicher, wenn du ein
Tempo-30-Schild mal übersiehst. Diese 50 sind die höchstzulässige
Geschwindigkeit, nicht die Mindestgeschwindigkeit - niemand bestraft dich,
wenn du knapp 50 fährst.
Stefan Schmitz (15.05.2020, 16:20)
Am Freitag, 15. Mai 2020 13:51:04 UTC+2 schrieb Reinhard Zwirner:
> Frank Hucklenbroich schrieb:
> > Übrigens rudert der Verkehrsminister schon zurück und will diese Regelung
> > kassieren:

> Nachdem die Verschärfung vom Bundesrat eingefügt wurde, wird dieser
> hoffentlich "Arsch genug in der Hose" haben und bei seiner Haltung
> bleiben.


Ach, der Monat Fahrverbot kommt vom Bundesrat?
Ich habe gestern schon gedacht, jetzt habe Scheuer den letzten Rest Verstand
verloren, dass er seine eigene Regelung wieder kippt, nachdem sich ein paar
notorische Raser beschwert haben.

Dann ist das also nur aussichtslose Anbiederung an die Autofahrerlobby.
Tim Landscheidt (15.05.2020, 17:27)
(anonymous) wrote:

>> Ich finde, man sollte innerorts nicht pauschal mit diesen 21 km/h
>> arbeiten, sondern die zugrundeliegende Situation mitberücksichtigen.


> Das tut man.
> Wo auf 30 begrenzt ist, sind mehr Fußgänger unterwegs, als in Bereichen
> mit 50 nach §3 oder erhöhten Limits von 70 (mehr geht innerorts nur auf
> Kraftfahrstraßen und Autobahnen).


Ha. Ha. Ha. Laut der örtlichen Beschilderung wird an den
Schulen hier 96 h/Woche unterrichtet (bis auf einen Stadt-
teil, wo anscheinend samstags frei ist). An den vier Alten-
heimen mit 30-km/h-Begrenzung habe ich zu ?meinen? Zeiten
noch nie Senioren gesehen. Die Fußgänger, die durch eine
ganztägige Beschränkung einer Bundesstraße geschützt werden
sollen, halten sich praktisch ausschließlich in dem Bereich
einer lichtzeichengeregelten Kreuzung auf. Nicht zu verges-
sen die jahrhundertealten Hauptverkehrsstraßen, denen man
nächtliche ?Lärmschutz?-Zonen verpasst hat.

> Wer nicht in der Lage ist, situationsangemessen seine Geschwindigkeit zu
> wählen, sollte Zeit bekommen, darüber nachdenken ? manche brauchen
> Minuten, andere einen Monat.


Das ist ja das Problem: Zu meinen Führerscheinzeiten galt
auf baulich getrennten Fahrbahnen regelmäßig 70 km/h, und
das war der Situation völlig angemessen. Hier? ordnen die
Behörden praktisch nur 60 km/h an (und das auch nur, wenn
sie müssen). An einem Samstagabend um 21:00 Uhr entspricht
eine 30-km/h-Beschränkung vor einer Schule sicherlich nicht
dem tatsächlichen Bedarf (ganz zu schweigen davon, dass je-
ner in diesem Bereich an einem Viertel der Werktage über-
haupt nicht existiert). Vulgo: Wer seine Geschwindigkeit si-
tuationsangemessen wählt, ist den Führerschein los.

Und /daneben/ muss man als Fahrzeugführer immer noch
§ 3 IIa StVO bachten.

Tim
Stefan Schmitz (15.05.2020, 17:42)
Am Freitag, 15. Mai 2020 17:27:10 UTC+2 schrieb Tim Landscheidt:

> Ha. Ha. Ha. Laut der örtlichen Beschilderung wird an den
> Schulen hier 96 h/Woche unterrichtet (bis auf einen Stadt-
> teil, wo anscheinend samstags frei ist).


Werktags 4-20 Uhr?

> An den vier Alten-
> heimen mit 30-km/h-Begrenzung habe ich zu ?meinen? Zeiten
> noch nie Senioren gesehen.


Du meinst, man sollte den Herrschaften feste Ausgangszeiten vorschreiben, damit
das Limit auf diese Zeiten eingeschränkt werden kann?

> Die Fußgänger, die durch eine
> ganztägige Beschränkung einer Bundesstraße geschützt werden
> sollen, halten sich praktisch ausschließlich in dem Bereich
> einer lichtzeichengeregelten Kreuzung auf.


Und die unpraktischen anderen? Ist die Ampel rund um die Uhr aktiv?

> Nicht zu verges-
> sen die jahrhundertealten Hauptverkehrsstraßen, denen man
> nächtliche ?Lärmschutz?-Zonen verpasst hat.


Wirklich skandalös, dass die Anwohner halbwegs ruhig schlafen wollen.

> Vulgo: Wer seine Geschwindigkeit si-
> tuationsangemessen wählt, ist den Führerschein los.


Situationsangemessen ist zuallererst die Berücksichtigung der Beschilderung.
Wer nicht mal das hinkriegt, sollte den Führerschein besser ganz abgeben.

Es ist auch stressfreier, sich an die Schilder zu halten als ständig zu
überlegen, ob man nicht doch besser schneller fahren sollte.
Tim Landscheidt (15.05.2020, 18:13)
Stefan Schmitz <ss32> wrote:

>> Ha. Ha. Ha. Laut der örtlichen Beschilderung wird an den
>> Schulen hier 96 h/Woche unterrichtet (bis auf einen Stadt-
>> teil, wo anscheinend samstags frei ist).


> Werktags 4-20 Uhr?


Nein, von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr.

>> An den vier Alten-
>> heimen mit 30-km/h-Begrenzung habe ich zu ?meinen? Zeiten
>> noch nie Senioren gesehen.


> Du meinst, man sollte den Herrschaften feste Ausgangszeiten vorschreiben, damit
> das Limit auf diese Zeiten eingeschränkt werden kann?


Du meinst, die Herrschaften sollten ihren Tempo-30-Bereich
nicht verlassen dürfen?

>> Die Fußgänger, die durch eine
>> ganztägige Beschränkung einer Bundesstraße geschützt werden
>> sollen, halten sich praktisch ausschließlich in dem Bereich
>> einer lichtzeichengeregelten Kreuzung auf.


> Und die unpraktischen anderen? Ist die Ampel rund um die Uhr aktiv?


Aber freilich.

>> Nicht zu verges-
>> sen die jahrhundertealten Hauptverkehrsstraßen, denen man
>> nächtliche ?Lärmschutz?-Zonen verpasst hat.


> Wirklich skandalös, dass die Anwohner halbwegs ruhig schlafen wollen.


Dass der Wunsch, ruhig schlafen zu wollen, keinen absoluten
Wert hat, merkt man spätestens, wenn man nachts arbeitet.

>> Vulgo: Wer seine Geschwindigkeit si-
>> tuationsangemessen wählt, ist den Führerschein los.


> Situationsangemessen ist zuallererst die Berücksichtigung der Beschilderung.
> Wer nicht mal das hinkriegt, sollte den Führerschein besser ganz abgeben.


> Es ist auch stressfreier, sich an die Schilder zu halten als ständig zu
> überlegen, ob man nicht doch besser schneller fahren sollte.


Ein angenehmer Nebeneffekt eines solchen sprachlichen Zir-
kelschlusses ist auch, dass sich die Behörden die Begründun-
gen für ihre Anordnungen sparen können, denn sie sind ja im-
mer richtig.

Tim
Diedrich Ehlerding (15.05.2020, 18:19)
Stefan Schmitz meinte:

>> Ha. Ha. Ha. Laut der örtlichen Beschilderung wird an den
>> Schulen hier 96 h/Woche unterrichtet (bis auf einen Stadt-
>> teil, wo anscheinend samstags frei ist).

> Werktags 4-20 Uhr?


So ähnlich; vor Kindergärten gern "6-22 Uhr".
Stefan Schmitz (15.05.2020, 18:26)
Am Freitag, 15. Mai 2020 18:13:43 UTC+2 schrieb Tim Landscheidt:
> Stefan Schmitz <ss32> wrote:
> Ein angenehmer Nebeneffekt eines solchen sprachlichen Zir-
> kelschlusses ist auch, dass sich die Behörden die Begründun-
> gen für ihre Anordnungen sparen können, denn sie sind ja im-
> mer richtig.


Man kann auch juristisch gegen die Anordnung vorgehen, wenn man sie für falsch
hält. Einfach so missachten geht aber nicht.
Andreas Portz (15.05.2020, 18:29)
Stefan Schmitz schrieb:

> Wirklich skandalös, dass die Anwohner halbwegs ruhig schlafen wollen.

Die allerwenigsten der Bewohner dürften dort in ihrem jetzigen
Schlafzimmer geboren worden sein, sondern zogen irgendwann freiwillig in
das Haus neben der lauten Hauptstraße.

Es gibt auch solche Geschichten von 'hohen Herren', die sich ein
Ferienhaus oder gar irgendwas zu Dauernutzung in direkte Sicht- und vor
allem Hörweite neben einen für das öffentliche Badevergnügen
freigegebenen Ex-Kiesweiher bauten und anschließend (Stichwort:
Lärmschutz) gegen den Badesee klagten.

-Andreas
Diedrich Ehlerding (15.05.2020, 18:37)
Andreas Portz meinte:

> Es gibt auch solche Geschichten von 'hohen Herren', die sich ein
> Ferienhaus oder gar irgendwas zu Dauernutzung in direkte Sicht- und vor
> allem Hörweite neben einen für das öffentliche Badevergnügen
> freigegebenen Ex-Kiesweiher bauten und anschließend (Stichwort:
> Lärmschutz) gegen den Badesee klagten.


Das sind nicht nur "hohe Herren"; gern hat der Häuslebauer auch das
relativ billige Grundstück gekauft, das genau unter der Einflugscheise der
bereits im Bau befindlichen neuen Startbahn des nahen Flughafens lag, und
dann, als die Startbahn in Betrieb genommen wurde, ...

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