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Ralph Aichinger (02.12.2019, 14:32)
Der Fahrer zahlt 2.800 Euro, die Mutter kriegt Diversion:



Lesenswert die Argumentationslinien. Der Fahrer hält sich für unschuldig.
Kam vom Heurigen. Hatte ein Achterl intus.

/ralph
Martin Τrautmann (02.12.2019, 14:41)
On Mon, 2 Dec 2019 13:32:38 +0100 (CET), Ralph Aichinger wrote:
> Der Fahrer zahlt 2.800 Euro, die Mutter kriegt Diversion:


28 000 ¤ für den Fahrer,
200 Stunden

Ihr habt Helmpflicht im Anhänger? Und der Wimpel soll echt was bringen?

"Fortgeschrittene Dunkelheit" ohne aktive Anhängerbeleuchtung - aber was
mag das für ein Modell gewesen sein, das ohne Reflektoren ausgestatten
gewesen sein soll?

Darf man in AT unbeleuchtete Fußgänger einfach umfahren, die sind dann
selbst schuld?

Ich dachte nicht, dass es noch schlimmer als bei uns geht...

Schönen Gruß
Martin
Ralph Aichinger (02.12.2019, 16:17)
Martin ?rautmann <t-usenet> wrote:
> Ihr habt Helmpflicht im Anhänger?


Ja, im Anhänger, in der Lastenradkiste, auch wenn
angegurtet etc.

> Und der Wimpel soll echt was bringen?


Ich würde sagen, er ist das konsequente Weiterdenken des übrigen
dekorativen Lametta. Er ist halt vorgeschrieben.

> "Fortgeschrittene Dunkelheit" ohne aktive Anhängerbeleuchtung - aber was
> mag das für ein Modell gewesen sein, das ohne Reflektoren ausgestatten
> gewesen sein soll?


Scheinbar ein Hundeanhänger.

> Darf man in AT unbeleuchtete Fußgänger einfach umfahren, die sind dann
> selbst schuld?


Ja, so in der Art. Gerade in der dunklen Jahreszeit. Oder so.

> Ich dachte nicht, dass es noch schlimmer als bei uns geht...


Hab Mitleid mit dem Autofahrer, der ist jetzt ernsthaft traumatisiert,
und kann sich die nächsten Wochen womöglich kein Achterl mehr beim
Heurigen leisten.

/ralph
Gerald EÑ–scher (02.12.2019, 16:37)
Am 02.12.19 um 13:41 schrieb Martin ?rautmann:
> On Mon, 2 Dec 2019 13:32:38 +0100 (CET), Ralph Aichinger wrote:
>> Der Fahrer zahlt 2.800 Euro, die Mutter kriegt Diversion:

> 28 000 ? für den Fahrer,


Der Kurier verschweigt leider die Tagessätze, der reine Geldbetrag ist
nichtssagend.

> 200 Stunden


.... gemeinnützige Arbeit für die Mutter

> Ihr habt Helmpflicht im Anhänger?


Ja, leider. Allerdings ohne Strafandrohung und zivilrechtliche Folgen
bei Nichttragen. Dass man der Mutter strafrechtlich daraus einen Strick
dreht, war vom Gesetzgeber sicher nicht beabsichtigt. Bedanken darf sich
die Mutter bei der Autolobby "Kuratorium für Verkehrssicherheit", die
sich als einzige der damals eingesetzten Expertengruppe für eine
Helmpflicht für Kinder eingesetzt hat und der damaligen, inkompetenten
Verkehrsministerin.

> Und der Wimpel soll echt was bringen?


Staatsanwälte sind keine Fachleute für Fahrradausrüstung.

> "Fortgeschrittene Dunkelheit" ohne aktive Anhängerbeleuchtung - aber was
> mag das für ein Modell gewesen sein, das ohne Reflektoren ausgestatten
> gewesen sein soll?


Übliche Reflektoren können rasch kaputt werden. Der Anhänger hatte
allerdings, wie am Foto sichtbar, einen umlaufenden Reflexstreifen, den
hätte der Autofahrer sehen müssen.
Dass der Anhänger laut Zeitungsartikel nicht geeignet war, bestätigt
meine Vermutung, dass es sich um einen Hundeanhänger gehandelt hat.
Allerdings verstehe ich nicht, dass man auf nicht getragenen Helmen
herumreitet und nicht, dass, weitaus verletzungsträchtiger, die Kinder
nicht in Sitzen angegurtet waren.

> Darf man in AT unbeleuchtete Fußgänger einfach umfahren, die sind dann
> selbst schuld?


Der Autofahrer ist eh gestraft worden.
Anton Ertl (02.12.2019, 17:44)
=?UTF-8?Q?Gerald_E=d1=96scher?= <Dein-Hamster> writes:
>Am 02.12.19 um 13:41 schrieb Martin ?rautmann:
>> Und der Wimpel soll echt was bringen?

>Staatsanwälte sind keine Fachleute für Fahrradausrüstung.


Deswegen gibt's ja Verteidiger, der haette das vorbringen koennen.

>Übliche Reflektoren können rasch kaputt werden. Der Anhänger hatte
>allerdings, wie am Foto sichtbar, einen umlaufenden Reflexstreifen, den
>hätte der Autofahrer sehen müssen.


Ein Objekt dieser Groesse haette der Autofahrer so oder so sehen
muessen, wenn er sich an das Sichtfahrgebot gehalten haette. Laut dem
Artikel
<https://www.diepresse.com/5731945/kinder-starben-in-fahrradanhanger-geldstrafe-fur-lenker-sozialstunden-fur-mutter>
sprach der Richter das auch an. Angesichts der vom Autofahrer laut
Medienberichten auch im Gericht getaetigten Aussage, dass er nichts
gesehen hat (noch nicht einmal, als es zum Bremsen zu spaet war), hat
er wohl ueberhaupt nicht geschaut.

>> Darf man in AT unbeleuchtete Fußgänger einfach umfahren, die sind dann
>> selbst schuld?


Auch das sprach der Richter an.

>Der Autofahrer ist eh gestraft worden.


Noch ist dieser Teil nicht rechtskraeftig. Der Staatsanwalt geht in
Berufung bezueglich des Urteils gegen den Autofahrer (wegen zu
geringer Strafe laut folgendem Artikel), der Autofahrer bedenkt noch.

<https://www.noen.at/niederoesterreich/chronik-gericht/hausleiten-korneuburg-toedlicher-radanhaenger-unfall-geldstrafe-und-diversion-hausleiten-korneuburg-justiz-kriminalitaet-und-justiz-niederoesterreich-primavista-prozess-175720190>

Hier findet sich auch noch etwas zu den Verletzungen der Mutter.

Die Strafe fuer den Autofahrer ist uebrigens EUR 21000 unbedingt (und
weitere 7000 bedingt).

- anton
Sepp Ruf (02.12.2019, 18:41)
Am 02.12.2019 um 13:32 schrieb Ralph Aichinger:
> Der Fahrer zahlt [28.000] Euro, die Mutter kriegt Diversion:
>


[Na super, machst des ab sofort extra mit dem hyperfluiden
Link-Schrottanhang? Bravo!]

> Lesenswert die Argumentationslinien. Der Fahrer hält sich für unschuldig.


Hat die Familie der Getoeteten wohl wesentlich zu harmlos geschaut, dass er
sich das getraut hat zu sagen.

> Kam vom Heurigen. Hatte ein Achterl intus.


Insoweit also vorbildlich assimiliert, der Hintergrundstuerke. Bisserl was
trinken, Fernlicht aus Klimaschutzgruenden auslassen, und strikt an die
Hoechstgeschwindigkeit fuer Optimalbedingungen halten. Die BAK war 0,0 oder
wieso steht die in keinem der Zeitungsberichte?
Gerald EÑ–scher (02.12.2019, 20:42)
Am 02.12.19 um 16:44 schrieb Anton Ertl:
> =?UTF-8?Q?Gerald_E=d1=96scher?= <Dein-Hamster> writes:
>>Am 02.12.19 um 13:41 schrieb Martin Τrautmann:
>>> Und der Wimpel soll echt was bringen?

>>Staatsanwälte sind keine Fachleute für Fahrradausrüstung.

> Deswegen gibt's ja Verteidiger, der haette das vorbringen koennen.


Die sind ebenfalls keine Fachleute für Fahrradausrüstung. Zudem wird
nirgends ein Verteidiger von ihr erwähnt, möglicherweise hatte sie gar
keinen.

> <https://www.noen.at/niederoesterreich/chronik-gericht/hausleiten-korneuburg-toedlicher-radanhaenger-unfall-geldstrafe-und-diversion-hausleiten-korneuburg-justiz-kriminalitaet-und-justiz-niederoesterreich-primavista-prozess-175720190>
> Hier findet sich auch noch etwas zu den Verletzungen der Mutter.


Und dass sie nach dem Unfall die Gurte der Kinder geöffnet hat. Demnach
doch ein Kinder- und kein Hundeanhänger, was wiederum nicht zu dem in
<https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/toedlicher-unfall-mit-fahrradanhaenger-mutter-steht-heute-vor-gericht/400691456>
behaupteten ungeeigneten Anhänger mit nur 20 kg Nutzlast passt.
Kinderanhänger haben deutlich mehr Nutzlast.
Martin Wohlauer (02.12.2019, 21:18)
Am 02.12.19 um 19:42 schrieb Gerald E?scher:
> Am 02.12.19 um 16:44 schrieb Anton Ertl:
> Die sind ebenfalls keine Fachleute für Fahrradausrüstung. Zudem wird
> nirgends ein Verteidiger von ihr erwähnt, möglicherweise hatte sie gar
> keinen.


Habt ihr in AT keinen Pflichtverteidiger (zumindest für strafrechtliche
Fälle)?

> Und dass sie nach dem Unfall die Gurte der Kinder geöffnet hat. Demnach
> doch ein Kinder- und kein Hundeanhänger, was wiederum nicht zu dem in
> <https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/toedlicher-unfall-mit-fahrradanhaenger-mutter-steht-heute-vor-gericht/400691456>
> behaupteten ungeeigneten Anhänger mit nur 20 kg Nutzlast passt.
> Kinderanhänger haben deutlich mehr Nutzlast.


Ernst gemeinte Frage: Was bringt es mir, wenn der Anhänger eine Nutzlast
von 200 kg hat, wenn ein 1¼ t Fahrzeug dort rein schiebt? Das ist doch
eine völlig belanglose Größe. So oder so, das hält doch keine Dose auf.
Oder was übersehe ich hier? Strafrechtlich sollte das doch so
unerheblich sein, wie die Jahreszeiten auf dem Saturn.

Grüßle,

Martin.
Ralph Aichinger (02.12.2019, 21:22)
Martin Wohlauer <mwohlauer> wrote:
> Ernst gemeinte Frage: Was bringt es mir, wenn der Anhänger eine Nutzlast
> von 200 kg hat, wenn ein 1¼ t Fahrzeug dort rein schiebt? Das ist doch
> eine völlig belanglose Größe. So oder so, das hält doch keine Dose auf.
> Oder was übersehe ich hier? Strafrechtlich sollte das doch so
> unerheblich sein, wie die Jahreszeiten auf dem Saturn.


Ist genauso wie mit der Wimpelstange oder den Pedalreflektoren. Man
erfindet sinnlos komplexe Regulierungen, damit auch wirklich fast
jeder Radfahrer in irgendeiner Kleinigkeit dagegen verstößt.

/ralph
Johann Mayerwieser (02.12.2019, 22:26)
Am Mon, 02 Dec 2019 13:41:02 +0100 schrieb Martin ?rautmann:

> On Mon, 2 Dec 2019 13:32:38 +0100 (CET), Ralph Aichinger wrote:
>> Der Fahrer zahlt 2.800 Euro, die Mutter kriegt Diversion:

> 28 000 ? für den Fahrer,
> 200 Stunden


21.000 gehen an die Mutter - wird Schmerzensgeld und Begräbniskosten
sein. Schmerzensgeld kann nach meinem Wissenstand - IANAL - in einem
Zivilprozess noch höher werden.

7.000 Euro bedingt als Strafe!
Gerald EÑ–scher (02.12.2019, 22:54)
Am 02.12.19 um 20:18 schrieb Martin Wohlauer:
> Am 02.12.19 um 19:42 schrieb Gerald E?scher:
> Habt ihr in AT keinen Pflichtverteidiger (zumindest für strafrechtliche
> Fälle)?


Schon, aber erst, wenn für die Straftat eine gewisse Strafhöhe angedroht
ist.

> Ernst gemeinte Frage: Was bringt es mir, wenn der Anhänger eine Nutzlast
> von 200 kg hat, wenn ein 1¼ t Fahrzeug dort rein schiebt? Das ist doch
> eine völlig belanglose Größe.


Darum ging es mir doch gar nicht. Ich versuche, aus den
Zeitungsberichten herauszufinden, ob es sich um einen Hunde- oder
Kinderanhänger gehandelt hat und bin dabei auf Widersprüche gestoßen.
20 kg Nutzlast -> für Hunde
Gurte geöffnet -> für Kinder
Gernot Pru3nster (02.12.2019, 23:51)
Am 02.12.19 um 21:26 schrieb Johann Mayerwieser:

> 21.000 gehen an die Mutter - wird Schmerzensgeld und Begräbniskosten
> sein.


> 7.000 Euro bedingt als Strafe!


Also im Standard steht eindeutig "21.000 Euro Geldstrafe [..] 7.000 Euro
werden ihm bedingt nachgelassen."



Die Kommentare besser nicht lesen.

Schöne Grüße,
Gernot
Johann Mayerwieser (03.12.2019, 01:59)
Am Mon, 02 Dec 2019 22:51:19 +0100 schrieb Gernot Pru3nster:

> Am 02.12.19 um 21:26 schrieb Johann Mayerwieser:
>> 21.000 gehen an die Mutter - wird Schmerzensgeld und Begräbniskosten
>> sein.
>> 7.000 Euro bedingt als Strafe!

> Also im Standard steht eindeutig "21.000 Euro Geldstrafe [..] 7.000 Euro
> werden ihm bedingt nachgelassen."


Hast Recht - ich hab den Satz falsch aufgefasst.

Er muss für die fahrlässige Tötung der beiden Kinder und die fahrlässige
schwere Körperverletzung der Mutter 21.000 Euro Geldstrafe bezahlen,

Ich hab das als "er muss der Mutter zahlen" verstanden.
Martin Wohlauer (03.12.2019, 09:04)
Am 02.12.19 um 21:54 schrieb Gerald E?scher:
> Am 02.12.19 um 20:18 schrieb Martin Wohlauer:
> Schon, aber erst, wenn für die Straftat eine gewisse Strafhöhe angedroht
> ist.


Das hat sie sich wohl auch anders ausgerechnet...

> Darum ging es mir doch gar nicht. Ich versuche, aus den
> Zeitungsberichten herauszufinden, ob es sich um einen Hunde- oder
> Kinderanhänger gehandelt hat und bin dabei auf Widersprüche gestoßen.
> 20 kg Nutzlast -> für Hunde
> Gurte geöffnet -> für Kinder


Trotzdem muss der Richter hirntot sein, wenn er das als ausreichenden
Aufhänger für einen Straftatbestand »fahrlässige Tötung« ansieht. Das'
doch keine Urteilsbegründung. Wenn ich ihm seine Schnauze mit dem
Baseballschläger zertrümmere, kommt dann einer seiner Kollegen daher und
urteilt über /ihn/, dass er sich der vorsätzlichen Körperverletzung
schuldig gemacht hat, weil er morgens das falsche Rasierwasser benutzt
hat, einen Anzug getragen hat und sich nicht vorher unterwürfig auf den
Knie robbend verhalten hat? Hat den Täter schließlich provoziert...

Ich dachte immer, die Nazi-Zeit sei zumindest auf Richter-Ebene vorbei.
Aber in AT geht's da genau so zu wie in DE: Unter aller Sau. Ist völlig
OK, irgendwen umzubringen, solange du nur den richtigen Status in der
Gesellschaft hast: Kraftfahrer. Musst das halt irgendwie miteinander
verbinden, dann kommst billig davon und deinen Opfern versucht man auch
nochmal einen mitzugeben. Kann ja nicht sein, dass die Verantwortung für
das eigene, tonnenschwere Blechungetüme nicht anderen mit aufgebürdet wird.

Grüßle,

Martin.
Anton Ertl (03.12.2019, 09:10)
=?UTF-8?Q?Gerald_E=d1=96scher?= <Dein-Hamster> writes:
>Am 02.12.19 um 16:44 schrieb Anton Ertl:
>Die sind ebenfalls keine Fachleute für Fahrradausrüstung.


Ist ja auch nicht noetig, es reicht, darauf darueber nachzudenken, ob
jemand, der auf freier Strecke einen Fahrradanhaenger uebersieht,
einen Wimpel sehen wuerde.

>Zudem wird
>nirgends ein Verteidiger von ihr erwähnt, möglicherweise hatte sie gar
>keinen.


Sie hatte einen, er kam im Radio zu Wort. Kann natuerlich sein, dass
der das Argument eh vorgebracht hat, was uns die Medien natuerlich
vorenthalten haben, genauso wie die meisten die Sache mit dem
Sichtfahrgebot voellig ignoriert haben, aber jeden Vorwurf gegen die
"Radfahrerin" haarklein aufgezaehlt haben.

- anton

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