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Anton Ertl (03.12.2019, 09:15)
Johann Mayerwieser <johann.mayerwieser> writes:
>Am Mon, 02 Dec 2019 13:41:02 +0100 schrieb Martin ?rautmann:
>21.000 gehen an die Mutter - wird Schmerzensgeld und Begräbniskosten
>sein.


Woher hast Du das? Ich lese ueberall nur von teilbedingter Strafe.
Demnach gehen nach meinem Verstaendnis die 21000 an den
Staat. Schmerzensgeld und Begraebniskosten kann sie in einem
Zivilverfahren einklagen.

- anton
Ulf.Kutzner (03.12.2019, 13:39)
Am Dienstag, 3. Dezember 2019 08:15:13 UTC+1 schrieb Anton Ertl:

> Ist ja auch nicht noetig, es reicht, darauf darueber nachzudenken, ob
> jemand, der auf freier Strecke einen Fahrradanhaenger uebersieht,
> einen Wimpel sehen wuerde.


Und wenn man dann meint, weiteren Sachverstand zu
benötigen, kann man Sachverständige laden.
Anton Ertl (03.12.2019, 15:05)
Martin Wohlauer <mwohlauer> writes:
>Am 02.12.19 um 21:54 schrieb Gerald E?scher:
>Das hat sie sich wohl auch anders ausgerechnet...


Sie hat sich schuldig bekannt, und ihr Verteidiger war mit dem Ausgang
des Prozesses fuer sie zufrieden. Der Staatsanwalt auch, der Richter
auch, und die Medien auch.

Ich denke, hier hat Paragraph 0 der STVO zugeschlagen: Die Radfahrer
sind schuld (und dass ihr Elektroroller als Fahrrad zaehlt, gereichte
ihr demnach zum Nachteil).

>Trotzdem muss der Richter hirntot sein, wenn er das als ausreichenden
>Aufhänger für einen Straftatbestand »fahrlässige Tötung« ansieht.


Das wurde ihr nicht vorgeworfen; sondern Helme, Reflektoren, und
Wimpel.

>Das'
>doch keine Urteilsbegründung. Wenn ich ihm seine Schnauze mit dem
>Baseballschläger zertrümmere, kommt dann einer seiner Kollegen daher und
>urteilt über /ihn/, dass er sich der vorsätzlichen Körperverletzung
>schuldig gemacht hat, weil er morgens das falsche Rasierwasser benutzt
>hat, einen Anzug getragen hat und sich nicht vorher unterwürfig auf den
>Knie robbend verhalten hat?


Quod licet Iovi, non licet bovi. Aber ja, wenn Du Dich durch
Autobenutzung adelst, und er sich durch Fahrradbenutzung zum
Untermenschen macht, und Du ihm aus dem Auto heraus mit dem
Baseballschlaeger ein's ueberziehst, und der Fall mediale
Aufmerksamkeit erfaehrt, dann gibt es sicher viele Stimmen, darunter
einige auch hier, die wissen werden, was er falsch gemacht hat, und
wenn das Verfahren gegen Dich nicht wegen mangelnden oeffentlichen
Interesses eingestellt wird (was bei medialer Aufmerksamkeit wohl
nicht passieren wird), wird ihm das alles zum Vorwurf gemacht werden,
und er wird deswegen verurteilt werden. Kann ja nicht sein, dass ein
Herrenmensch verurteilt wird waehrend ein Untermensch ungeschoren
davonkommt.

>Ich dachte immer, die Nazi-Zeit sei zumindest auf Richter-Ebene vorbei.
>Aber in AT geht's da genau so zu wie in DE: Unter aller Sau. Ist völlig
>OK, irgendwen umzubringen, solange du nur den richtigen Status in der
>Gesellschaft hast: Kraftfahrer. Musst das halt irgendwie miteinander
>verbinden, dann kommst billig davon und deinen Opfern versucht man auch
>nochmal einen mitzugeben. Kann ja nicht sein, dass die Verantwortung für
>das eigene, tonnenschwere Blechungetüme nicht anderen mit aufgebürdet wird.


Genau. Wobei die Zweiklassenjustiz keine Innovation der Nazizeit war,
den lateinischen Spruch oben haben ja nicht die Nazis erfunden.

- anton
Sepp Ruf (03.12.2019, 17:35)
Am 03.12.2019 um 12:39 schrieb Ulf.Kutzner:
> Am Dienstag, 3. Dezember 2019 08:15:13 UTC+1 schrieb Anton Ertl:
> Und wenn man dann meint, weiteren Sachverstand zu
> benötigen, kann man Sachverständige laden.


Die (laut maulzerreissender Nachbarn wohl) eingeschraenkte pekuniaere,
soziale und geistige Leistungsfaehigkeit der Emofafahrerin wird sich durch
Unfall und Verletzung nicht gerade gesteigert haben, und Richter wie
Staatsanwalt schienen sich kraft Dosentreiberstatus fuer ausreichend
kompetent zu halten. Hucklenbroth-Hasserbock^WDunning-Kruger lassen gruessen.
Martin Wohlauer (03.12.2019, 19:11)
Am 03.12.19 um 14:05 schrieb Anton Ertl:
> Martin Wohlauer <mwohlauer> writes:
> Genau. Wobei die Zweiklassenjustiz keine Innovation der Nazizeit war,
> den lateinischen Spruch oben haben ja nicht die Nazis erfunden.


Aber da kam nochmal so richtig die Kraftfahrer-haben-immer-recht-Logik
auf und wurde explizit gef?rdert.

Gr??le,

Martin.
Ralph Aichinger (03.12.2019, 19:54)
Martin Wohlauer <mwohlauer> wrote:
> Aber da kam nochmal so richtig die Kraftfahrer-haben-immer-recht-Logik
> auf und wurde explizit gefördert.


Aber so wie in anderen Bereichen (die Rassengesetzgebung war
sehr stark von der der amerikanischen Südstaaten inspiriert)
dürften sie sich auch an amerikanischen Vorstellungen diesbezüglich
orientiert haben.



/ralph
Anton Ertl (03.12.2019, 20:19)
Martin Wohlauer <mwohlauer> writes:
>Am 03.12.19 um 14:05 schrieb Anton Ertl:
>> Genau. Wobei die Zweiklassenjustiz keine Innovation der Nazizeit war,
>> den lateinischen Spruch oben haben ja nicht die Nazis erfunden.

>Aber da kam nochmal so richtig die Kraftfahrer-haben-immer-recht-Logik
>auf und wurde explizit gefördert.


War aber in Laendern ohne Nazi-Herrschafft nicht anders, und bei uns
hat die Entnazifizierung und spaeter die 68er-Bewegung (die sich ganz
explizit gegen die Reste des Nazi-Gedankenguts gerichtet hat) das
Thema nicht einmal aufgegriffen. In den NL war der hohe Blutzoll der
Autos wohl in den 70ern Thema, aber die haben sich dann mit noch mehr
Radwegen abspeisen lassen.

- anton
Bernd Ullrich (03.12.2019, 20:39)
Am 03.12.2019 um 08:04 schrieb Martin Wohlauer:

[...]

> Trotzdem muss der Richter hirntot sein, wenn er das als ausreichenden
> Aufhänger für einen Straftatbestand »fahrlässige Tötung« ansieht.


Der Richter ist nicht hirntot, er _denkt sich nur aus_ dass
wenn eine Frau 2 Bälger auf die Welt bringt und sie danach den "Gefahren
des STrassenverkehrs" ist Sie für deren Ableben selber schuld.

Das wird damit mit der Tatsache bewiesen dass die Frau noch lebt.
Also nachweislich selber an den Tod der Kinder selber schuld...

Ein Richter weiss sowas immer besser, er wurde so geschult\ausgebildet.

BU
Arno (03.12.2019, 23:46)
Ralph Aichinger <ra> wrote:

> Der Fahrer zahlt 2.800 Euro, die Mutter kriegt Diversion: Soory wenn ich als Norddeutscher nicht alles verstehe:


- Was bedeutet "Mutter kriegt Diversion"?
- Was ist "Heurigen"?
- Was ist "Achterle"?
- und weiter hinten steht

> 7.000 Euro bedingt als Strafe!


Wieso "bedingt"? Muß er nun zahlen oder nicht?
Rasmus Richter (03.12.2019, 23:49)
Am 02.12.2019 um 13:32 schrieb Ralph Aichinger:
> Der Fahrer zahlt 2.800 Euro, die Mutter kriegt Diversion:
>
> Lesenswert die Argumentationslinien. Der Fahrer hält sich für unschuldig.
> Kam vom Heurigen. Hatte ein Achterl intus.
> /ralph


Schön, mal zu lesen, wie dieses verlogene und heuchlerische
Sicherheitstheater 'ner hochtraumatisierten Ex-Mutter noch mal richtig
einen reindrückt.

So macht Rechtsstaat Spaß.

Ekelerregend.
Ralph Aichinger (04.12.2019, 08:35)
Arno <ArnoSandhack> wrote:
> - Was bedeutet "Mutter kriegt Diversion"?


Eine Form der Regelung kleinerer Strafen, oft mit Aussöhnung mit
dem Opfer verbunden.

> - Was ist "Heurigen"?


Eine Weinausschank, bei der der Wein des jeweiligen Jahres
getrunken wird.

> - Was ist "Achterle"?


1/8l von ebendiesem

> Wieso "bedingt"? Muß er nun zahlen oder nicht?


Eventuell muß er einen Teil nur im Wiederholungsfalle zahlen.

/ralph
Anton Ertl (04.12.2019, 08:44)
ArnoSandhack (Arno) writes:
>Ralph Aichinger <ra> wrote:
>> Der Fahrer zahlt 2.800 Euro, die Mutter kriegt Diversion:

>Soory wenn ich als Norddeutscher nicht alles verstehe:
>- Was bedeutet "Mutter kriegt Diversion"?




>- Was ist "Heurigen"?


Ein Weinlokal, in dem vor allem Jungwein ausgeschenkt wird.

>- Was ist "Achterle"?


Das waere die allemannische Schreibweise von "Achterl". Ein Achterl
ist ein Achtelliter (Wein), die kleinste Menge, die ausgeschenkt wird.

>- und weiter hinten steht
>> 7.000 Euro bedingt als Strafe!

>Wieso "bedingt"? Muß er nun zahlen oder nicht?


Normalerweise nicht. Wie das bei bedingten Strafen so ueblich ist.

- anton
Chr. Maercker (04.12.2019, 13:44)
Martin Wohlauer wrote:
> Ich dachte immer, die Nazi-Zeit sei zumindest auf Richter-Ebene vorbei.
> Aber in AT geht's da genau so zu wie in DE: Unter aller Sau. Ist völlig
> OK, irgendwen umzubringen, solange du nur den richtigen Status in der
> Gesellschaft hast: Kraftfahrer.


Anton Ertl hatte kürztlich Zahlen gepostet, denen zufolge *weltweit* um
Größenordnungen mehr Leute durch Verkehrsunfälle zu Tode kommen als
durch (WIMRE) Nr. 2 der Liste, Kriegshandlungen. Mich hat zwar erstaunt,
dass es angesichts von zig (Bürger-)Kriegen so wenig auf Platz 2
schaffen, aber der unangefochtene Spitzenreiter zeigt, dass Verkehrstote
in anderen Ländern dieser Welt noch viel weniger zählen als hierzulande.
Millionen Tote dank Autoverkehr werden quasi als gesetzmäßig bzw.
gottgegeben hingenommen. Kommen aber mal drei Leute bei einem Zugunglück
ums Leben, ist das die Medien immer eine Meldung wert, selbst wenn es
hin Hinterabsurdistan passiert.
Udo Steinbach (04.12.2019, 16:01)
Am 2019-12-03 um 16:35 Uhr schrieb Sepp Ruf:
> Richter wie Staatsanwalt schienen sich kraft Dosentreiberstatus fuer
> ausreichend kompetent zu halten.


Das ist der Fehler im System. Jeder weiß ganz genau Bescheid, nur der
Radfahrer hat gefälligst keine Ahnung, ist wie ein Kind zu behandeln. Im
Gegensatz zum Radfahrer leistet das Kind aber manchmal Widerstand und
gehorcht einfach nicht.
Markus Merkl (04.12.2019, 17:56)
On 04.12.19 07:35, Ralph Aichinger wrote:
> Arno <ArnoSandhack> wrote:
>> Wieso "bedingt"? Muß er nun zahlen oder nicht?

> Eventuell muß er einen Teil nur im Wiederholungsfalle zahlen.


In N-Eropa kennt man das auch unter 'auf Bewährung'.

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