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Herbert (06.02.2020, 12:25)
Hallo,

in zwei Wochen wird bei uns gewählt und der Verkehr ist eines der
größten streitigen Themen. Der Hamburger Grundeigentümerverband hat alle
Parteien, die vermutlich Chancen haben, in die Bürgerschaft zu kommen,
um Stellungnahmen gebeten. Natürlich ging es hier hauptsächlich um
Immobilenpolitik (speziell Mieten) aber auch andere Punkte wurden
abgefragt. Ich beschränke mich hier auf den Ausschnitt, der das
Gruppenthema Verkehr betrifft.

Ich habe den Text mit OCR eingescannt (war ein Test für diese Funktion
und auch erfolgreich) und alle Erkennungsfehler, die mir auffielen,
korrigiert (waren wenige). Dennoch könnte ich was übersehen haben.

Vielleicht ist es auch für jemanden, der nicht hier wahlberechtigt ist,
interessant, zu erfahren, worüber in einer Großstadt gestritten und was
als Lösung angesehen wird. Nun der gescannte Text:

*** Zitat Anfang ***

Frage:

Mit welchen Maßnahmen würden Sie die Verkehrs-
wende befördern? Wie würden Sie den öffentlichen
Nahverkehr ausbauen?

SPD: Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung von
Bus und Bahn, Radfahrern und Fußgängern sowie auf
der Elektrifizierung von Fahrzeugflotten. Wir werden den
Radverkehr weiter ausbauen und den Anteil des ÖPNV
von jetzt 22 auf 30 Prozent in 2030 erhöhen. Neben der
neuen U5, der Verlängerung der U4, der 54, S21 und S32
sollen zahlreiche Buslinien und Bushaltestellen hinzukom-
men. Mit neuen On-Demand-Shuttles und Sharing-An-
geboten entsteht ein flächendeckendes ÖPNV-Angebot
(?Hamburg-Takt").

DIE GRÜNEN: Wir wollen die Bedingungen für den Rad-
und Fußverkehr massiv verbessern, den ÖPNV radikal
ausbauen und Anreize geben, das Auto stehen zu lassen.
Zudem fördern wir flexible Mobilitätsangebote und neue,
emissionsfreie Antriebstechniken. Der Ausbau des ÖPNV
hat für uns Priorität ? mit neuen U- und S-Bahnlinien,
einer Offensive bei den Expressbussen, dem Ausbau des
Fährverkehrs und perspektivisch neuen Verkehrsträgern,
wie der Stadtbahn. Ein neues und sozial gerechtes Fahr-
preissystem soll die Tickets für viele günstiger machen.

CDU: Wir werden mit der Privatwirtschaft die Antriebs-
technologien verbessern: weit mehr Ladepunkte und Was-
serstofftankstellen und eine flächendeckende lnfrastruktur
für den Mobilfunkstandard 5G, um automatisiertes und
vernetztes Fahren zu ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt
beim Ausbau des ÖPNV. Hier werden wir das Tarifsystem
attraktiver machen, unter anderem durch die schrittweise
Einführung eines 365-Euro-Tickets. S- und U-Bahnen
sollen vorrangig als Voll- und Langzüge fahren, damit
Schluss ist mit dem ?Sardinengefühl". Außerdem setzen
wir uns für eine neue regionale ?MetroTramAltona" ein.

FDP: Wir unterstützen die langfristig geplanten U- und
S-Bahnausbauten, die helfen den Hamburgern im Stau
oder im überfüllten ÖPNV heute jedoch nicht. Deshalb
brauchen wir jetzt mehr Buslinien. Allen Hamburgern auf
den Straßen muss durch eine echte Baustellenkoordinie-
rung der Dauerstau erspart bleiben. Das Bahnsystem muss
rasch modernisiert, ein Mobilitätsmix mit neuen Angebo-
ten gefördert werden. Die Festlegung auf die Ideologie
der Fahrradstadt muss aufhören.

DlE LINKE: Nicht das Auto, sondern Fußgänger, Rad, Bus
und Bahn sollen Vorrang haben ? und der Straßenraum
neu aufgeteilt werden. Steilshoop, der Osdorfer Born und
Lurup sollen eine Bahnanbindung erhalten, der wachsen-
de Bezirk Bergedorf braucht eine zweite Schienenanbin-
dung, die U4 muss bis nach Harburg verlängert und ein
Schienen-Elbtunnel gebaut werden. Zudem möchten wir
die Stadtbahn wiedereinführen und eine HVV-Jahreskarte
für 365 Euro (kostenfrei zum Beispiel für Schüler, Rentner
und Bezieher von Arbeitslosengeld II). Bis 2025 soll der
ÖPNV für alle kostenfrei sein.

AfD: ?Hamburg wird Fahrradstadt" geht am Bedarf vieler
Menschen und an dem einer Wirtschafts- und Handelsme-
tropole vorbei, ?Hamburg fährt ÖPNV!" müsste die Devise
lauten. Es ist massiv der schienengebundene ÖPNV (auch
oberirdisch) über die Stadtgrenzen hinaus in die anliegen-
den regionalen Zentren zu verlängern. Ein Ausbau der In-
frastruktur von U/S-Bahn soll zudem die Taktrate der Züge
unter 2 Minuten ermöglichen. Wir möchten die westliche
schienengebundene Elbquerung prüfen und eine lückenlo-
se Tangentialverbindung per Expressbuslinien realisieren.

*** Zitat Ende ***

Ich werde das später kommentieren, schon, um den zitierten Text von
meinen Kommentaren sauber zu trennen.

Herbert
F. W. (06.02.2020, 13:56)
Am 06.02.2020 um 11:25 schrieb Herbert:

Ich hoffe, dass die Hamburger nicht vergessen, dass der wahre Gegner der
Innenstadt-Einkäufe inzwischen A M A Z O N heißt.

Und ÖPNV: allein das ökologische Gewissen reicht nicht aus. Deutschland
ist ein Autoland und das Auto gehört hier oft zur Familie wie der Hund.

Ich persönlich würde öfter ÖPNV fahren, wenn er denn öfter fahren würde.
Will ich nicht nach Köln sondern in die Nachbarstadt, bin ich 1,5 - 2
Stunden unterwegs. Da könnte ich die 10 km auch zu Fuß gehen und wäre
trotzdem nicht viel später da.

Ich fände es auch gut, wenn es kleine Verkäufe dort gäbe: Brötchen und
Kaffee statt der üblichen "FRITTEN FRESSEN VERBOTEN!"-Schilder. Aber die
haben ja nicht mal ein Klo.

FW
Frank \Panzerschaffer\ Schaffer (06.02.2020, 14:42)
Am Donnerstag, 6. Februar 2020 11:25:16 UTC+1 schrieb Herbert:
> Hallo,
> in zwei Wochen wird bei uns gewählt und der Verkehr ist eines der
> größten streitigen Themen. Der Hamburger Grundeigentümerverband hat alle
> Parteien, die vermutlich Chancen haben, in die Bürgerschaft zu kommen,
> um Stellungnahmen gebeten. ...


Der Wahlomat ist auch wieder an. Hab mal durchgespielt und hatte verueckterweise die Professoren-SED mit 85,9% noch vor der FDP mit 73,9%. Danach kam ne Weile nix, dann die CDU mit 60 und der traurige linksgruene Rest.
Herbert (07.02.2020, 14:20)
Am 06.02.2020 um 13:42 schrieb Frank "Panzerschaffer" Schaffer:
> Am Donnerstag, 6. Februar 2020 11:25:16 UTC+1 schrieb Herbert:
> Der Wahlomat ist auch wieder an. Hab mal durchgespielt und hatte verueckterweise die Professoren-SED mit 85,9% noch vor der FDP mit 73,9%. Danach kam ne Weile nix, dann die CDU mit 60 und der traurige linksgruene Rest.


Was hast du eingegeben? Ich habe die Fragen so lala beantwortet und
bekam eine Übereinstimmung mit einer Partei für Gesundheitsforschung von
ca. 65%, danach kam dann die CDU mit ca. 63%. Beide werde ich bestimmt
nicht wählen, die einen, weil sie keine Chance haben, die 5% zu schaffen
und die anderen, weil die sich um ihre Wahlaussagen eh nicht kümmern
(siehe schwarz/grüne Koalition in Hamburg). Die CDU sagt 'was für ne
Politik gemacht wird, ist egal, Hauptsache *wir* machen sie'.

Herbert
Herbert (07.02.2020, 17:04)
Am 06.02.2020 um 11:25 schrieb Herbert:
> Hallo, [...]
> *** Zitat Anfang ***
> Frage:
> Mit welchen     Maßnahmen würden  Sie die Verkehrs-
> wende   befördern? Wie  würden Sie den öffentlichen
> Nahverkehr   ausbauen?


Schon die Frage zeigt, wie stark die Gesellschaft inzwischen von den
Grünen gebrainwasht ist. Ob eine Verkehrswende nötig bzw. sinnvoll ist,
wird gar nicht erst abgefragt, ebenso nicht, ob und wie der Autoverkehr
verbessert werden könnte. Na ja, der Grundeigentümerverband kämpft auf
einer anderen Baustelle (mit wechselndem Erfolg) und will niemanden
provozieren.

Schliesslich funktioniert der Autoverkehr in Hamburg im Vergleich zu
anderen Fortbewegungsmöglichkeiten immer noch (nach 20 Jahren 'Rückbau'
von Verkehrsflächen) besser als der ÖPV. Wer sich nicht zufällig entlang
einer Bahnlinie bewegen möchte, der kann nach meiner Erfahrung beim ÖPV
mit mindenstens der doppelten Reisezeit rechnen als mit dem Auto - im
Stadtgebiet, wo es für den ÖPV doch viel einfacher ist. Und trotz der Staus.

Das mit dem Stadtgebiet muss ich erklären, denn das ist hier speziell,
weil Hamburg ein Stadtstaat ist. Die wirtschaftlich von Hamburg
'bespielte' Fläche (die sog. Metropolregion) ist mindestens 3-4 mal so
groß wie das politisch abgegrenzte Gebiet der Stadt und des Bundeslandes
Hamburg. Das bedeutet, dass die dünn besiedelten Randgebiete (wo der ÖPV
fast gar nicht funktioniert), politisch nicht dazugehören. Kein Wunder,
dass die meisten Parteien darauf nicht eingegangen sind: Dort können sie
keine Stimmen holen. Dieser verengte Blick hört aber nach den Wahlen
nicht auf.

Bester Beweis dafür ist der Niedergang von Park & Ride. Eigentlich eine
gute Idee: Leute aus dem dünn besiedelten Umland (ohne brauchbaren ÖPV)
fahren mit ihrem Auto zu einem Parkplatz an einem Bahnhof und von dort
mit dem Zug weiter in die Stadt. In vorideologischen Zeiten, so
60er/70er Jahre, wurden hier einige P&R-Plätze eingerichtet und die
werden auch gerne genutzt. Die müssten ausgebaut bzw. es müssten
zusätzliche gebaut werden, finden alle, aber niemand *tut* es. Die Bahn
tuts nicht, die ist inzwischen privat und profitorientiert und bebaut
ihre bahnhofsnahen Grundstücke lieber, weil man dafür eine gute Miete
bekommt. Hamburg tuts nicht, denn alle Nutzer solcher Parkplätze leben
in benachbarten Bundesländern und zahlen dort Steuern, warum soll man
das noch fördern? Und den benachbarten Bundesländern sind die Auspendler
sowieso egal. Höchstens in den Gemeinden haben Pendler politisch
relevanten Einfluss, so dass solche mit Bahnanschluss sich durchaus
bemühen (siehe Bad Oldesloe, der P&R-Platz ist aber auch total überfüllt).

Herbert
Frank \Panzerschaffer\ Schaffer (08.02.2020, 09:28)
Am Freitag, 7. Februar 2020 13:20:40 UTC+1 schrieb Herbert:
> Am 06.02.2020 um 13:42 schrieb Frank "Panzerschaffer" Schaffer:
> Was hast du eingegeben? Ich habe die Fragen so lala beantwortet und
> bekam eine Übereinstimmung mit einer Partei für Gesundheitsforschung von
> ca. 65%, danach kam dann die CDU mit ca. 63%. Beide werde ich bestimmt
> nicht wählen, die einen, weil sie keine Chance haben, die 5% zu schaffen
> und die anderen, weil die sich um ihre Wahlaussagen eh nicht kümmern
> (siehe schwarz/grüne Koalition in Hamburg). Die CDU sagt 'was für ne
> Politik gemacht wird, ist egal, Hauptsache *wir* machen sie'.


Da hab ich nur eingegeben, was ich immer eingebe:
Moeglichst wenig Staat, Steuern senken, statt erhoehen, jedes neue Verbot und jede neue Gaengelei wird prinzipiell abgelehnt, auch wenns mich nicht betrifft. Immer Pro Buergerrecht, Pro Eigentumsrecht, gegen jede Bevorzugung von Buetteln.

Die Professoren-SED in HH ist demnach liberaler, als meine FDP. Das macht mich traurig.
Wenn die FDP mit dem Komsomolzen Lindner so weitermacht, wars das fuer mich..
Denn wenn ich Kommunismus will, dann waehle ich SEDCxUSPDKiFi. Thueringen koennte der Seppuku der FDP werden, dank dem dummen Komsomolzen Lindner. Derlinke Trottel hat da eine historische Chance versaubeutelt und wurde dafuer auch noch bestaetigt.

Wer auch immer meint, dass die SED das kleinere Uebel gegenueber der Professoren-SED sei, der ist ein Kommunist und nicht mehr fuer mich waehlbar.
Ulf.Kutzner (08.02.2020, 14:19)
Am Freitag, 7. Februar 2020 16:04:09 UTC+1 schrieb Herbert:
> [...]
> Schon die Frage zeigt, wie stark die Gesellschaft inzwischen von den
> Grünen gebrainwasht ist. Ob eine Verkehrswende nötig bzw. sinnvoll ist,
> wird gar nicht erst abgefragt, ebenso nicht, ob und wie der Autoverkehr
> verbessert werden könnte.


Man hätte auch antworten können:

"Wir streben die Wende der Verkehrswende an. Abgasreduzierung
auf dem Verkehrssektor ist für uns Unsinn, noch dazu teurer."

[..]
> tuts nicht, die ist inzwischen privat und profitorientiert und bebaut
> ihre bahnhofsnahen Grundstücke lieber, weil man dafür eine guteMiete
> bekommt.


Bist Du nicht Merktwirtschaftler? Büros oder Wohngebäude
scheinen dort wirtschaftlicher zu sein als Stellflächen.

Ist ja auch kein Wunder. Bei P&R muß man ein Auto vorhalten und
die Mitfahrt im ÖPNV bezahlen. Wo im Siedlungsgebiet
P&R-Flächen überlaufen sind, da schaffe man Auslastungssteuerung
bzw. Reservierung. Möglicherweise gibt es selbst in Hamburg Leute,
die von so etwas schon mal gehört haben.

> Hamburg tuts nicht, denn alle Nutzer solcher Parkplätze leben
> in benachbarten Bundesländern und zahlen dort Steuern, warum soll man
> das noch fördern? Und den benachbarten Bundesländern sind die Auspendler
> sowieso egal. Höchstens in den Gemeinden haben Pendler politisch
> relevanten Einfluss, so dass solche mit Bahnanschluss sich durchaus
> bemühen (siehe Bad Oldesloe, der P&R-Platz ist aber auch total überfüllt).


Ist er mit Bad Oldesloer Fahrzeugen überfüllt?
Ulf.Kutzner (08.02.2020, 14:25)
Am Samstag, 8. Februar 2020 08:28:05 UTC+1 schrieb Frank "Panzerschaffer" Schaffer:

> Die Professoren-SED in HH ist demnach liberaler, als meine FDP. Das machtmich traurig.


> Wer auch immer meint, dass die SED das kleinere Uebel gegenueber der Professoren-SED sei, der ist ein Kommunist und nicht mehr fuer mich waehlbar.


Falls Du die meinst:
Wo sind da die Professoren? Lucke hat man längst
herausgedrängt.
Herbert (09.02.2020, 12:49)
Am 08.02.2020 um 13:19 schrieb Ulf.Kutzner:
> Am Freitag, 7. Februar 2020 16:04:09 UTC+1 schrieb Herbert:
> Man hätte auch antworten können:
> "Wir streben die Wende der Verkehrswende an. Abgasreduzierung
> auf dem Verkehrssektor ist für uns Unsinn, noch dazu teurer."


Die Antworten kommen ja noch.
> Bist Du nicht Merktwirtschaftler?


Aber ja! Manche Leute würden mich wohl als neoliberal einsortieren.

Büros oder Wohngebäude
> scheinen dort wirtschaftlicher zu sein als Stellflächen.


Ja, klar, aus Sicht der Bahn und auch da nicht zwangsläufig. Aber soll
das die bestimmende Perspektive sein? Gehen wir mal die möglichen
Alternativen durch:

1. Reine Marktwirtschaft siehe USA.

2. Reine Staatswirtschaft siehe ehemaliger Ostblock.

Beides nicht überzeugend.

3. Unsere bisherige Mischform würde ich so beschreiben: Der Staat hat
vor Jahrzehnten die mit dem Aufkommen von Autos unattraktiv gewordenen
Bahnen eingesammelt und betreibt sie weiter. Damit hat er zehntausende
Bahner vor der Arbeitslosigkeit bewahrt und gleichzeitig für die
Bevölkerung, die kein Auto kaufen oder fahren konnte, eine Art
Basismobilität erhalten. Das war für mich ok.

Nun wurde Bahnbetrieb und Autofahren parallel betrieben, man konnte
wählen, vorausgesetzt, man hatte den Führerschein und ein Auto. Die Bahn
legte damals bahnhofsnahe Parkplätze an, um autofahrende Kunden zu
gewinnen. Das wäre auch ein marktwirtschaftliches Argument für die Bahn,
nur zählt das offenbar nicht mehr.

Mit zunehmendem Machtgewinn autofeindlicher Gruppen in der Politik
glaubt die Bahn anscheinend, sowas nicht mehr nötig zu haben. Mir als
Marktwirtschaftler erscheint das naheliegend, je mehr einem Anbieter die
Konkurrenz (hier das Auto) von dritter Seite aus dem Weg geräumt wird,
umso weniger muss er auf die Bedürfnisse dieser Kunden achten. Die
Behauptung einiger Leute (auch hier), wenn der Autoverkehr
zurückgedrängt würde, würde der ÖPV automatisch besser werden, halte ich
für völlig unbegründet und naiv.
> Ist ja auch kein Wunder. Bei P&R muß man ein Auto vorhalten und
> die Mitfahrt im ÖPNV bezahlen.


Stimmt, aber gibt keine realistische Alternative. In die Stadt zu
ziehen, kostet mehr zusätzliche Miete als Auto+ÖPV.

Wo im Siedlungsgebiet
> P&R-Flächen überlaufen sind, da schaffe man Auslastungssteuerung
> bzw. Reservierung.


Dadurch kommen keine Plätze hinzu.

Möglicherweise gibt es selbst in Hamburg Leute,
> die von so etwas schon mal gehört haben.


Wir Hamburger hören von Vielem. Der eine sagt so, der andere so. So
richtig überzeugt bin ich von keinem Vorschlag.
>> Hamburg tuts nicht, denn alle Nutzer solcher Parkplätze leben
>> in benachbarten Bundesländern und zahlen dort Steuern, warum soll man
>> das noch fördern?


Klingt logisch, nicht wahr? Die beste Lösung wäre IMHO der Nordstaat,
weil dann das Steuer-Argument wegfiele, aber das ist aus heutiger Sicht
unrealistisch.

Und den benachbarten Bundesländern sind die Auspendler
>> sowieso egal.


Vielleicht könnte Hamburg den Nachbarländern Geld zu einem Topf
dazugeben, aus dem die Gemeinden beim Bau von P&R-Plätzen unterstützt
werden. Falls das schon passiert, zeigt der Mangel an P&R-Plätzen, dass
es nicht reicht. Hamburgs Wirtschaft ist schließlich an Fachkräften
interessiert, will ihnen aber nicht soviel zahlen, dass sie damit die
teuren Innenstadtmieten zahlen können.

Höchstens in den Gemeinden haben Pendler politisch
>> relevanten Einfluss, so dass solche mit Bahnanschluss sich durchaus
>> bemühen (siehe Bad Oldesloe, der P&R-Platz ist aber auch total überfüllt).

> Ist er mit Bad Oldesloer Fahrzeugen überfüllt?


Oldesloe ist klein, da werden viele zu Fuß gehen. Wenn ich in das Haus,
das ich gerade verkaufe, selbst eingezogen wäre, wäre ich meistens zu
Fuß zu Bahnhof gegangen. Die Autos auf dem P&R-Platz kommen aus den
umliegenden Dörfern.

Herbert
Herbert (09.02.2020, 14:29)
Am 06.02.2020 um 11:25 schrieb Herbert:
[..]
> men. Mit neuen On-Demand-Shuttles   und  Sharing-An-
> geboten entsteht ein flächendeckendes   ÖPNV-Angebot
> (?Hamburg-Takt").


Die SPD hat sich bei der letzten Bürgerschaftswahl als einzige Partei
(ausser der AfD) pro Auto positioniert und hat damit bundesweit
einzigartige 45,6% der Stimmen abgeräumt. Sie hat dann aber auf Druck
des Koalitionspartners zwei teure Alibiprogramme zur
Autoverkehrsreduzierung gestartet, die Busbeschleunigung und die
Fahrradförderung, mal sehen, was von den 45,6% übrig bleibt und wer zur
AfD wechselt. Die war damals bei überschaubaren 6,1%.

Das rituelle Bekenntnis zum Radverkehr ist heute für jeden Politiker
verpflichtend und manche behaupten, selbst mit dem Rad zu fahren. Das
könnte sogar stimmen, denn auch beim größten Schietwetter sehe ich
einige wenige Radler. Was tut man nicht alles, um Senator zu werden/bleiben!

Herbert
Herbert (10.02.2020, 11:34)
Am 06.02.2020 um 11:25 schrieb Herbert:
> Hallo, [...]


[..]
> Fährverkehrs und perspektivisch neuen Verkehrsträgern,
> wie der Stadtbahn. Ein neues und sozial gerechtes Fahr-
> preissystem soll die Tickets für viele günstiger machen.


Inhaltlich nix Neues, aber die Formulierung ist interessant: "Anreize
geben, das Auto stehen zu lassen" bedeutet doch nichts Anderes, als das
Autofahren weiter zu behindern und zu erschweren. Motto: Es gibt
eigentlich keine Verkehrsprobleme außer dem Auto. Die veschwurbelte
Formulierung erinnerte mich an einen Brief meiner Bank, in dem die
Online-Angebote beworben wurden. Die kannte und nutzte ich längst, also
was solls? Die Frage wurde mit dem letzten Satz beantwortet: Die Filiale
wurde geschlossen. Mein Konto dann auch.

Die Grünen werden anscheinend von professionellen Werbern beraten und
(Überraschung!) richten sich danach. Unsere Spitzen- und
Bürgermeisterkandidatin Fegebank ist eine typische grüne Funktionärin
neuen Typs: Staatsfraulich (heisst staatsmännisch jetzt so?),
ausgleichend, beruhigend. Das männliche Pendant dazu sehe ich in Habeck,
immer freundlich, immer bemüht, mit allen ins Gespräch zu kommen. Nicht
der dominante Typ wie Mr. Dosenpfand.

Wir sehen an den Wahlergebnissen der Grünen in den letzten Jahren, dass
diese Masche gut ankommt. Hinter den Kuscheltieren in der ersten Reihe
steht aber immer noch dieselbe Basis mit denselben Forderungen und es
kommen neue Gruppen hinzu, die immer radikaler werden als ihre
Vorgänger. Wenn Frau Fegebank tatsächlich Bürgermeisterin wird und sich
dann nicht ganz schnell als Domina neu erfindet, wird sie von ihrer
Basis schnell von der Bank gefegt.

Herbert
Ulf.Kutzner (10.02.2020, 19:32)
Am Montag, 10. Februar 2020 10:34:00 UTC+1 schrieb Herbert:

> Wenn Frau Fegebank tatsächlich Bürgermeisterin wird und sich
> dann nicht ganz schnell als Domina neu erfindet


Ich ahnte doch, daß Du schnell unter der Gürtellinie
landen würdest.
Gödeke Michels (11.02.2020, 13:14)
Herbert <albrechth98> wrote:

> Die beste Lösung wäre IMHO der Nordstaat,


Um einen Bürgerkrieg wie in Irland oder Spanien zu provozieren?
Herbert (11.02.2020, 19:36)
Am 10.02.2020 um 18:32 schrieb Ulf.Kutzner:
> Am Montag, 10. Februar 2020 10:34:00 UTC+1 schrieb Herbert:
>> Wenn Frau Fegebank tatsächlich Bürgermeisterin wird und sich
>> dann nicht ganz schnell als Domina neu erfindet

> Ich ahnte doch, daß Du schnell unter der Gürtellinie
> landen würdest.


Also, woran du schon wieder denkst :-) Ich meinte das natürlich rein
verkehrspolitisch. Die Grünen dominieren Hamburg seit 1997 mit einer
Pause von 2001-2008.

Herbert
Herbert (12.02.2020, 11:42)
Am 06.02.2020 um 11:25 schrieb Herbert:
> Hallo,


[..]
> sollen vorrangig als Voll- und Langzüge fahren, damit
> Schluss ist mit dem ?Sardinengefühl". Außerdem setzen
> wir uns für eine neue regionale ?MetroTramAltona" ein.


Ach, die CDU. Sie hatte eine starke Phase zu Beginn der 2000er, regierte
erst mit absoluter Mehrheit, dann (2001, 'nur' noch 47,2%) in einer
Koalition mit PRO und FDP, was kein Erfolgsmodell war. 2008 bekam sie
immer noch 42,6%; für eine Regierungsbildung problematischer war, dass
PRO und FDP die 5% nicht schafften, so dass nur noch SPD, Grüne und
Linke als mögliche Partner verblieben.

Mit der SPD (34,1%) hätte man eine 'richtig große' Koalition bilden und
vernünftig regieren können, aber die hätten einen großen Anteil an den
einflussreichen und gutbezahlten Posten verlangt. Da hoffte man wohl,
mit den Grünen (9,6%) 'billiger' wegzukommen. Danach passierte etwas
sehr Merkwürdiges:

Die CDUler tauchten unter, die waren in der Öffentlichkeit kaum noch
präsent. Dafür kamen die Grünen ständig mit neuen Projekten um die Ecke
und begannen sie - anscheinend völlig ohne Widerstand vom
Koalitionspartner - praktisch umzusetzen. Sie konnten offenbar
'durchregieren', so wie Frau Merkel sich das mal vorstellte, ganz am Anfang.

Nachdem die CDU-Wähler realisierten, dass 'ihre Partei' sich um sie
nicht mehr kümmerte, sammelten sie sich in verschiedenen
Bürgerinitiativen. Die größte richtete sich gegen die grüne Schulreform,
die hat das vorzeitige Ende der schwarzgrünen Regierung maßgeblich
beschleunigt. Aber auch gegen die geplante Wiedereinführung der
Strassenbahn bildeten sich überall dort, wo sie durch enge Stadtviertel
fahren sollte, organisierter Protest.

2011 gab es eine vorgezogene Bürgerschaftswahl, in der die CDU noch
21,9% bekam (offenbar die Traditions- oder Gewohnheitswähler). 2015
merkten einige mehr davon, dass die CDU nicht mehr dieselbe wie früher
war, es verblieben 15,9%. Die scheinen aber treu zu sein, aktuelle
Umfragen sehen die CDU zwischen 13 und 16%.

Wenn man das weiß, versteht man die Antwort auf die Frage als Ausdruck
der Ratlosigkeit. Wer nicht mindenstes in 3.Generation CDU-Wähler ist
und an der Familientradition festhalten will, sucht sich was Anderes.
Was soll ich da zu den Antworten sagen? Was soll man überhaupt zu
Wahlprogrammen der CDU sagen?

Herbert

Ps.: Wens interessiert: Die MetroTramAltona findet man hier:

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