expertenaustausch > soc.recht.* > soc.recht.arbeit+soziales

Peter Bösche (08.03.2006, 08:25)
Hi,

wenn ich die gestern im TV genannten Zahlen von VW-Chef Pischetsrieder
noch richtig erinnere, dann baut VW ca. 3 Millionen Fahrzeuge pro Jahr
und 70% der Fahrzeugkosten sind Personalkosten, außerdem hat VW
100.000 Mitarbeiter.

Angenommen, ein Fahrzeug kostet ab Werk 20.000 Euro, dann betragen die
Personalkosten pro Jahr also:

3*10^6 Autos * 20*10^3 Euro/Auto * 70% = 42 Milliarden Euro.

Da darin auch die Arbeitgeberanteile für die Sozialversicherung u.a.
enthalten sind, unterstelle ich mal, dass nur die Hälfte davon an die
Arbeiter ausgezahlt wird. Demnach erhält ein Arbeiter also

21*10^9 Euro / 100.000 Arbeiter = 210.000 Euro

Brutto pro Jahr.

Die Arbeiter sind also tatsächlich, wie Pischetsrieder sagt -
gemessen an ihrem Einkommen - viel zu unproduktiv ;-)

Angesichts der Konkurrenz (die im Prinzip genauso argumentiert) gibt
es keine Alternative zur Lohnkürzung und Personalabbau!

Peter
Peter Kern (08.03.2006, 08:59)
Peter Bösche wrote:

> Angenommen, ein Fahrzeug kostet ab Werk 20.000 Euro, dann betragen die
> Personalkosten pro Jahr also:
> 3*10^6 Autos * 20*10^3 Euro/Auto * 70% = 42 Milliarden Euro.


> Arbeiter ausgezahlt wird. Demnach erhält ein Arbeiter also ( 21*10^9 Euro - $Managergehälter) / 100.000 Arbeiter = XXX Euro


> Peter


Auch Peter
Silke Maria (08.03.2006, 16:32)
Das muss ich gleich meinem Schwiegervater erzählen. Der arbeitet bei VW und
weiss gar nicht, wieviel er denn tatsächlich verdient:-)
Patrick Wüstenberg (08.03.2006, 19:52)
Peter Bösche wrote:

[..]
> Arbeiter ausgezahlt wird. Demnach erhält ein Arbeiter also
> 21*10^9 Euro / 100.000 Arbeiter = 210.000 Euro
> Brutto pro Jahr.


Zwei Einwände.
1. Gehaltsspanne zwischen bandarbeiter und Pischetsrieder udn Konsorten ist
nicht berücksichtigt.
2. Schonmal was von Lohnnebenkosten gehört?

Bdd Patrick
Gerhard Faehling (09.03.2006, 17:00)
Peter Bösche schrieb:

> wenn ich die gestern im TV genannten Zahlen von VW-Chef Pischetsrieder
> noch richtig erinnere, dann baut VW ca. 3 Millionen Fahrzeuge pro Jahr
> und 70% der Fahrzeugkosten sind Personalkosten, außerdem hat VW
> 100.000 Mitarbeiter.


Und worauf beziehen sich die 70%? Auch auf die Personalkosten der
Zulieferer?

Der Volkswagen-Konzern insgesamt hatte im Jahr 2005 einen Umsatz von ca.
95 Milliarden Euro und dabei einen Personalaufwand von 14,6 Milliarden
Euro. Und ich denke nicht, dass es bei der Marke VW von den
Verhältnissen so viel anders ist. Insofern vergleichst Du hier gerade
Äpfel mit Birnen.

Ciao

Gerhard
Peter Bösche (10.03.2006, 09:31)
On Wed, 08 Mar 2006 18:52:06 +0100, Patrick Wüstenberg
<flexile> wrote:

>Zwei Einwände.
>1. Gehaltsspanne zwischen bandarbeiter und Pischetsrieder udn Konsorten ist
>nicht berücksichtigt.....
>2. Schonmal was von Lohnnebenkosten gehört? Ist m.E. in der Berechnung in dem Abschlag von 50% sicher enthalten!


Die Pflichtbeiträge der Arbeitgeber zu den Sozialversicherungen sind
explizit angeführt, als Lohnnebenkosten werden außerdem noch folgende
Anteile des _Lohns_ genannt:
- Vergütete arbeitsfreie Tage (Urlaub, Krankheit, Feiertage u.a.)
- Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, betriebliche
Altersvorsorge usw.)
- persönliche Arbeitsunterbrechungen (Gang zur Toilette, ausgiebiges
Naseputzen, Zigarette rauchen usw.)
- peronengebundene Zuschläge (z.B. für Schwerbehinderte).

Habe ich etwas vergessen? Wieviel betragen denn die Lohnnebenkosten
Deiner Meinung nach?
Ein Manager verdient 300* soviel wie ein Arbeiter. Wieviele Manager
sollte ich denn in der Berechnung berücksichtigen?

Peter
Peter Bösche (10.03.2006, 09:43)
On Thu, 09 Mar 2006 16:00:49 +0100, Gerhard Faehling
<gf.news> wrote:

>Peter Bösche schrieb:
>Und worauf beziehen sich die 70%? Auch auf die Personalkosten der
>Zulieferer?
>Der Volkswagen-Konzern insgesamt hatte im Jahr 2005 einen Umsatz von ca.
>95 Milliarden Euro und dabei einen Personalaufwand von 14,6 Milliarden
>Euro. Und ich denke nicht, dass es bei der Marke VW von den
>Verhältnissen so viel anders ist. Insofern vergleichst Du hier gerade
>Äpfel mit Birnen.

Ich? Pischetsrieder hat diese Zahl (70%) im Zusammenhang mit dem
VW-Konzern als Begündung für Lohnminderung, Produktivitätssteigerung
und Personalabbau genannt,

Peter
Karl Naumann (10.03.2006, 13:15)
Peter Bösche wrote:
> es keine Alternative zur Lohnkürzung und Personalabbau!

Na das läuft ja wie geschmiert oder gewünscht - nicht Lohn-
anpassung nach oben sondern ....
Da werden sich aber einige Herren ... die Händchen reiben,
daß dieser generelle Zielrichtung in der Breite der Bevöl-
kerung mehr und mehr akzeptabel wird.
Komisch nur, daß sich selbige Herren dann über ausbleibende
Binnennachfrage beschweren.
Gibt dazu schöne aktuelle Sketche von Urban Priol.

Ahoi Karli
Walter (10.03.2006, 13:18)
> 70% der Fahrzeugkosten sind Personalkosten

> Angenommen, ein Fahrzeug kostet ab Werk 20.000 Euro


diese beiden Dinge haben überhaupt nichts miteinander zu tun.
Deine seltsame Rechnung hat also mit der Realität auch nicht
viel am Hut :-(

Fahrzeugkosten ist offensichtlich das, was die Firma
VW ausgibt, um ein Fahrzeug zu bauen. Kosten hat VW
nicht nur dadurch, daß sie Fahrzeuge bauen, sondern
auch für andere Aktivitäten.

Das was ein Fahrzeug "kostet" wenn es jemand vom Werk
kauft, das sind nicht Kosten, sondern Einnahmen.

Den Preis ab Werk hast du übrigens viel zu hoch geschätzt.
Große Stückzahlen hat man bei den kleinen Autos, und die
Händler brauchen auch einen dicken Anteil.

Pisch. hat also nicht gesagt "70% von dem was wir
einnehmen, geben wir für Personal wieder aus" sondern
er hat gesagt "von dem, was wir ausgeben, um Fahrzeuge
zu bauen, sind 70% Personalkosten". Davon wiederum
muß man vermutlich noch das trennen, was er ausgibt,
um Teile und vorgefertigte Baugruppen dazuzukaufen...
Peter Bösche (10.03.2006, 16:42)
On Fri, 10 Mar 2006 11:18:12 +0000 (UTC), Walter wrote:

>...
>Pisch. hat also nicht gesagt "70% von dem was wir
>einnehmen, geben wir für Personal wieder aus" sondern
>er hat gesagt "von dem, was wir ausgeben, um Fahrzeuge
>zu bauen, sind 70% Personalkosten". Davon wiederum
>muß man vermutlich noch das trennen, was er ausgibt,
>um Teile und vorgefertigte Baugruppen dazuzukaufen...


Auch wenn man Deine Angaben als zutreffend unterstellt, ergibt sich
für mich Merkwürdiges:

100.000 Beschäftigte fertigen 3.000.000 Autos/Jahr;
1 Beachäftigter fertigt somit 30 Autos/Jahr.

Einmal unterstellt, ein Beschäftigter erhält 30.000,- Euro brutto pro
Jahr und die Lohnnebenkosten betragen nochmals ebensoviel. Dann fallen
(60.000,- Euro/Jahr) / (30 Autos/Jahr) = 2000,- Euro
Personalkosten/Auto an. Wenn das 70% sind, dann kostet ein Auto in der
Fertigung nur 2000,-Euro/70% = 2857,14 Euro.

So betrachtet, verdient sich nun VW dumm und dämlich.

Aber sei's wie's sei: Meine Rechnungen sind allesamt falsch, richtig
ist allein was Pischetsrieder sagt und deshalb muss die Produktivität
gesteigert, der Lohn vermindert und das Personal abgebaut werden ;-)
Gerhard Locke (10.03.2006, 18:32)
Karl Naumann schrieb:
> Peter Bösche wrote:
> Na das läuft ja wie geschmiert oder gewünscht - nicht Lohn-
> anpassung nach oben sondern ....
> Da werden sich aber einige Herren ... die Händchen reiben,
> daß dieser generelle Zielrichtung in der Breite der Bevöl-
> kerung mehr und mehr akzeptabel wird.


Na klar und die eigenen Manager-Gehälter nach oben anpassen.

> Komisch nur, daß sich selbige Herren dann über ausbleibende
> Binnennachfrage beschweren.


Das ist nicht komisch, das ist System.

Gruß
Gerhard
Marcus Walther (13.03.2006, 13:10)
Hallo Peter!

Peter Bösche schrieb:
> Wenn das 70% sind, dann kostet ein Auto in der
> Fertigung nur 2000,-Euro/70% = 2857,14 Euro.


Damit liegst du gar nicht so falsch. O.g. genanntes Auto dürfte bei
diesen Produktionskosten einen Listenpreis von ca. 20.000 Euro haben.

Gruß, Marcus

PS: Wegen OT f'up2p.
Ähnliche Themen