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Carsten Beckermann (17.09.2007, 22:02)
Hallo

Was in aller Welt ändert sich nach 2 Jahren an einem Mathebuch für
Grundschüler?
Eine Bekannte hat einen Sohn und eine Tochter.

Das Mathebuch des Sohnes war optisch noch in gutem Zustand, da gepflegt.
So kam die Mutter auf die sparsame Idee, dieses Buch auch noch für die
Tochter zu verwenden.

Als die Bücherlisten ausgegeben wurden, war die Freude groß, dass das Buch
wieder darauf auftauchte.

Doch nach dem ersten Schultag nach den Ferien stellte sich heraus, dass das
"gleiche" Mathebuch nun eine andere ISBN Nummer hat und innen anders
strukturiert ist.

Recherchen der nun fassungslosen Mutter bei anderen Müttern brachten zutage,
dass dies öfters geschieht.

Die Frage, die sich uns allen stellt ist nun schwierig zu verstehen:
was in aller Welt ändert sich nach 2 Jahren an einem Mathebuch für
Grundschüler?

Hat man endlich entdeckt, dass 2x2 nicht mehr 4 ist, sondern bestimmt das
nun als 3,99999999999?

Ist das "veraltete" Mathebuch nun nicht mehr politisch korrekt und es müssen
Begriffe umgeändert werden darin?

Frank hat 2 Äpfel.
Nein, das darf so nicht mehr lauten. Das ist Diskriminierung. Warum wird
hier keine Frau genannt?

Also nochmal:
Frank und Eva haben 2 Äpfel.

Wieder Diskriminierung: warum werden immer Äpfel genannt? Die Birnen und
Pfirsiche fühlen sich vernachlässigt.

Also nochmal:
Frank und Eva haben 2 Früchte irgendwelcher Art.

Wieder Diskriminierung: die Fraktion der Nüsse beschwert sich.

Also nochmal:
Frank und Eva haben 2 Nahrungsmittel.

Wieder Diskriminierung: die Spielzeugindustrie meckert. Warum werden immer
offensichtliche Lebensmittel bei Kinderrätseln genannt? Warum wird kein
Spielzeug genommen?

Also nochmal:
Frank und Eva haben 1 Nahrungsmittel und 1 Spielzeug

Darf ich raten, dass sich wieder eine Fraktion beschwert und sich
benachteiligt fühlt?

Also gibt es wieder eine neue Auflage vom Mathebuch - und die Eltern dürfen
die alten Bücher verschenken. Weil auf Bücherbasaren sind die in der Regel
nicht mehr zu verkaufen, weil die ISBN Nummer geändert wurde und die
Bücherliste nun von Müttern und Vätern mit Argusaugen peinlich genau
eingehalten werden.

Unmut!

Grüße
Carsten
Stefan Zickenrott (17.09.2007, 23:56)
"Carsten Beckermann" <carstenbeckermann2003> schrieb

> Was in aller Welt ändert sich nach 2 Jahren an einem Mathebuch für
> Grundschüler?


Nix, nur soviel daß das Buch für die nächsten Schüler unbrauchbar wird und
die Eltern gezwungen sind ein neues zu kaufen.
Marktwirtschaft? Und die Lehrer spielen mit, vielleicht bekommen sie dafür
ihre Bücher umsonst? Ich weiß es nicht...
Dorothee Hermann (18.09.2007, 00:57)
> Carsten Beckermann wrote:

>> Was in aller Welt ändert sich nach 2 Jahren an einem
>> Mathebuch für Grundschüler?


Vielleicht aufgrund der Einführung des G8-Zuges sind die
Voraussetzungen der Grundschüler (minimal) andere?

Zumindestens in Bayern (Baden-Württemberg?) ist es in
Gymnasien so. Daher dort andere Bücher.

Freundliche Grüße
Dorothee

In Bayern werden in den Gymnasien die Bücher gestellt.
Schüler konnten zwecks Selbststudium die alten Bücher
geschenkt bekommen.
Lothar Frings (18.09.2007, 09:42)
Carsten Beckermann tat kund:

> Was in aller Welt ändert sich nach 2 Jahren an einem Mathebuch für
> Grundschüler?


Vom der bereits erwähnten Wertschöpfung mal abgesehen:
Du verwechselst die Mathematik mit dem Lehrbuch.
Erstere bleibt immer gleich, aber wie man den Stoff
aufbereitet/darbietet/vermittelt, kann sich gewaltig ändern.
Daß größere Veränderungen in dieser Hinsicht immer
Fehlschläge waren, steht auf einem^w^w in einem anderen Buch.
Torsten Mueller (18.09.2007, 10:27)
Lothar Frings <Lothar.Frings> schrieb:

> Du verwechselst die Mathematik mit dem Lehrbuch.
> Erstere bleibt immer gleich, aber wie man den Stoff
> aufbereitet/darbietet/vermittelt, kann sich gewaltig ändern.


Ja, man kann Mathematik sogar gänzlich ohne Zahlen lehren. Die Frage
ist: warum sollte man dieses tun?

T.M.
Lothar Frings (18.09.2007, 11:21)
Torsten Mueller tat kund:

> Lothar Frings <LotharFri> schrieb:
> > Du verwechselst die Mathematik mit dem Lehrbuch.
> > Erstere bleibt immer gleich, aber wie man den Stoff
> > aufbereitet/darbietet/vermittelt, kann sich gewaltig ändern.

> Ja, man kann Mathematik sogar gänzlich ohne Zahlen lehren. Die Frage
> ist: warum sollte man dieses tun?


Das war nicht die Frage des OP und ist es in diesem
Fall auch nicht, weil hier keiner derlei versucht hat.
Die Mengenlehre etwa ging in die Richtung und war
einer der genannten Flops. Es gab Gründe dafür,
dank einer gewissen Wirklichkeitsferne
der Entscheider aber leider keine guten, und so scheiterte
das Ganze. Ähnlich wie die Ganzwortmethode,
die Antiautoritäre Erziehung und fast alles andere,
was es in Jahrzehnten in der Schule Neues gab.
Eva Preuß (18.09.2007, 11:44)
Carsten Beckermann schrieb:
> Hallo
> Was in aller Welt ändert sich nach 2 Jahren an einem Mathebuch für
> Grundschüler?


Nunja, die Lehrpläne ändern sich ca. alle 10 Jahre. Wenn dieser Wechsel
zwischen den Kindern liegt, hat man Pech gehabt.

Da deine Bekannten ja jetzt nun beide Bücher haben, kann man ja mal
vergleichen, was sich geändert hat.

Meiner Erfahrung nach tun sich Schulen recht schwer, neue Bücher
einzuführen, weil sie immer einen Satz vorrätig halten, den die Schüler
auch leihen können. Diese Kosten werden naturgemäß gescheut, und es wird
lieber mit uralten Büchern unterrichtet, wie man leicht an Erdkunde/
Gemeinschaftskundebüchern sehen kann (wir hatten bis 1998 noch die DDR
in sämtlichen Büchern verzeichnet). Wenn sich eine Schule also
entschließt, ein neues Mathebuch zu verwenden (auch noch vom selben
Verlag), hat sich entweder einiges geändert, oder die Schule hat zu viel
Kohle.

lg,

Eva
Dorothee Hermann (18.09.2007, 12:58)
Dorothee Hermann wrote:
>> Carsten Beckermann wrote:


>>> Was in aller Welt ändert sich nach 2 Jahren an einem
>>> Mathebuch für Grundschüler?


> Vielleicht: Aufgrund der Einführung des G8-Zuges sind die
> Voraussetzungen der Grundschüler (minimal) andere?


> Zumindestens in Bayern (Baden-Württemberg?) ist es in
> Gymnasien so. Daher dort andere Bücher.


@Carsten,
hast Du Dich schon mal direkt an das Kultusministerium
gewandt, mit Deiner Frage?





Freundliche Grüße
Dorothee
Sepp Neuper (19.09.2007, 02:35)
Lothar Frings <Lothar.Frings> schrieb:

>Die Mengenlehre etwa ging in die Richtung und war
>einer der genannten Flops. Es gab Gründe dafür,
>dank einer gewissen Wirklichkeitsferne
>der Entscheider aber leider keine guten, und so scheiterte
>das Ganze. Ähnlich wie die Ganzwortmethode,
>die Antiautoritäre Erziehung und fast alles andere,
>was es in Jahrzehnten in der Schule Neues gab.


Als kurz gesagt: Alles, was man mit den 68ern in
Verbindung bringen kann.

Servus, Sepp
Eva Kornmann (19.09.2007, 09:42)
Lothar Frings schrieb:

>Das war nicht die Frage des OP und ist es in diesem
>Fall auch nicht, weil hier keiner derlei versucht hat.
>Die Mengenlehre etwa ging in die Richtung und war
>einer der genannten Flops. Es gab Gründe dafür,
>dank einer gewissen Wirklichkeitsferne
>der Entscheider aber leider keine guten, und so scheiterte
>das Ganze. Ähnlich wie die Ganzwortmethode,
>die Antiautoritäre Erziehung und fast alles andere,
>was es in Jahrzehnten in der Schule Neues gab.


Ich war in der Grundschule in einer Versuchsklasse, im Gegensatz zu
den Parallelklassen hatten wir Mengenlehre und Ganzwortmethode.
Damals. Ich fand's klasse, die anderen Schüler hatten auch keine
Probleme damit, nur die bescheuerten Eltern sind auf die Barrikaden
gegangen, weil sie die Hausaufgaben der Kinder nicht verstanden haben.

Grüße
Eva
Lothar Frings (19.09.2007, 10:21)
Eva Kornmann tat kund:

> Ich war in der Grundschule in einer Versuchsklasse, im Gegensatz zu
> den Parallelklassen hatten wir Mengenlehre und Ganzwortmethode.
> Damals. Ich fand's klasse, die anderen Schüler hatten auch keine
> Probleme damit, nur die bescheuerten Eltern sind auf die Barrikaden
> gegangen, weil sie die Hausaufgaben der Kinder nicht verstanden haben.


Ja, ja, es war nicht alles schlecht.
Torsten Mueller (19.09.2007, 13:19)
Eva Preuß <huev0622> schrieb:

> (wir hatten bis 1998 noch die DDR in sämtlichen Büchern
> verzeichnet).


Und heute nicht mehr?

T.M., fassungslos ...
Eva Kornmann (19.09.2007, 13:20)
Eva Preuß schrieb:

>Meiner Erfahrung nach tun sich Schulen recht schwer, neue Bücher
>einzuführen, weil sie immer einen Satz vorrätig halten, den die Schüler
>auch leihen können. Diese Kosten werden naturgemäß gescheut, und es wird
>lieber mit uralten Büchern unterrichtet, wie man leicht an Erdkunde/
>Gemeinschaftskundebüchern sehen kann (wir hatten bis 1998 noch die DDR
>in sämtlichen Büchern verzeichnet). Wenn sich eine Schule also
>entschließt, ein neues Mathebuch zu verwenden (auch noch vom selben
>Verlag), hat sich entweder einiges geändert, oder die Schule hat zu viel
>Kohle.


Das kann ich nicht bestätigen. Bei der Euroumstellung wurden die
Schulbücher der Unterstufe und Grundschulen mitten im Schuljahr
ausgetauscht, weil es plötzlich unzumutbar war, in Textaufgaben mit DM
anstatt mit Euro zu rechnen.

Grüße
Eva
Manfred Russ (19.09.2007, 23:16)
Tue, 18 Sep 2007 11:44:09 +0200 Eva Preuß schrieb:

> es wird
> lieber mit uralten Büchern unterrichtet, wie man leicht an Erdkunde/
> Gemeinschaftskundebüchern sehen kann (wir hatten bis 1998 noch die DDR
> in sämtlichen Büchern verzeichnet).


Pah. "Unter polnischer Verwaltung".
Aber ok, das Saarland war schon deutsch.

Manfred
Frank Hucklenbroich (20.09.2007, 09:31)
Am Wed, 19 Sep 2007 23:16:41 +0200 schrieb Manfred Russ:

> Tue, 18 Sep 2007 11:44:09 +0200 Eva Preuß schrieb:
> Pah. "Unter polnischer Verwaltung".
> Aber ok, das Saarland war schon deutsch.


Ich hatte zu Uni-Zeiten mal einen Atlas in den Fingern, da war neben den
kanarischen Inseln eine weiße Flagge eingezeichnet mit dem Hinweis "Still
under spanish occupation".
Leute die Atlanten herausgeben haben anscheinend manchmal einen sehr
speziellen Humor (der Atlas war aus den 80er oder 90er Jahren, also kein
historisches Werk).

Grüße,

Frank
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