expertenaustausch > etc.* > etc.fahrzeug.auto

Frank Kemper (20.11.2019, 09:43)
Martin Gerdes <martin.gerdes> wrote:

>> Den nicht "ernsthaften" PHEV Käufern geht es um finanzielle Vorteile wie
>> die Dienstwagenbesteuerung und die Kaufprämie. Da liegen dann beim Weiter-
>> verkauf die Ladekabel originalverpackt im Kofferraum.

> Ja.
> Immerhin: Das Ladekabel könnte um die 200 Euro pro Monat bringen, und
> das ist eine Menge Geld.


Für mich ist die aktuelle Entwicklung bei den PHEVs ein deutlicher Hinweis
darauf, was der Staat mit Steuerpolitik alles bewegen kann - wenn er denn
will. Kaum senkt der Staat den Eigenanteil bei der Privatnutzung von PHEVs
und EVs auf die Hälfte, schon sind alle deutschen Hersteller mit Versionen
ihrer wichtigsten Dienstwagen-Modelle am Start, die diese Voraussetzungen
exakt erfüllen, nicht mehr und nicht weniger.

Dabei ist ja die Einführung der 0,5%-Versteuerung bei EVs grundsätzlich
nicht viel mehr als fair. Denn nach meinem Verständnis werden die gesamten
Kosten, die das Auto verursacht, also Kauf, Unterhalt, Sprit etc.
steuerlich berücksichtigt, und für seine private Nutzung zahlt der Nutzer
dann pauschal 1% des Neupreises. Wenn er jetzt statt eines Verbrenners
einen EV kauft, ist der teurer in der Anschaffung, also höherer zu
versteuernder Eigenanteil. Im Gegenzug ist er aber deutlich billiger im
Unterhalt (Stromverbrauch, Wartung), also wird der steuerlich abzugsfähige
Kostenblock hier kleiner. Davon hatt der Nutzer früher aber nichts, er
musste weiter 1% versteuern. Insofern ist die Halbierung auf 0,5% für EVs
völlig gerechtfertigt. Sie ist noch nicht mal eine Subvention. Bei vielen
PHEVs sieht das anders aus. Ihre Unterhaltskosten sind nicht signifikant
niedriger als bei Verbrennern. Ein Mercedes E300de zieht angeblich 40 kWh
pro 100 km in Elektrofahrt - mit Diesel fahren ist billiger, weshalb viele
PHEV-Dienstwagenfahrer ihre Autos auch nicht elektrisch fahren. Dennoch
versteuern sie auch nur 0,5% des Kaufpreises - für ein Auto, das ökologisch
nichts bringt, wenn man es mit Benzin betreibt. Da müsste der Staat
nachjustieren.

Frank
Klaus K (20.11.2019, 13:17)
Am 19.11.2019 um 22:18 schrieb Martin Gerdes:
> Mit ganz so wenigen Einschränkungen werden die deutschen Autofahrer
> vermutlich nicht wegkommen. Oder vielleicht doch?


Was soll Diese Aussage bedeuten? Dass man den Autofahren das Auto fahren
verbieten muss oder zumindest so versalzen, dass sie es bleiben lassen?

Ich glaube nicht, dass das gelingen wird. In urbanen Ballungsräumen geht
das vllt noch, woanders aber nicht.

K.
F. W. (20.11.2019, 14:10)
Am 13.11.2019 um 21:48 schrieb Wilhelm Ernst:
> Am Mon, 11 Nov 2019 16:18:30 +0100hat "F. W." <me> geäußert:


>>> Und warum hat sich Atomkraft nicht durchgesetzt? - du merkst was!

>> Die Leute sind inzwischen der Meinung, dass das Risiko bei AKW derart
>> hoch ist, dass selbst die "billige" Energie und die Klimafreundlichkeit
>> im Wertekanon zurückstehen müssen.
>> Wasserstoff hat die Autoindustrie außerdem nie ernsthaft probiert. Warum
>> auch? Das Öl floss doch und 1973 war lange vorbei.


> Wenn u "die Leute" sagst, meinst Du einen Teil der 100Mio Süd-
> und-Mittel-West-Europäer?


Die Deutschen.

> Wieviele Menschen trägt die Erde z.Z.?
> Wieviele AKW sind z.Z. im Bau?


Wikipedia ist Dein Freund.

> Du erkennst Deine Beschränktheit?
> fragt noch ganz hoffnungsvoll


Ich lerne gern von Dir...

FW
Rupert Haselbeck (20.11.2019, 22:10)
Frank Kemper schrieb:

[..]
> Kostenblock hier kleiner. Davon hatt der Nutzer früher aber nichts, er
> musste weiter 1% versteuern. Insofern ist die Halbierung auf 0,5% für EVs
> völlig gerechtfertigt. Sie ist noch nicht mal eine Subvention.


Natürlich ist es eine Subvention. Bei der Pauschalversteuerung der
Dienstwagennutzung für private Zwecke sind selbstverständlich auch die
Anschaffungskosten zu berücksichtigen. In Gestalt der Abschreibung der
Beschaffungskosten fallen bei einem Batterieauto aufgrund der erheblichen
Mehrkosten gegenüber einem vom Nutzwert her üblicherweise höherwertigen
Verbrenner naturgemäß deutlich höhere Kosten an. Selbst wenn die Kosten für
den Strom und die Wartung (zumindest derzeit noch) geringer sein mögen, so
sind doch die Anschaffungskosten, die Finanzierungskosten deutlich höher zu
veranschlagen.
Wenn man dem Dienstwagennutzer also nur ein halbes Prozent als geldwerten
Vorteil aufhalst, so ist das eine weitere durchaus nicht erhebliche
Subvention des Batterieautos

MfG
Rupert
Wilhelm Ernst (21.11.2019, 19:25)
Am Wed, 20 Nov 2019 13:10:32 +0100hat "F. W." <me> geäußert:

snip
>> Wenn u "die Leute" sagst, meinst Du einen Teil der 100Mio Süd-
>> und-Mittel-West-Europäer?

>Die Deutschen.


O.k. - das ist Bauchnabel genug :-)

>> Wieviele Menschen trägt die Erde z.Z.?
>> Wieviele AKW sind z.Z. im Bau?

>Wikipedia ist Dein Freund.
>> Du erkennst Deine Beschränktheit?
>> fragt noch ganz hoffnungsvoll

>Ich lerne gern von Dir...

Fein!
Ich lese Dich ringsum zwar nicht sehr oft, erlaube mir aber ggf. weitere
klärende Fragen.
Muß ja auch noch lernen :-)
Willi
Martin Gerdes (24.11.2019, 13:26)
Klaus K <Klaus.nospam> schrieb:

>> Mit ganz so wenigen Einschränkungen werden die deutschen Autofahrer
>> vermutlich nicht wegkommen. Oder vielleicht doch?


> Was soll Diese Aussage bedeuten? Dass man den Autofahren das Auto fahren
> verbieten muss oder zumindest so versalzen, dass sie es bleiben lassen?


Angenommen, die Städte würden ab heute konsequent jedes Parkvergehen
ahnden, gäbe das einen Sturm der Entrüstung und eine Klage beim
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (denn das Recht auf
Falschparken ist bekanntlich ein Menschenrecht).

Der Bund überlegt sich gerade, ob der Kostendeckel von max 30 Euro im
Jahr für eine Anwohnerparkerlaubnis wirklich noch in die Zeit paßt.

Vor dem sozialen Kahlschlag einer Benzinpreiserhöhung um satte 10 Cent/l
schreckt die aktuelle große Auto-Auto-Koalition noch zurück.

Und doch werden Einschränkungen für Autofahrer kommen (die sich immer
nur als bedauernswerte Opfer, nie als Täter sehen). Der Wind dreht sich
langsam, aber er dreht sich.

>Ich glaube nicht, dass das gelingen wird.


Schaumermal.
Werner Schmidt (02.12.2019, 23:03)
Martin K. schrieb am 17.11.19 um 08:45:

> Am Sonntag, 17. November 2019 00:11:58 UTC+1 schrieb Werner Schmidt:
>> Erkläre einfach, wer unter der Bedingung
>> "läuft vielleicht 5% der Zeit" Elektrolyseure aufstellen wird.

> Da kriegt der Betriebswirt einen Schreianfall.


ja, genau. Und sein Betrieb investiert halt nicht in diese Technik.

Anders natürlich, wenn

- das immer noch billiger wäre, so Strom zu speichern statt Strom aus
Kohleverbrennung zu erzeugen. Aber da sind wir halt lange nicht, oder wenn

- das subventioniert würde.

Dann reibt er sich die Hände :-)

Kein vernünftiger Mensch würde behaupten, dass eine Konversion zu einer
"fossil-freien" Energiewirtschaft zum Nulltarif zu haben wäre. Die reine
Stromerzeugung mit "EE-"Kraftwerken ist mittlerweile zwar schon
konkurrenzfähig, aber wir sind jetzt an dem Punkt, an dem (u.a.)
Speichermöglichkeiten ausgebaut werden müssen. Das erfordert
Investitionen, keine Frage. Energie zu "verbrauchen" wird - muss! - ganz
allgemein teurer werden. Wobei man speziell hierzulande von den
unsäglichen Nebenkosten auf den Strom auch wieder runter muss. Oder halt
dafür sorgen, dass die so eingenommene Knete auch richtig investiert
wird. Da sehe ich falsche staatliche Vorgaben. Indem man "fossile"
Energieträger entsprechend hoch besteuern würde könnte man die Kosten
für den Endverbraucher reduzieren, indem man den Ausbau von "EE" und
Pufferspeichern aus diesem Topf subventioniert,so dass Strom billiger
werden kann.

Und damit ich nicht falsch verstanden werde: Wasserstoff als
Speichermedium ist nicht grundsätzlich eine völlig blöde Idee. Nur ihn
mit besonders schlechtem Wirkungsgrad in PKW zu verbraten halte ich
nicht für klug. Vor Ort könnte er effizienter wieder verstromt werden,
auch thermische Nutzung, wo Wärme benötigt wird, ist (noch) effizienter.

Gruß
Werner
Martin K. (08.12.2019, 12:14)
Am Montag, 2. Dezember 2019 22:03:41 UTC+1 schrieb Werner Schmidt:
> Die reine
> Stromerzeugung mit "EE-"Kraftwerken ist mittlerweile zwar schon
> konkurrenzfähig, aber wir sind jetzt an dem Punkt, an dem (u.a.)
> Speichermöglichkeiten ausgebaut werden müssen.


Ja, wobei ohne irgendetwas gegeneinander ausspielen zu wollen bin ich der
Meinung man sollte eher zuerst dein "(u.a.)" angehen. Indem man die eh
vorhandenen Netzelemente intelligenter nutzt und damit die Stromerzeugung
und den Stromverbrauch flexibilisiert wo dies möglich ist.

Z.B. werden heute die Biogasanalgen in der Regel im Grundlastbetrieb
gefahren. Obwohl der Fermenter als Gasspeicher für mindestens 1 Tag taugt.
Natürlich wird man für die zeitliche Flexibilisierung bei manchenAnlagen
die Motor/Generatorleistung erhöhen müssen, indem man nochmal so eine
Kiste nebenran stellt. Und natürlich braucht man eine sinnvolle Regelung
dazu. ==> Flexibilisierung der Stromerzeugung

Z.B. interessiert es bis heute niemand, zu welchem Zeitpunkt ich mein
Elektroauto auflade, obwohl ich das zu Hause in der Regel im Bereich
von mehreren Tagen problemlos verschieben könnte. So nutze ich diese
Lastverschiebung halt nur für meine eigenen Interessen und lade dann,
wenn eigener Solarstrom anfällt. ==> Flexibilisierung des Stromverbrauchs

Ich weiß nicht, warum die Umsetzung dieser auf der Hand liegenden Dinge
so lange verschleppt wird. Eigentlich war es immer die Särke der deutschen
Wirtschaft solche komplexen Systeme zum Laufen zu bekommen und damit dann
später auch auf dem Weltmarkt erfolgreich zu sein. Und Smart Grid oderwie
man zur Digitalisierung des öffentlichen Stromnetzes auch sagen will, wird
in Zukunft ein Megathema sein.

> Und damit ich nicht falsch verstanden werde: Wasserstoff als
> Speichermedium ist nicht grundsätzlich eine völlig blöde Idee. Nur ihn
> mit besonders schlechtem Wirkungsgrad in PKW zu verbraten halte ich
> nicht für klug.


Ja, regenerativen Wasserstoff sehe ich im Bereich der Mobilität dort wo
hohe Energiedichten erforderlich sind, also z.B. bei Flugzeugen. In anderen
Bereichen z.B. bei der Stahlproduktion.

Der Haupteinsatz wird aber meiner Meinung im Bereich der Stromversorgung
sein um die Lücken von Solar- und Windstrom aufzufüllen. Das wirdzwar für
eine Übergangszeit durch fossiles Erdgas bewerkstelligt werden, das dann
aber Zug um Zug durch regenerativen Wasserstoff ersetzt werden kann.
Werner Schmidt (08.12.2019, 15:28)
Martin K. schrieb am 08.12.19 um 11:14:

> Am Montag, 2. Dezember 2019 22:03:41 UTC+1 schrieb Werner Schmidt:
> Ja, wobei ohne irgendetwas gegeneinander ausspielen zu wollen bin ich der
> Meinung man sollte eher zuerst dein "(u.a.)" angehen. Indem man die eh
> vorhandenen Netzelemente intelligenter nutzt und damit die Stromerzeugung
> und den Stromverbrauch flexibilisiert wo dies möglich ist.


parallel. Das wird ab einem in Zukunft erreichten "EE"-Anteil halt nicht
mehr ausreichen. Dann darf man nicht erst anfangen, Speicher zu bauen.
Dann müssen sie nutzbar am Netz sein. Sonst läuft man der Entwicklung
hinterher.

[..]
> von mehreren Tagen problemlos verschieben könnte. So nutze ich diese
> Lastverschiebung halt nur für meine eigenen Interessen und lade dann,
> wenn eigener Solarstrom anfällt. ==> Flexibilisierung des Stromverbrauchs


Ja und ja.

> Ja, regenerativen Wasserstoff sehe ich im Bereich der Mobilität dort wo
> hohe Energiedichten erforderlich sind, also z.B. bei Flugzeugen. In anderen
> Bereichen z.B. bei der Stahlproduktion.
> Der Haupteinsatz wird aber meiner Meinung im Bereich der Stromversorgung
> sein um die Lücken von Solar- und Windstrom aufzufüllen. Das wird zwar für
> eine Übergangszeit durch fossiles Erdgas bewerkstelligt werden, das dann
> aber Zug um Zug durch regenerativen Wasserstoff ersetzt werden kann.


Auch hier: Ja und ja.

Gruß
Werner
Michael Landenberger (09.12.2019, 00:01)
"Rupert Haselbeck" schrieb am 13.11.2019 um 21:39:24:

> Marc Stibane schrieb:


>> So eine Power-2-Gas-Anlage ist teuer.


> Sicher ist sie das. Aber bei weitem nicht so teuer wie der derzeitige
> Aufwand z.B. für den Betrieb eher untauglicher Batterieautos und von
> Stromerzeugern mit nur geringen Nutzungszeiten.


Batterieautos sind nicht grundsätzlich untauglich. Sie sind aktuell in
tauglicher Form nur exorbitant teuer. Das ist derzeit ihr Hauptproblem.
Glücklicherweise ist der Preis aber etwas, das nicht so sehr physikalischen
Beschränkungen unterliegt wie z. B. Ladeleistungen. Also gibt es Grund für die
Annahme, dass der Preis langfristig (!) sinken kann. Ob er tatsächlich sinkt,
bleibt abzuwarten. Ich jedenfalls sehe durchaus Chancen dafür. Allerdings
nicht heute und auch nicht morgen. Es ist noch ein sehr langer Weg, und den
werden Elektro-Taliban auch nicht verkürzen. Die Taliban sowieso nicht, wenn
überhaupt werden das Realisten. Und von denen dürfte es einige geben, die erst
einmal auf Hybrid-Technologien setzen. Für die nähere Zukunft dürfte das der
gangbarste Weg sein.

Gruß

Michael
Marc Stibane (09.12.2019, 00:50)
Martin K. <MartinKobil> wrote:
> Am Montag, 2. Dezember 2019 22:03:41 UTC+1 schrieb Werner Schmidt:


>> Und damit ich nicht falsch verstanden werde: Wasserstoff als
>> Speichermedium ist nicht grundsätzlich eine völlig blöde Idee. Nur
>> ihn mit besonders schlechtem Wirkungsgrad in PKW zu verbraten halte
>> ich nicht für klug.

> Ja, regenerativen Wasserstoff sehe ich im Bereich der Mobilität dort wo
> hohe Energiedichten erforderlich sind, also z.B. bei Flugzeugen.


ACK

> In anderen Bereichen z.B. bei der Stahlproduktion.


Never. Kann preislich nicht mit Kohle konkurrieren.

> Der Haupteinsatz wird aber meiner Meinung im Bereich der Stromversorgung
> sein um die Lücken von Solar- und Windstrom aufzufüllen. Das wird zwar für
> eine Übergangszeit durch fossiles Erdgas bewerkstelligt werden, das dann
> aber Zug um Zug durch regenerativen Wasserstoff ersetzt werden kann.


Gerade ist NordStream 2 in den letzten Zügen, bald strömt noch mehr
russisches Erdgas nach Deutschland. Bis das durch H2 ersetzt wird dauert
es wohl eher noch Jahrzehnte.

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