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Juergen Roesener (13.10.2007, 12:57)
Hallo,

bei einem großen Webhoster betreibe ich einen Webshop. Die Software
wird vom Provider vermarktet, sie stammt allerdings von einem
externen Softwarehaus. Die Anzahl der Artikel ist unbeschränkt,
trotzdem verursacht die Shop-Software ab einer nicht genau zu
definierenden Anzahl regelmäßig Indexfehler, die Veröffentlichung der
Änderungen bricht ab. Einzige Abhilfe ist zur Zeit, die Anzahl der
Artikel zu reduzieren und einen neuen Index zu erstellen. Dafür stellt
das Softwarehaus einen workaround bereit; das bedeutet m.E., dass
dieser Fehler bekannt ist und nicht nur bei mir auftritt.

Zwei Probleme entstehen dadurch:
1) ich kann nur einen Teil meiner Artikel einstellen
2) der workaround ist sehr zeitaufwändig; es kann passieren,
dass die Änderung nur eines einzigen Artikelpreises
zwei Stunden dauert

Mein Anwalt hat keinen Lösungsvorschlag, deshab frage ich hier.

Der Versuch der Fehlerbehebung zieht sich inzwischen seit Februar 2007
hin (neben dem o.a. Problem sind weitere Softwarefehler vorhanden, auf
die ich vorerst einmal nicht eingehen will).

Es wäre natürlich am einfachsten, den Vertrag zu kündigen und zu einem
anderen Provider umzuziehen. Leider läuft aber die Shop-Software als
Spezial-Edition nicht bei anderen Providern. Ich müsste also einen
völlig neuen Shop einrichten, was bei ca. 2000 Artikeln einen enormen
Arbeitsaufwand bedeutet, den ich mir eigentlich nicht antun will.

Wäre es denkbar, als Ersatzvornahme einen externen Dienstleister mit
dem Aufbau eines neuen Shops zu beauftragen und den derzeitigen
Provider als meinen Vertragspartner mit den Kosten zu belasten?

Gruß
Jürgen Rösener
Carsten Krueger (13.10.2007, 14:57)
Am Sat, 13 Oct 2007 12:57:05 +0200 schrieb Juergen Roesener:

> Ich müsste also einen
> völlig neuen Shop einrichten, was bei ca. 2000 Artikeln einen enormen
> Arbeitsaufwand bedeutet, den ich mir eigentlich nicht antun will.


Exportieren aus dem alten Shop und importieren in den neuen.
Sowas macht man nicht per Hand.

> Wäre es denkbar, als Ersatzvornahme einen externen Dienstleister mit
> dem Aufbau eines neuen Shops zu beauftragen und den derzeitigen
> Provider als meinen Vertragspartner mit den Kosten zu belasten?


Denkbar ist das schon, aber ohne Klage wird das wohl niemand akzeptieren.

Gruß Carsten
Juergen Roesener (13.10.2007, 15:49)
Carsten Krueger <use.net.cakruege> wrote:

>Exportieren aus dem alten Shop und importieren in den neuen.
>Sowas macht man nicht per Hand.


Wegen der Artikel selbst und der zugehörigen Bilder mache ich mir
weniger Sorgen, die könnte ich aus dem lokal vorhandenen Datenbestand
holen. Für viele Positionen gibt es aber "dazu passende Artikel"
(cross selling). Ich habe bisher erst bei einem anderen Provider
nachgefragt, wo eine meiner anderen Domains gehosted wird; der meint,
sein Shopsystem könne die cross selling Produkte nicht automatisch
übernehmen und er kennt auch keines, mit dem das möglich ist.

>> Provider als meinen Vertragspartner mit den Kosten zu belasten?

>Denkbar ist das schon, aber ohne Klage wird das wohl niemand akzeptieren.


Mein Anwalt hält sich mit einem Ratschlag sehr zurück, weil er die
Erfolgsaussichten nicht einschätzen kann; er hat in diesem Bereich nur
wenig Erfahrung.

Gruß
Jürgen Rösener
Carsten Krueger (13.10.2007, 16:05)
Am Sat, 13 Oct 2007 15:49:43 +0200 schrieb Juergen Roesener:

> Ich habe bisher erst bei einem anderen Provider
> nachgefragt, wo eine meiner anderen Domains gehosted wird; der meint,
> sein Shopsystem könne die cross selling Produkte nicht automatisch
> übernehmen und er kennt auch keines, mit dem das möglich ist.


Man muss sich ja eine Importfunktionen schreiben (lassen).

> Mein Anwalt hält sich mit einem Ratschlag sehr zurück, weil er die
> Erfolgsaussichten nicht einschätzen kann; er hat in diesem Bereich nur
> wenig Erfahrung.


Ich würde sie für gering halten, mehr als die bisher gezahlten Gebühren
sind IMHO nicht rausholbar und das halte ich schon für unwahrscheinlich.
Du hast ja vermutlich keine Garantie, daß der Shop für x Artikel
funktioniert.

Gruß Carsten
Kai Kranzmann (13.10.2007, 20:17)
Juergen Roesener schrieb:
> Carsten Krueger <use.net.cakruege> wrote:
> Wegen der Artikel selbst und der zugehörigen Bilder mache ich mir
> weniger Sorgen, die könnte ich aus dem lokal vorhandenen Datenbestand
> holen. Für viele Positionen gibt es aber "dazu passende Artikel"
> (cross selling). Ich habe bisher erst bei einem anderen Provider
> nachgefragt, wo eine meiner anderen Domains gehosted wird; der meint,
> sein Shopsystem könne die cross selling Produkte nicht automatisch
> übernehmen und er kennt auch keines, mit dem das möglich ist.


Normalweise ist es klug, ein Shopsystem unabhänig vom Provider zu
verwenden und dafür ist derzeit xt:commerce die 1. Wahl. Insofern wirst
du in diese Richtung forschen müssen.

Kai
Frank Heuser (13.10.2007, 20:17)
Juergen Roesener schrieb:
> Mein Anwalt hält sich mit einem Ratschlag sehr zurück, weil er die
> Erfolgsaussichten nicht einschätzen kann; er hat in diesem Bereich nur
> wenig Erfahrung.


Hat er seine Antwort mit *wenig Erfahrung in dem Bereich* begründet? Es
geht bei Dir doch um die Frage, was Dir vertraglich zusteht. Die
technische Seite solltest Du ihm sicherlich darlegen können, den Rest
sollte er schon wuppen.
Juergen Roesener (13.10.2007, 20:35)
Carsten Krueger <use.net.cakruege> wrote:

>Man muss sich ja eine Importfunktionen schreiben (lassen).


[OT:]
ich habe selbst eine Literaturverwaltung vom Commodore Pet über C64,
Atari ST zum PC übertragen; das war trotz unterschiedlicher
Zeichensätze einfach.

Ein Profi hat die Inhalte der Datenfelder meiner alten
Branchensoftware in die neue, von ihm gelieferte übertragen. Wegen der
täglich vielen Änderungen fand die Umstellung an einem Sonntag statt.
Und anschließend stellte sich heraus, dass trotz mehrwöchiger
Testläufe in seinem Haus Datenfelder falsch verknüpft waren ...
[/OT]

>Du hast ja vermutlich keine Garantie, daß der Shop für x Artikel
>funktioniert.


Nun, die Shop-Software wird sowohl mit begrenzter Anzahl von
Datensätzen vermarktet, als auch mit unbegrenzter Anzahl. Auch wenn
ich das als Werbeversprechen nicht unbedingt als "unendlich viele"
interpretieren darf, finde ich doch keinerlei Hinweise auf eine
Maximalzahl.

Es ist für mich halt so, dass nicht die Shop-Software an sich einen
Wert darstellt, sondern die zeitaufwändig eingepflegten Datensätze.

Gruß
Jürgen Rösener
Juergen Roesener (13.10.2007, 21:09)
Kai Kranzmann <news3> wrote:

>Normalweise ist es klug, ein Shopsystem unabhänig vom Provider zu
>verwenden und dafür ist derzeit xt:commerce die 1. Wahl. Insofern wirst
>du in diese Richtung forschen müssen.


Das Shop-System wird sowohl provider-neutral als auch in einer
Spezial-Edition vermarktet; Du hast Recht, das hätte mich damals
misstrauisch machen sollen.

Für die Frage, welches Shop-System ich in Zukunft verwenden sollte,
werde ich wohl eine andere Gruppe suchen müssen (welche?).

Gruß
Jürgen Rösener
Juergen Roesener (13.10.2007, 21:09)
Frank Heuser <lesichnicht> wrote:

>Hat er seine Antwort mit *wenig Erfahrung in dem Bereich* begründet?


Ja.

>Es geht bei Dir doch um die Frage, was Dir vertraglich zusteht. Die
>technische Seite solltest Du ihm sicherlich darlegen können, den Rest
>sollte er schon wuppen.


Ich habe den Eindruck, dass viele Anwälte sich nicht so recht mit dem
Themengebiet beschäftigen (wollen). Als ich z.B. AGB für meinen
Webshop benötigte, hat er sich ebenfalls vornehm zurückgehalten <g>.
Nachträglich habe ich verstanden, warum: Meine AGB wurden von einem
anderen Anwalt formuliert und von derjenigen Wettbewerbszentrale
redigiert bzw. abgesegnet, der mein Berufsverband angehört. Das hat
eine andere Wettbewerbszentrale jedoch nicht daran gehindert, mich
wegen angeblicher Fehler abzumahnen. Fazit: ich habe die Abmahnung
zwar nicht bezahlen müssen, es gab allerdings eine Menge unnötigen
Stress.

Gruß
Jürgen Rösener
Frank Heuser (13.10.2007, 22:57)
Juergen Roesener schrieb:
> Frank Heuser <lesichnicht> wrote:
> Ja.
> Ich habe den Eindruck, dass viele Anwälte sich nicht so recht mit dem
> Themengebiet beschäftigen (wollen).


Du meinst Thema "Online-Shop"? Da sollten sich schon einige Kanzleien
finden lassen. Das ist auch nur Vertragsrecht mit der "Besonderheit",
dass statt gesprochener Worte moderne Kommunikationsmittel Anwendung finden.

Wenn der Anwalt Schwierigkeiten hat, Dir zu folgen, wenn Du z.B. von
Frontend und Backoffice sprichst, muss das noch nicht gegen ihn
sprechen. Wenn Du ihm jedoch nicht erklären kannst, was es damit auf
sich hat, dann solltest Du über einen Wechsel nachdenken.

> Als ich z.B. AGB für meinen
> Webshop benötigte, hat er sich ebenfalls vornehm zurückgehalten <g>.


Fehlten ihm wohl die aktuellen Formularbücher ;-)

> Nachträglich habe ich verstanden, warum: Meine AGB wurden von einem
> anderen Anwalt formuliert und von derjenigen Wettbewerbszentrale
> redigiert bzw. abgesegnet, der mein Berufsverband angehört.


Na, der sollte es doch wissen.

> Das hat
> eine andere Wettbewerbszentrale jedoch nicht daran gehindert, mich
> wegen angeblicher Fehler abzumahnen.


Wettbewerbsrecht hat viele Fallstricke und AGB sind potentiell kritisch.
Selbst wenn Du auf AGB verzichtest, wird der Web-Auftritt immer noch
Fallstricke aufweisen. So wie Dein Anwalt anscheinend seine eigenen
Vorstellungen von der IT-Welt hat, haben das auch die verschiedenen
Gerichte. Und da Verstöße im Internet wettbewerbsrechtlich bundesweit
vor Gericht gebracht werden können, ist die Chance, ein für den
"Kläger/Antragsteller" passendes Gericht zu finden nicht gering.

Das ist eben eines der praxisrelevanten Probleme des Internet aus
juristischer Sicht: Ich kann nicht darauf abstellen, was "mein" OLG von
diesem oder jenem hält, sondern ich muss auch andere OLG-Entscheidungen
beachten. Allein auf "eigenes" OLG oder gar "nur" den BGH abzustellen,
ist gefährlich.

Mit den Worten eines Amtsrichters:

Ist mir doch egal, was der BGH dazu sagt, ich bin hier das Amtsgericht
und entscheide die Sache.

> Fazit: ich habe die Abmahnung
> zwar nicht bezahlen müssen, es gab allerdings eine Menge unnötigen
> Stress.


Das ist schon ein gutes Ergebnis!

Nun, die aktuelle Geschichte begann sicherlich, bevor Du die oben
beschriebene Erkenntnis hattest, ansonsten würde mich schon
interessieren, warum Du dennoch bei ihm bleibst.
Juergen Roesener (14.10.2007, 01:22)
Frank Heuser <lesichnicht> wrote:

>> Als ich z.B. AGB für meinen
>> Webshop benötigte, hat er sich ebenfalls vornehm zurückgehalten <g>.

>Fehlten ihm wohl die aktuellen Formularbücher ;-)


Es war zu der Zeit, als das Fernabsatzgesetz ins BGB übergeführt
wurde. Er meinte, dass sich die Bestimmungen so schnell ändern würden,
dass sich zwischen den Zeitpunkten seines AGB Entwurfs und der
Veröffentlichung die Gesetzeslage schon wieder geändert haben könnte.

>Wettbewerbsrecht hat viele Fallstricke und AGB sind potentiell kritisch.


Diesem Risiko wollte sich der Anwalt wohl nicht aussetzen :-) Wie
gesagt, ich kann ihn verstehen, hat doch die Erfahrung gezeigt, dass
sich sogar zwei Wettbewerbszentralen uneins waren. Damals habe ich
mich sehr über Äußerungen von der ansonsten geschätzten Frau Professor
Edda Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen geärgert, die
meinte, Geschäftsleute würden ihre Hausaufgaben nicht machen - wo doch
selbst Juristen ihre Schwierigkeiten mit der Materie hatten (haben).

>Das ist eben eines der praxisrelevanten Probleme des Internet aus
>juristischer Sicht:


Es ist für den Laien auch nicht immer nachzuvollziehen. Wurde einst
die Erwähnung, dass die Mehrwertsteuer im Endpreis enthalten ist wegen
Selbstverständlichkeit abgemahnt, musste das von heute auf morgen bei
jeder Preisangabe explizit angegeben werden.

>Nun, die aktuelle Geschichte begann sicherlich, bevor Du die oben
>beschriebene Erkenntnis hattest, ansonsten würde mich schon
>interessieren, warum Du dennoch bei ihm bleibst.


Der Webshop ist sozusagen ein Nebenschauplatz, meine Haupt-Tätigkeit
ist ein Ladengeschäft. Da ich kein Prozesshansel bin, die Hilfe eines
Anwalts nur äußerst selten benötige und er mir sympathisch ist, halte
ich ihm seit Jahren die Treue - und er mir.

Gruß
Jürgen Rösener
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