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Arno (04.05.2020, 19:09)
Hallo,

folgendes läuft hier gerade: Ein Wohnhaus, 20 Eigentümer, hat seit mehr
als 5 Jahren eine Verwaltung. Die machte die Verwaltung eher schlecht
und wurde abgemahnt (vor ca. 3 Jahren). Daraufhin wurde ein neuer
Mitarbeiter eingestellt, der machte die Sache richtig gut, kümmerte sich
um alles, war kompetent in Recht und im Umgang mit Handwerkern. Ein
"Engel" wie man sich als Eigentümer nur wünschen kann.

Leider wurde der dann vor einem Jahr abgeworben, und alles war wieder
schlecht, Reperaturen wurden nicht gemacht, Beschlüsse nicht ausgeführt,
und dann kam (März 2020) von der Verwaltung ein Kündigungsschreiben an
den WEG-Beirat. Grund: Kein Personal, Geschäftsfortführung unmöglich,
Frist 1 Monat. Immerhin hat sich die (jetzt als "alte" Verwaltung
bezeichnet) Verwaltung um einen Ersatz bemüht, der Beirat ist mit der
Empfehlung einverstanden. Die neue Verwaltung ist trotz Mehrleistung
(laut Angebot) sogar für 2 Jahre per Festpreis nur gleichteuer.

Wegen Corona ist keine WEG-Versammlung möglich. Das WEG-Gesetz bietet in
so einem Fall einen Verfahren Namens "Umlaufbeschuß" an. Das ist
schriftlich auszuführen, leider aber nur wirksam wenn wirklich 100%
Zustimmen (also auch keine Enthaltung).

Leider ist einer der Eigentümer bockig. Ich zitiere mal aus dem
Schriftverkehr des Beirates (die krude Rechtschreibung ist nicht von
mir):

[3 vorgeschobene Gründe plus]

> weil die Reinigung des Treppenhauses nicht seinen Vorstellungen entspricht

und weil sich in seinen Augen niemand um die Gemeinschaft kümmert,
obwohl ich ihm erklärt habe, was wir seit Februar unternommen haben wie
auch, dass die Wasserzähler sowieso erst in diesem Frühjahr eingebaut
werden sollten, das hatte mir [Klemtnerfirma] im Letzten Jahr schon
erklärt.

> und es ist ihm egal, dass es noch länger dauern wird, bis die Wasserzähler

eingebaut werden, so lange wir keine neue Verwaltung haben. Er würde
dann Anfang 2021 ein schreiben aufsetzen, wenn diese verpflichtend sind
und sich entsprechend beschweren. wenn diese bis dahin nicht eingesetzt
sind. ER ist alo bockig, und entweder er beruhigt sich oder es wird nix.

-------

Also dieser Eigentümer blockiert vorsätzlich die Berufung einer neuen
Verwaltung. Da er unter mir wohnt und ich bei einer anderen Sache auf
ihn (sein Entgegenkommen) angewiesen bin möchte ich ihn nicht gegen mich
aufbringen. Aber wie kann man ihn davon überzeugen oder ggf. rechtlich
vorgehen, damit eine neue Verwaltung bestellt werden kann? Auf ein Ende
der Corona-Sperre zu warten und dann eine Versammlung einzuberufen ist
leider zeitlich nicht abschätzbar und daher nur 2. Wahl.
Michael 'Mithi' Cordes (04.05.2020, 21:21)
Arno füllte insgesamt 58 Zeilen u.a. mit:

>folgendes läuft hier gerade: Ein Wohnhaus, 20 Eigentümer
>[...]
>Wegen Corona ist keine WEG-Versammlung möglich.


Warum nicht? 5 * 4 Raster mit 2m mindestabstand => Versammlungsraum muss
mindestens 8m * 6m sein. Einen solchen Raum finden und ganz normal
durchziehen.

cya
Mithi
Tobias Schuster (04.05.2020, 23:58)
Am 04.05.2020 um 19:09 schrieb Arno:
[ ... ]

> Also dieser Eigentümer blockiert vorsätzlich die Berufung einer neuen
> Verwaltung. Da er unter mir wohnt und ich bei einer anderen Sache auf
> ihn (sein Entgegenkommen) angewiesen bin möchte ich ihn nicht gegen mich
> aufbringen. Aber wie kann man ihn davon überzeugen oder ggf. rechtlich
> vorgehen, damit eine neue Verwaltung bestellt werden kann? Auf ein Ende
> der Corona-Sperre zu warten und dann eine Versammlung einzuberufen ist
> leider zeitlich nicht abschätzbar und daher nur 2. Wahl.


Sorry, wenn ich nicht schreibe, was erwartet wird.

Aber wer lässt sich schon auf eine WEG ein? Da ist Zoff so gut wie immer
vorprogrammiert.

Lieber das kleinste Reihen- oder Siedlungshäuschen als eine 129qm
WEG-Wohnung.

Ich habe die illusorische Hoffnung, dass jemand die WEG-Anteile eines
solchen Wohnkomplexes gesamt aufkauft und wieder geordnete
Mieter-/Vermieter-Relationen gelten. Das ist für alle Parteien rechtlich
ausgeglichener und wesentlich stressfreier.

2
Arno (05.05.2020, 16:14)
Tobias Schuster <7e0f2510> wrote:

> Lieber das kleinste Reihen- oder Siedlungshäuschen als eine 129qm
> WEG-Wohnung.


NEIN DANKE. Von Garten & co. habe ich die Nase voll, und 129qm ist viel
zu groß. Meine 55qm sind ideal. Nahezu um nichts kümmern, keine
Schnee-Laub-Baum-Stress, wenn was klemmt Hausmeister anrufen. Da ist die
aktuelle Unstimmigkeit mit den Miteigentümern noch nahezu stressfrei.
Tobias Schuster (05.05.2020, 19:15)
Am 05.05.2020 um 16:14 schrieb Arno:
> Tobias Schuster <7e0f2510> wrote:
> NEIN DANKE. Von Garten & co. habe ich die Nase voll, und 129qm ist viel
> zu groß. Meine 55qm sind ideal. Nahezu um nichts kümmern, keine
> Schnee-Laub-Baum-Stress, wenn was klemmt Hausmeister anrufen. Da ist die
> aktuelle Unstimmigkeit mit den Miteigentümern noch nahezu stressfrei. Das lässt die Hoffnung keimen, dass man doch miteinander auskommen kann.


Leider höre ich aber ständig, dass man sich in den Haaren liegt und
bisweilen Gerichte anruft. Revanchistische Kleingeister stellen sich
gerne quer und widersetzen sich simplen Änderungen, welche der
Gemeinschaft noch nicht mal Geld kosten.

So fühle ich mich bestärkt, die Finger davon zu lassen, obwohl es zum
flexiblen Wechseln des Wohnorts eine schöne Sache wäre.

2
Reindl_Wolfgang (09.05.2020, 01:04)
Am 04.05.20 um 19:09 schrieb Arno:

> folgendes läuft hier gerade: Ein Wohnhaus, 20 Eigentümer,


> Wegen Corona ist keine WEG-Versammlung möglich. Das WEG-Gesetz bietet in
> so einem Fall einen Verfahren Namens "Umlaufbeschuß" an. Das ist
> schriftlich auszuführen, leider aber nur wirksam wenn wirklich 100%
> Zustimmen (also auch keine Enthaltung).


Für eine WEG mit 6 Mitgliedern hatten wir vorige Woche eine Versammlung
per Teflonschaltung. Meinereiner ist da schon bei der Begrüßung erstmal
rausgeflogen, nach Reklamationsanruf im Büro wurde ich aber wieder in
die Runde aufgenommen und war dann stabil drin für die ganze restliche
Dauer.
Erfordert latürnich Disziplin bei allen Beteiligten, damit auch alle
Wortbeiträge verstanden werden können.
Die Verwaltung hat eine Vollmacht auf ihren Namen benötigt, die ich mit
dem Hinweis 'nach Ergebnis der Telefonkonferenz' ergänzt hab'.

Bei 20 Miteigentümern könnte so eine Teflonkonferenz technisch
möglicherweise etwas schwieriger werden, Durcheinanderquasselmäßig noch
mehr. Aber Versuch macht kluch.

Oder Computer-Konferenz ala Grünparteitag, die waren mehr als 20 Teilnehmer?

Mit der einberufenden Verwaltung vorab abklären, ob die sowas machen
würden. Teflon haben alle, computerkonferenzfähige Hardware oder
Internetverbindung oder das Wissen dazu nicht unbedingt.

Wolfgang
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