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eu_angelion (21.01.2020, 17:44)
Hallo!

Ich habe diverse Fragen dazu, wie heutzutage (Januar 2020)
bootbare Datenträger aufgebaut sein sollten.

Zu bootbaren CD/DVD:
====================

Früher habe ich ab und zu bootbare CDs und DVDs nach El-Torito-
Standard erstellt. Da ich mit Software, die das für mich
automatisch machen wollte, häufig nicht zurechtgekommen bin,
habe ich das oft in "Handarbeit" gemacht:

- .iso-Image-Dateien derjenigen bootbaren Disketten oder
bootbaren Festplatten angelegt, die ich von der CD/DVD booten
können wollte. Im weiteren als bootbare .iso-Images bezeichnet.
.iso-Image-Dateien bootbarer Festplatten mussten den MBR und
die Partitionstabelle beinhalten.

- Mit dem Hex-Editor eine 2048-Byte große Datei erzeugt, die
schonmal den gesamten (späteren) Bootkatalog enthielt, d.h.
Validation-Entry, Initial/Default-Entry, Section Headers und
Section Entries, aber die Entries noch ohne die
Startadressen der bootbaren .iso-Images, und die ansonsten mit
Nullen aufgefüllt ist.
Im weiteren als "die Datei mit dem Bootkatalog" bezeichnet.

- Ein später auf CD/DVD zu brennendes .iso-Dateisystem angelegt,
dessen allererste Datei die Datei mit dem Bootkatalog war, auf
welche dann der Reihe nach die Dateien mit den bootbaren
.iso-Images folgten, woraufhin dann die restlichen Dateien
und Verzeichnisse/Ordner folgten, die auf die CD sollten.

- Mit dem Hex-Editor dieses später auf CD/DVD zu brennende .iso-
Dateisystem editiert:

In die Datei mit dem Bootkatalog die Startadressen der
bootbaren .iso-Images nachgetragen. Das geht ja erst, wenn
man im auf CD/DVD zu brennenden .iso-Image nachschauen kann,
welche Adressen sie in diesem Image haben.
In Sektor 17 den Boot Volume Descriptor nach El Torito
Standard und die Startadresse der Datei mit dem Bootkatalog
eingetragen.

- Das editierte später auf CD/DVD zu brennende .iso-Dateisystem
auf CD/DVD gebrannt.

Beim Booten von CD/DVD wurde mir dann immer ein Menü gemäß
Bootkatalog angezeigt, bei dem ich auswählen konnte, welches
Image gebootet werden sollte.

Bei Auswahl eines Disketten-Images wurde dann ein
Floppy-Laufwerk mit eingelegter Diskette emuliert.

Bei Auswahl eines Festplatten-Images wurde dann eine nach MBR-
Schema partitionierte Festplatte emuliert.

Und da kommen wir jetzt zu meinen auf die moderne Zeit bezogenen
Problemen:

Auch mit meiner heutigen UEFI-Maschine kann ich etliche solche
DVDs noch immer booten.

Allerdings: Wenn ich das Image einer Festplatte auswähle, welches
keine GPT-Strukturen, sondern nur MBR-Strukturen enthält,
funktioniert das Booten dieses Images nur dann, wenn im UEFI
die Option "Legacy BIOS Modus" aktiviert ist.

Stellt UEFI selbst/automatisch fest, nach welchem Schema (MBR
oder GPT) eine Festplatte partitioniert ist?
(Falls ja, dann dürfte im beschriebenen Fall die Notwendigkeit,
"Legacy BIOS Modus" zu aktivieren, salopp gesagt dadurch
begründet sein, dass das gebootete Betriebssystem mit UEFI
nicht zurechtkommt und BIOS haben will.)

Angenommen, ich möchte ein auf CD gebranntes Festplatten-Image
mit Betriebssystemen, die sowohl mit UEFI als auch mit BIOS
zurechtkommen, auch im UEFI-Modus booten können und die Option
"Secure Boot" ist deaktiviert:

Reicht es unter Umständen aus, statt eines Festplatten-Image
mit MBR-Strukturen das Image einer GPT/MBR-Hybrid-Festplatte
zu nehmen?

Angenommen, das gebootete Betriebssystem ist auf BIOS ausgelegt
und nicht auf UEFI. Beinhaltet zB Programme, die manche Dinge
direkt über das BIOS machen:

Gibt es eine Möglichkeit, im Initial Entry bzw in den Section
Entries des Bootkatalogs einer CD/DVD, oder vielleicht bei der
Platform-ID in den Section-Headers des Bootkatalogs einer
CD/DVD oder sonstwo irgendwie zu vermerken, dass auf
"Legacy BIOS Mode" umgeschaltet werden muss, und zwar so zu
vermerken, dass eine UEFI-Maschine dies beim Booten dieses
Image automatisch tut, und dass der Vermerk auf einer
BIOS-Maschine nicht stört/nicht schadet?

Zu bootbaren USB-Sticks:
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Wie sind bootbare USB-Sticks aufgebaut?

Eher wie bootbare Disketten, oder eher wie bootbare Festplatten,
oder eher wie bootbare CD/DVD?

Falls zweiteres: Kann man bootbare USB-Sticks im Prinzip auf die
selbe Weise gestalten wie bootbare GPT/MBR-Hybrid-Festplatten?

Zu bootbaren externen USB-Festplatten:
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Müssen bootbare USB-Festplatten anders aufgebaut werden als
bootbare interne Festplatten?

Mit freundlichem Gruß

Ulrich
eu_angelion (23.01.2020, 23:46)
Ich schrieb:

> Ich habe diverse Fragen dazu, wie heutzutage (Januar 2020)
> bootbare Datenträger aufgebaut sein sollten.


Bin inzwischen selbst fündig geworden:

<https://uefi.org/specifications>

Ulrich
Bastian Lutz (24.01.2020, 20:33)
Hallo Ulrich!

Am 21.01.2020 um 16:44 schrieb eu_angelion:
> Ich habe diverse Fragen dazu, wie heutzutage (Januar 2020)
> bootbare Datenträger aufgebaut sein sollten.


Z. B. von VeraCrypt weiss ich, dass man fuer UEFI-Boot nur eine von
VeraCrypt erzeugte ZIP-Datei in das Root-Verzeichnis eines
FAT32-formatierten USB-Sticks entpacken muss, fertig.

Und es gibt soviele Tools die z. B. aus ISOs bootbare USB-Sticks machen
oder Notfall-USB-Sticks mit Bootmanager machen & Co. Da kannst du dich
mal umschauen, wenn du nicht in Handarbeit sowas erstellen willst. Wobei
nicht alle Tools in allen Faellen funktionieren, je nach dem ob z. B.
Win oder Linux, IIRC manchmal sogar abh. von der Linux-Distri.

Bastian Lutz
eu_angelion (25.01.2020, 13:41)
Bastian Lutz schrieb:

> ... [VeraCrypt] ...


> Und es gibt soviele Tools die z. B. aus ISOs bootbare USB-Sticks machen
> oder Notfall-USB-Sticks mit Bootmanager machen & Co. Da kannst du dich
> mal umschauen, wenn du nicht in Handarbeit sowas erstellen willst. Wobei
> nicht alle Tools in allen Faellen funktionieren, je nach dem ob z. B.
> Win oder Linux, IIRC manchmal sogar abh. von der Linux-Distri.


Vielen Dank für die Antwort.

Mir geht es darum, so gut bescheid zu wissen, dass erstens ich
wieder nachvollziehen kann, was solche Tools tun, und zweitens
ich so etwas auch "von Hand" bzw durch entsprechende Vorbereitung
eines Dateisystems und entsprechende Nachbearbeitung der daraus
erzeugten .iso-Datei per Hex-Editor machen kann, wie seinerzeit
mit den nach El Torito Standard bootbaren CDs/DVDs.

Die in meinem vorigen Posting verlinkten UEFI-Spezifikationen
haben mir da sehr weiter geholfen.

Konkreter Anlass war der Wunsch, bootbare USB-Festplatten zu
basteln, von denen per Bootmenü sowohl mehrere Versionen von
CloneZilla-Live als auch Knoppix gebootet werden können, und zwar
sowohl von x86- als auch von x64-Plattormen aus, sowohl via UEFI
als auch via BIOS, und auf der auch gleich die mit CloneZilla
angelegten Images/Sicherungen abgelegt werden können.

Das selbe wollte ich auch als bootbare DVD haben.

Außerdem wollte ich die Möglichkeiten, Bootprozesse bei nach
GPT-Schema partitionierten Festplatten zu gestalten, besser
verstehen, um bei der Einrichtung von Systemen, bei denen sowohl
Windows 7 als auch Windows 10 oder 8.1 booten können, weniger
Probleme zu haben.

Der Grund für letzteres ist, dass mich zur Zeit etliche Leute
ansprechen, die sich erst jetzt um ihren Umstieg von Windows 7
zu etwas neuerem kümmern.

Da ich dazu übergegangen bin, meine Installationen älterer
Betreiebssysteme in virtuellen Maschinen zu halten, die nach der
Session postwendend entsorgt werden, habe ich meine Bildung in
Sachen Multiboot-Plattformen leider etwas vernachlässigt.

Der Grund für die Möglichkeit mehrerer CloneZilla-Versionen war/
ist:

Vor zwei Wochen wurde ich mal wieder mit einem alten Windows95-
Rechner konfrontiert (Intel Pentium 200MMX, also zB kein PAE),
der unvernetzt herumsteht, d.h. ohne jegliche Internetanbindung,
vom Besitzer aber wacker fürs Einscannen von Dokumenten und
Schreiben und Ausdrucken von Serienbriefen genutzt wird, und von
dem es keine Backups gab.

Die Hauptplatine dieses Rechners hat USB 1.0-Anschlüsse von denen
man nicht booten kann. Von CD kann man auch nicht booten. Nur von
Festplatte bzw Diskette.

Ich habe also eine alte CloneZilla-Version ausgegraben, die mit
dieser Rechnerarchitektur noch zurechtkommt und auf einer
externen Festplatte installiert, die als MBR/GPT-Hybrid
partitioniert und eingerichtet ist, sodass dort also auch alle
Infrastrukturen fürs MBR-Booten vorhanden sind.

Außerdem habe ich eine Boot-Diskette mit dem Plop Boot
Bootmanager von Elmar Hanlhofer erstellt.

Wenn der betreffende Rechner von dieser Diskette gebootet wird
während die externe Festplatte am USB 1.0-Anschluss
angeschlossen ist, kann man im per Bootdiskette angezeigten
Plop-Bootmenü auswählen, dass von USB weitergebootet werden soll.
Dann wird freundlicherweise dieses alte CloneZilla gebootet und
dann können Backups vom Rechner auf der externen Festplatte
angelegt werden. Das alles dauert zwar ewig, allein der
Bootvorgang, bis CloneZilla geladen ist, braucht auf dieser
Maschine zehn Minuten, aber es funktioniert.

Ulrich
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