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Manfred Ullrich (05.10.2009, 10:36)
Bei einer Brille wollte ich die Stärke ermitteln. Dazu habe ich die Brille
vor ein Stück weißes Papier gehalten. Das Licht kam vom teilweise bewölkten Himmel,
das durch ein Dachfenster fiel. Dann habe ich den Abstand Brille variiert, bis ich
die Sonne und (vor allem) die Wolken schön scharf abgebildet sehen konnte.

Nun stellte ich fest, dass jener Abstand einmal 16,5cm und das andere Mal 18,5cm war,
je nach dem, ob das Licht von "außen" (16,5cm) oder von "innen" durch die Brille ging.

Wie ist das zu erklären - und welche Dioptriewerte hat nun die Brille?
(Kein Astigmatismus))

Dank und Gruß
Manfred
Gernot Zander (05.10.2009, 15:10)
Hi,

in de.alt.augenoptik Manfred Ullrich <manfred.ullrich> wrote:
> Wie ist das zu erklären - und welche Dioptriewerte hat nun die Brille?


So ein Brillenglas ist keine normale Linse, sondern auf einer Seite
konvex auf der anderen konkav. Der Mittelpunkt liegt außerhalb des
Glases - frag mich aber nicht, wie man das berechnet.

mfg.
Gernot
Ralf . K u s m i e r z (05.10.2009, 23:56)
X-No-Archive: Yes

begin quoting, Manfred Ullrich schrieb:

> Bei einer Brille wollte ich die Stärke ermitteln. Dazu habe ich die Brille
> vor ein Stück weißes Papier gehalten. Das Licht kam vom teilweise bewölkten Himmel,
> das durch ein Dachfenster fiel. Dann habe ich den Abstand Brille variiert, bis ich
> die Sonne und (vor allem) die Wolken schön scharf abgebildet sehen konnte.
> Nun stellte ich fest, dass jener Abstand einmal 16,5cm und das andere Mal 18,5cm war,
> je nach dem, ob das Licht von "außen" (16,5cm) oder von "innen" durch die Brille ging.
> Wie ist das zu erklären


Stichworte: Dicke Linse, Hauptebenen.

> - und welche Dioptriewerte hat nun die Brille?


Zwischen 5,5 und 6 dpt (weil ich Deinen Meßkünsten nicht traue).

> (Kein Astigmatismus))


Ein Brillenglas ist auch entfernt keine ideale Linse. Das liegt
einfach daran, daß sich die optische Achse des Auges bei den
Augenbewegungen ständig auf andere Stellen des Brillenglases richtet,
weswegen es eher die Form einer Kugelkappe als einer "Linse" hat,
deshalb kriegt man gar kein scharfes Projektionsbild, sondern hat
erhebliche sphärische Fehler.

Gruß aus Bremen
Ralf
Christian @Soemtron (06.10.2009, 12:38)
Ralf . K u s m i e r z <me> schrieb:

> 18,5cm war,
> Brille ging.


Durch den Unterschied bildseitige und objektseitige Scheitelbrennweite:

> Stichworte: Dicke Linse, Hauptebenen.


Mit der Dicke hat das weniger zu tun, sondern mit der Durchbiegung, wegen
welcher die Hauptebenen bei einem Brillenglas außerhalb der Linse liegen.

> Ein Brillenglas ist auch entfernt keine ideale Linse. Das liegt


Was ist eine ideale Linse?

> einfach daran, daß sich die optische Achse des Auges bei den
> Augenbewegungen ständig auf andere Stellen des Brillenglases
> richtet, weswegen es eher die Form einer Kugelkappe als einer
> "Linse" hat, deshalb kriegt man gar kein scharfes Projektionsbild,
> sondern hat erhebliche sphärische Fehler.


Je nach Bedingungen hat man natürlich ein scharfes Bild, trotz der
zahlreichen Abbildungsfehler. Beim vorliegenden Versuch spielen die
jedoch keine Rolle.

cu,
Christian
PGP Key (RSA) available.
Ralf . K u s m i e r z (06.10.2009, 16:42)
X-No-Archive: Yes

begin quoting, "Christian @Soemtron" schrieb:

>>> Wie ist das zu erklären

> Durch den Unterschied bildseitige und objektseitige Scheitelbrennweite:
>> Stichworte: Dicke Linse, Hauptebenen.

> Mit der Dicke hat das weniger zu tun,


Nein, aber "dicke Linse" ist nun einmal das begriffliche Pendant zu
"dünne Linse" mit vernachlässigbar kleinem Hauptebenenabstand.

> sondern mit der Durchbiegung, wegen
> welcher die Hauptebenen bei einem Brillenglas außerhalb der Linse liegen.


und man deswegen einfach den falschen Abstand mißt (was auch bei einem
Hauptebenenabstand von null der Fall sein kann).

>> Ein Brillenglas ist auch entfernt keine ideale Linse. Das liegt

> Was ist eine ideale Linse?


Sie transformiert Parallelstrahlen auf Brennstrahlen und läßt
Zentralstrahlen ungebrochen durch, hat also mit anderen Worten keine
Abbildungsfehler.

> Je nach Bedingungen hat man natürlich ein scharfes Bild, trotz der
> zahlreichen Abbildungsfehler.


"Abbildungsfehler" bedeutet, daß man (in dem Projektionsexperiment des
OP) eben kein scharfes Bild bekommt. Bestimmungsgemäß werden
Brillengläser natürlich stark abgeblendet verwendet, denn die
Eintritspupille entspricht in etwa dem Pupillendurchmesser des Auges
von ca. 5 mm, liegt aber für jede Sehrichtung auf dem Glas woanders.

> Beim vorliegenden Versuch spielen die jedoch keine Rolle.


Doch, natürlich.

Gruß aus Bremen
Ralf
Christian @Soemtron (07.10.2009, 15:36)
Ralf . K u s m i e r z <me> schrieb:

> Doch, natürlich.


Ok, Du hast Recht. EOT

cu,
Christian
PGP Key (RSA) available.
Winfried (16.10.2009, 15:29)
X-No-archive: Yes

On 5 Okt., 10:36, "Manfred Ullrich" <manfredullr> wrote:

> Nun stellte ich fest, dass jener Abstand einmal 16,5cm und das andere Mal18,5cm war,
> je nach dem, ob das Licht von "außen" (16,5cm) oder von "innen" durch die Brille ging.
> Wie ist das zu erklären - und welche Dioptriewerte hat nun die Brille?
> (Kein Astigmatismus))


Was du gemessen hast, ist nicht die exakte Brennweite des
Brillenglases, die in beide Richtungen (man sagt objekt- und
bildseitig) gleich ist. Die Brennweite wird nämlich nicht ab
Glasoberfläche gemessen, sondern von der sog. Hauptebene aus. Die kann
aber (gerade bei Meniskus-, d.h. durchgebogenen Linsen) auch außerhalb
der Linse selbst liegen, die genaue Lage ist nicht ganz einfach zu
bestimmen.

Deswegen geht man bei Brillengläsern vom sog. Scheitelbrechwert aus,
d.h. die (auch von dir) vom "Scheitel" des Glases bis zum Brennpunkt
gemessene Entfernung. Dieser Scheitelbrechwert kann natürlich für
Objekt- und Bildseite unterschiedlich sein, auch wenn die Brennweite
gleich ist, da ja die Hauptebene außerhalb der Linse liegen kann.

Deswegen geht man in der Augenoptik immer vom bildseitigen
Scheitelbrechwert aus, d.h. dem, der sich ergibt, wenn das Licht
seinen "normalen Weg" nimmt. Für die Berechung der Dioptrien ist daher
der Wert maßgeblich, der sich ergibt, wenn das Licht von "vorne" auf
das Glas scheint und "hinter" ihm gebündelt wird.

W. Büchsenschütz
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