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Volker Englisch (05.06.2020, 19:02)
Hallo!

Ich habe hier einen PC mit einem Mainboard namens Gigabyte
GA-F2A88XM-HD3. An diesem ist ein LTO-3-Laufwerk über einen
SCSI-Adapter angeschlossen. Ein Beispiel aus dem Log eines NetBSD beim
Versuch, mittels tar darauf zu schreiben:

st0 at scsibus0 target 3 lun 0: <HP, Ultrium 3-SCSI, D21D> tape removable
st0 : drive empty
st0: sync (50.00ns offset 8), 16-bit (40.000MB/s) transfers, tagged queueing
st0 at scsibus0 target 3 lun 0: <HP, Ultrium 3-SCSI, D21D> tape removable
st0 : wd0 at atabus0 drive 0
st0: sync (50.00ns offset 8), 16-bit (40.000MB/s) transfers, tagged queueing
st0(ahc0:0:3:0): Check Condition on CDB: 0x0a 00 00 08 00 00
st0(ahc0:0:3:0): Check Condition on CDB: 0x10 00 00 00 02 00
st0(ahc0:0:3:0): ahc0: no longer in timeout, status = 0

Tar beginnt zu sichern, das Laufwerk läuft für einige Sekunden an,
bevor es plötzlich "aussteigt". Versucht habe ich folgendes:

o Das Laufwerk funktioniert in einem anderen Rechner einwandfrei.

o Ich habe verschiedene SCSI-Karten durchprobiert (PCI und PCI
Express).

o Ich habe verschiedene Kabel durchprobiert.

o Ich habe einen aktiven Terminator ans Ende des Kabels gesteckt, und
alternativ den Terminator des Laufwerks gejumpert.

o Die Fehler passieren undabhängig vom Betriebssystem. Versucht wurden
verschiedene Versionen von NetBSD, FreeBSD und Devuan Linux.

o Verschiedene Stränge der Stromversorgung habe ich auch probiert.

o Statt des SCSI-Adapters habe ich einen SAS-Adapter installiert und
ein SAS-Laufwerk angehängt. Das Problem bleibt auch da bestehen.

Mit meinem Latein bin ich nun am Ende. Mir fällt jetzt nur noch eine
insuffiziente Stromversorgung des Netzteils und ein Einstellfehler im
BIOS ein.

In einzelnen Konstellationen erschien mal die Fehlermeldung "Power is
back again". Daher der Gedanke, es könnte von der Stromversorgung
kommen. Leider habe ich kein Ersatznetzteil. Mit einem Voltmeter habe
ich mal die Spannungen gemessen, sie liegen knapp über 5 bzw. über 12
Volt und brechen auch nicht ein, wenn das Laufwerk anläuft.

Die andere Idee ist die, kann man im PC-BIOS irgendetwas falsch
einstellen, das solche Auswirkungen hat?

Das ist beileibe nicht der erste Rechner, den ich über SCSI mit einem
Bandlaufwerk ausgestattet habe, aber der erste, der so konsequent
"zickt".

Könnten meine Vermutungen (Spannung, Bios) irgendwie richtig sein?

V.
Marcel Mueller (06.06.2020, 11:02)
Am 05.06.20 um 19:02 schrieb Volker Englisch:
> Das ist beileibe nicht der erste Rechner, den ich über SCSI mit einem
> Bandlaufwerk ausgestattet habe, aber der erste, der so konsequent
> "zickt".
> Könnten meine Vermutungen (Spannung, Bios) irgendwie richtig sein?


Im BIOS kannst Du da nicht viel reißen. Die Spannungsversorgung ist
allerdings tatsächlich nicht ganz ohne. Beim Beschleunigen bzw.
Richtungswechsel ziehen die Dinger schon heftige Spitzen. Ein kurzer
Einbruch könnte da schon zu Fehlern führen.

Ein anderer Ansatz wäre die Masseführung und Verkabelung. Du verwendest
kein LVD, sonst wären es zumindest 80MB/s, was sich ob der
Geschwindigkeit von LTO-3 ohnehin empfehlen würde. Ohne LVD sind die
Signale natürlich jeglicher Modulation durch Stromverbrauch in der
Masseleitungen schutzlos ausgesetzt. Das kann den Störabstand schon
nochmal senken. Und der einfache Parity-Schutz von SCSI ist auch nicht
über jeden Verdacht erhaben.

Ich würde auf jeden Fall mal die Statusregister des Laufwerks (geht über
SMART) und eventuelle Fehlerzähler vom Controller nach einem Fehler checken.

Last but not least bleibt noch die Software. Ich habe schon lustige
Sachen erlebt, wenn der Blocking-Factor nicht stimmt oder zu klein ist.
Manchmal ging es, manchmal ist er nach kurzer Zeit abgebrochen.
tar kann da wenig. Ich verwende üblicherweise star (Die erweiterte
Schily-Version). Und Blocksize 256k hat bisher die wenigsten Probleme
gemacht.
Ggf. kann man die Blocksize auch über einen FIFO-Buffer ändern, wenn tar
gesetzt ist.

Marcel
Michael Bäuerle (06.06.2020, 11:03)
Volker Englisch wrote:
[..]
> kommen. Leider habe ich kein Ersatznetzteil. Mit einem Voltmeter habe
> ich mal die Spannungen gemessen, sie liegen knapp über 5 bzw. über 12
> Volt und brechen auch nicht ein, wenn das Laufwerk anläuft.


Der Einbruch kann so kurz sein, dass man ihn am Voltmeter nicht sieht
(er aber trotzdem einen Reset auslöst).

> Die andere Idee ist die, kann man im PC-BIOS irgendetwas falsch
> einstellen, das solche Auswirkungen hat?


Eher unwahrscheinlich, wenn es am anderen Rechner mit dem gleichen HA
funktioniert (nur dessen BIOS-Erweiterung ist hier relevant).

> Das ist beileibe nicht der erste Rechner, den ich über SCSI mit einem
> Bandlaufwerk ausgestattet habe, aber der erste, der so konsequent
> "zickt".
> Könnten meine Vermutungen (Spannung, Bios) irgendwie richtig sein?


Ja, sieht danach aus.

Wenn möglich stelle die beiden Rechner nebeneinander:
Baue das Laufwerk in den Rechner ein, in dem es funktioniert hat.
Der SCSI-HA bleibt im Rechner, an dem es nicht funktioniert hat.
Verbinde Laufwerk und HA mit dem SCSI-Kabel wie üblich. So eine
geteilte Stromversorgung ist bei SCSI zulässig (auch wenn ein
Laufwerk nicht versorgt wird, darf es den Bus nicht blockieren).
Volker Englisch (06.06.2020, 16:11)
Am 06.06.2020 um 11:03 schrieb Michael Bäuerle:
> Volker Englisch wrote:
> Wenn möglich stelle die beiden Rechner nebeneinander:
> Baue das Laufwerk in den Rechner ein, in dem es funktioniert hat.
> Der SCSI-HA bleibt im Rechner, an dem es nicht funktioniert hat.
> Verbinde Laufwerk und HA mit dem SCSI-Kabel wie üblich. So eine
> geteilte Stromversorgung ist bei SCSI zulässig (auch wenn ein
> Laufwerk nicht versorgt wird, darf es den Bus nicht blockieren).


Auf die Idee bin ich nicht gekommen, aber sie war perfekt. Soeben
ausprobiert, das Laufwerk läuft einwandfrei. Ein bisschen
Start-and-Stop, aber das war zu erwarten. Danke für den Tipp!

Also doch die Stromversorgung. Das jetzige Netzteil bringt 16A bei 12
Volt und 15A bei 5 Volt. Welche Stromstärke sollte ich beim
Netzteil-Kauf anvisieren, damit ich sicher genug Reserve habe?

V.
Volker Englisch (06.06.2020, 16:19)
Am 06.06.2020 um 11:02 schrieb Marcel Mueller:
> Am 05.06.20 um 19:02 schrieb Volker Englisch:
> Im BIOS kannst Du da nicht viel reißen. Die Spannungsversorgung ist
> allerdings tatsächlich nicht ganz ohne. Beim Beschleunigen bzw.
> Richtungswechsel ziehen die Dinger schon heftige Spitzen. Ein kurzer
> Einbruch könnte da schon zu Fehlern führen.


Dass ich im BIOS nicht allzu viel falsch machen kann beruhigt mich. Die
Spannungsversorgung hat sich bewahrheitet. Michaels Idee brachte die
Erkenntnis. Leider haben die elektronischen Multimeter zu viel Latenz,
um sehr kurze Einbrüche zu sehen.

> Ich verwende üblicherweise star (Die erweiterte
> Schily-Version). Und Blocksize 256k hat bisher die wenigsten Probleme
> gemacht.


Kenne ich, hatte ich schon mal im Einsatz, nur die Bedienung habe ich
noch nicht ganz heraus. Irgendwie hatte ich beim Zurücksichern
zusätzliche Files auf der Platte, die wohl von star stammten. In einer
ruhigen Minute werde ich die Manpage mal aufmerksam lesen müssen.

V.
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